Politgeschäfte im ORF: System Pelinka

Kommentar der anderen | 2. Jänner 2012, 14:38
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    foto: apa/schlager

    Gut, dass man Freunde hat: SPÖ-Freundeskreis-Chef Niko Pelinka (li.) im Gespräch mit ÖVP-Freundeskreis-Chef Franz Medwenitsch.

ORF-Generaldirektor Wrabetz hat den Parteien für seine Wiederwahl offenbar viel versprochen. Der Preis, den der ORF dafür zahlen muss, ist hoch - zu hoch - Die Mitarbeiter fühlen sich verraten - Eine Kampfansage - Von Dieter Bornemann

Immerhin, Niko Pelinka, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, ist nicht ORF-Generalsekretär geworden. Sondern soll "nur" Büro-Chef von Generaldirektor Wrabetz werden. Doch kaum jemand glaubt, dass Pelinka mit 25 Jahren als Bürochef am Ende seiner Karriere angekommen ist. Er hat die Wiederwahl von Wrabetz zum ORF-General orchestriert und soll dafür einen hoch dotierten Posten im ORF bekommen. Sein Mandat als Stiftungsrat hat er bisher nicht zurückgelegt. Auch kein Zeichen für einen sensiblen Umgang mit Unvereinbarkeiten.

Und er ist damit nicht der einzige Stiftungsrat: Der ehemalige ÖVP-Landesgeschäftsführer Helmut Krieghofer wird Landesdirektor im ORF Tirol.

Der rote Technik-Betriebsrat (und Stiftungsrat) Michael Götzhaber wird zum Technischen Direktor bestellt.

Der schwarze Betriebsrat (und Stiftungsrat) Robert Ziegler bekommt in der Generaldirektion einen neu geschaffenen Posten zur "Koordinierung der Landesstudios".

Vier Stiftungsräte werden unmittelbar nach der Wahl des Generaldirektors in Management-Positionen befördert. Zwei stehen der SPÖ nahe, zwei der ÖVP.

Und dann wird noch die Position eines "stellvertretenden Technik-Direktors" geschaffen, weil ein FPÖ-Stiftungsrat "meine Stimme von der Zukunft des Online-Direktors abhängig" macht - wie er in einem Interview offen zugibt.

Personelle Zugeständnisse für seine Wiederwahl? Habe es keine gegeben, sagt Wrabetz.

Viele ORF-Mitarbeiter fühlen sich verraten und verkauft, die Glaubwürdigkeit des ORF ist schwer beschädigt und die gesetzlich garantierte Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bedroht. Ein radikales Sparprogramm macht die Kernaufgabe des öffentlich-rechtlichen Senders immer schwieriger, nämlich die Berichterstattung: Die Redaktionen werden ausgedünnt, Personal eingespart und Mitarbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen gehalten.

Selbstverständlich darf sich jeder ORF-Chef seine engsten Mitarbeiter selbst aussuchen. Es gibt allerdings wesentliche Einschränkungen. In den ORF-Programmrichtlinien steht, dass "ORF-Journalistinnen und Programmverantwortliche alles zu unterlassen haben, das geeignet sein könnte, Zweifel an der Unabhängigkeit des ORF aufkommen zu lassen".

Glaubwürdigkeit ...

Im neuen "Verhaltenskodex" für ORF-Mitarbeiter lautet der erste Satz: "Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von existenzieller Bedeutung". Das ORF-Gesetz definiert, unzweideutig, was "Unabhängigkeit" ist, nämlich: "... Unabhängigkeit bedeutet Unabhängigkeit von Staats- und Parteieneinfluss ...". Und weiter: "Der Generaldirektor hat das Unternehmen unter eigener Verantwortung so zu leiten, wie es das Wohl des Unternehmens unter Berücksichtigung des öffentlichen Interesses und der Interessen der Arbeitnehmer erfordert."

Nichts davon wird mit den aktuellen Besetzungen erfüllt: Das Wohl des Unternehmens leidet, das öffentliche Interesse wird mit parteipolitischem Interesse verwechselt. Und die Interessen der ORF-Arbeitnehmer/innen werden durch politische Posten-Besetzungen mit nachträglichen Pro-forma-Ausschreibungen verletzt.

Es geht dabei nicht um die Person Pelinka, sondern um das System: Offenbar müssen die Parteien zufrieden gestellt werden, erst dann kann der ORF-Generalintendant arbeiten.

... schwer beschädigt

Das Absurde: So frei wie jetzt wird Alexander Wrabetz nie wieder sein: Gerade mit breiter Mehrheit für fünf Jahre wiederbestellt, eine Gebührenerhöhung durchgebracht, das ORF-Gesetz geändert. Jetzt scheint der Zahltag für die Parteien gekommen, die das Kontrollorgan Stiftungsrat mit partei-politischer Kontrolle verwechseln. Und die geht am besten, wenn das eigene Personal im ORF untergebracht wird. Abhängigkeit schafft Loyalität.

Weltanschauung darf kein Karrierehindernis sein. So das Standard-Argument, wenn partei-politische Postenbesetzungen kritisiert werden. Das stimmt, aber: Karrieren im ORF-Management werden häufig nicht trotz, sondern wegen der Parteizugehörigkeit gemacht.

Und da kann die Unabhängigkeit noch so oft in der Verfassung stehen. So lange Manager im ORF von Parteizentralen bestimmt werden können und nicht ausschließlich nach objektiven Verfahren die besten Frauen und Männer zum Zug kommen, läuft es falsch.

Trotz allem ist das Image der ORF-Berichterstattung gut und unsere Glaubwürdigkeit beim Publikum hoch. Doch mit seinen jüngsten Personalentscheidungen bedroht der Generaldirektor die Unabhängigkeit und das Image des Senders. Da können die Journalistinnen und Journalisten noch so gute Arbeit leisten.

Wir wollen einen unabhängigen Rundfunk - so wie es das Gesetz verlangt. Und dafür sind wir bereit zu kämpfen. (Dieter Bornemann, DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

DIETER BORNEMANN (43) ist ZiB-Redakteur und Sprecher des TV-Redakteursrats im ORF.

Zum Thema
derStandard.at/Etat zu ORF und Pelinka

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Posting 1 bis 25 von 173
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lola1234
01
Hat der bisherige Büroleiter was angestellt?

Kurt Reissnegger war gerade einmal 10 Monate Büroleiter und hat dafür seine Position beim oe1 Club aufgegeben. Von seiner Ablöse durch Niko Pelinka erfuhr er angeblich am 23.12. per OTS-Meldung. War das letzthin so intensiv beschworene persönliche Vertrauensverhältnis getrübt? Ist das nur ganz mieser Stil? Oder nur ganz schlechtes Timing? Oder warum haben sich die Ereignisse da scheinbar so überschlagen? Wenn Alexander Wrabetz per Beginn seiner neuen Amtszeit mit einem anderen Büroleiter antreten wollte, warum hat er diese Stelle im Sinne einer geordneten Übergabe nicht ohne Weiteres zeitgerecht ausgeschrieben und vergeben?
Da wird geschwurbelt und geflunkert, dass einem ganz schwindlig und übel wird.

Physikus75
00
Kann man es nicht organisieren die ORF-Gebühren bis auf weiteres auf ein Treuhandkonto zu zahlen?

Bei der Performance dieser Regierung wäre das auch für die restlichen Steuern zu überlegen!

V995
00
künstliche aufregung

das ist das system österreich das im übrigen schüssel perfektioniert hat

Rose Bud
02
Schüssel hat vieles zu verantworten...

...dir roten Sauereien gehören aber ausnahmsweise nicht dazu

knautz
00
ich werde beim Waberl seiner Ausschreibung mitmachen,

denn immerhin war ich mal bei den roten Falken - na ja, aber dort haben's mich rausg'schmissen, weil ich im Tischtennis immer g'wonnen hab....

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
Eine schöne "bedarfsorientierte Mindestsicherung" -

haben sich da die speziellen freunderl geschaffen - für viele andere bleibt oft nur noch statt einer ausreichenden sozialhilfe die willkürliche kürzung o. streichung des existenzminimums (unter der armutsgrenze)...!!
So eine politik ist destruktiv!

Mäander
01
Die Staatskünstler Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba

holen immerhin schon zum Befreiungsschlag aus den Schlangengruben aus.
Das ist ein gutes Zeichen, das ehrt den ORF!

Wir Staatskünstler vom 08.12.2011:
http://www.youtube.com/watch?v=uPuiJDKsrE8

Yes I can!
01
lahmes geschwafel...

Mostbluzza
00
von der marktwirtschaft kunnten die drei

maulhelden kaum leben. sprich von cds usw ....
detto die humorfreien grissestermänner.

die kasperln bekommt man ... gratis, die machens für den politischen gut- willen .... also umsonst wie bei den frauen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02
Es ist so

daß diese renitenten Mentalitäten, die dringend Ex-Mitbürger und damit konkret: Bürgerveralberer und Politikerkarikaturen werden wollten - also Trickbetrüger und Plünderer - *nicht auf Alphabet reagieren*.

Nicht erst seit Tagen nicht, sondern seit 56+ Jahren nicht.

(Egal, welche Partei - keine Unterschiede)

Da hilft nur Action! Robust, wuchtig und wirksam.

Ein totaler Streik, ohne Vorwarnung, just NOW, ist ein guter Anfang. So, daß die Mattscheibe dunkel bleibt - und zwar bis der Crap draussen ist und nie mehr reinkommt.

Oder müssen erst aufgebrachte Bürger den Saustall besetzen, kapern, okkupieren und von der Allparteienseuche kurieren? (Und von den Pfaffen).

("How should I do this?" "In a way that gets it done.")

Dissident
 
01
Die Parteien ruinieren den ORF.

Weil sie glauben, dort hineinregieren zu können, wie sie wollen. Obwohl sie dazu durch nichts legitimiert sind. Und schon gar nicht kompetent in dem Sinne, dass es in ihren Reihen Experten von internationalem Format gäbe. Allerdings: wir Zwangsgebührenzahler, die tatsächlichen Eigentümer des ORF, lassen uns diese Anmaßung gefallen. Es müsste eigentlich längst wieder ein Rundfunk-Volksbegehren geben. Aber: Nur mit den Print-Massenmedien wäre eine solche Mobilisierung möglich. Die matschkern in Kommentaren zwar - aber wirklich unternehmen wollen sie nichts. Mit einem immer schwächer werdenden ORF steigen nämlich ihre Chancen sich selbigen via Privatisierung (Raiffeisen hat ja mit der Sendertochter ORS begonnen) unter den Nagel zu reißen.

knautz
00
sehr richtig - die Printmedien hätten es in der Hand,....

denn unser Staatsfunk scheidet aus bekannten Gründen aus. Aber,welches Blatt lässt sich die großzügigen Inseratenschaltungen und Presseförderungen entgehen? Zum gegebenen Zeitpunkt bringen sie die Presse durch diese Zuwendungen wieder auf Linie.

Bill Munny
03
Ich weiß gar nicht, was er hat,

die Rudas hat doch eh schon gesagt, dass er sich das alles nur einbildet ;-)

Hadik1
08
ORF-Gebühren auf ein Sperrkonto!

Die ORF-Redakteure, die sich wie Bornemann im vorliegenden Beitrag, ohne Rücksicht auf allfällige Karrierenachteile mutig gegen die verheerenden Personalentscheidungen ihres Generaldirektors stellen, gehört unsere ganze Sympathie und Solidarität. Wrabetz hat mit seinen Ernennungen die Unabhängigkeit des ORF und - last but not least - sich selber demontiert. Er gehört so rasch als möglich abgesetzt. Dafür braucht es konkrete Schritte der ORF-Hörer und -Seher (= Zwangsgebührenzahler). Ich zahle meine ORF-Gebühren jedenfalls so lange auf ein Sperrkonto ein, bis der Mann und seine Parteigünstlinge vom Küniglberg verschwunden sind. Wer schliesst sich an?

knautz
00
die Änderung des ORF Gesetzes wurde von Cap und Kopf...

durch einen Initiativantrag eingeleitet und mit den Stimmen ihrer Parteien, im Dezember beschlossen. Man sieht also schon,wie einig sich diese Opportunisten sein können,wenn's um Macht und Einfluss geht - ob sie da den Ruf der vielen ORF'ler,die sensationell gute Arbeit leisten beschädigen, geht denen am A.... vorbei!!!

col.moriol
 
02
wäre ja dabei,

aber hab mich am 23., mit entsprechender begründung, abgemeldet.

Helmut71
00

klingt interessant. Wird bei Kirchenbeiträgen glaub ich ähnlich gehandhabt..

Eine Art Treuhandkonto, von einer unabhängigen Institution eingerichtet..??

Walter Gröbchen
23
Respekt für Niko Pelinka.

Wenn er versteht, dass Karrierestreben und Eitelkeit hier mehr ruinieren als begünstigen. Und er den Job daher nicht antritt. We will see.

michael grasberger
00

eine etwas naive annahme. wenn pelinka tatsächlich auf den job verzichtet, dann sicher nicht freiwillig.
meinen respekt heb ich mir für würdigere kandidaten auf...

Mostbluzza
00
damit steigt nur die belohnung

der hat schon mittlerweile soviele polit-coins, dass der mit 26 bundeskanzler werden kann ... ohne wahl.

er machte den orf chef, verzichtet auf posten in der 2. reihe ... der mann hat potential für einen ...
generaldirektor oder staatsekretär für ... öko oder blondinenquote.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00

Wo die karriere "belohnung" für skrupelloses machtstreben (insbesondere dem anderer) wird...

Helmut71
011
Lauras Klüngel versorgt sich

Pelinka SPÖ Bindeglied und de facto zweitwichtigster Mensch im ORF, Pelinkas Freundin Gudrun Bolech staatsnah versorgt als Vorstandsassistentin der FMA...heissa wie toll das in Österreich doch funktioniert :)

Gusis Truppe hat noch den Marsch durch die Institutionen auf sich nehmen müssen - Lauras Klüngel hat das gar nicht mehr notwendig.

Will sich Österreich das weiter gefallen lassen?

>>> SPÖVP abwählen

knautz
00
geht ohne Hilfe der Printmedien aber leider nicht -

und die haben's im Sackerl....

La Réunion
11
>>> SPÖVP abwählen

ja!

und dann?

Helmut71
00

alles was anders ist ist besser.

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