Liegt es nur an der Schwäche der Regierungsspitze in Wien, dass die Vertreter der Bundesländer heute stärker wahrgenommen werden als in den vergangenen 20 Jahren?
Liegt es nur an der Schwäche der Regierungsspitze in Wien, dass die Vertreter der Bundesländer heute stärker wahrgenommen werden als in den vergangenen 20 Jahren? Wenn heute eine Gabi Burgstaller etwas sagt, dann hat das Gewicht - ähnlich wie bei ihrem Vorgänger im Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz, Josef Pühringer. Genauso ist es beim Nachfolger Franz Voves. Sogar beim lange unterschätzten, seit der Ortstafellösung aber allgemein akzeptierten Gerhard Dörfler wird bundesweit hingehört - und bei Erwin Pröll aus Niederösterreich sowieso.
Man fühlt sich an die Zeit der legendären Landesfürsten Haslauer I., Krainer I. und II., Wallnöfer, Kery und Wagner erinnert. Und von landesfürstlichem Stolz zeugt auch, wie die noch amtierende Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz zum Abschied aufgetreten ist: Mit harter Schelte für das unsensible Fuhrwerken der Bundes-SPÖ im ORF kann sie ebenso Stärke zeigen wie mit dem Vorschlag, den Bundesrat abzuschaffen.
Das passt beides zusammen: Mit ihren jeweiligen ORF-Landesstudios pflegen es sich die Landeshauptleute zu richten, mit ihren Landtagen auch. Ein Bundesrat, noch dazu einer, der in den letzten Monaten durch eine eigene Gesetzesinitiative ein bescheidenes Maß an Eigenständigkeit in der Vertretung der Regionen entwickelt hat, passt nicht ins Konzept einer auf Landeshauptleute ausgerichteten regionalen Identität.
Nun kann man durchaus der Meinung sein, dass die besten Sprecher der Regionen die Landeshauptleute wären - aber dann sollte man die Verfassung entsprechend ändern. Das BZÖ hat sich schon als Mehrheitsbringer angetragen, wenn die Bundeskoalition ein wenig Mut hätte, könnte man die Machtbalance zwischen Bund und Ländern in den bis zur Nationalratswahl verbleibenden 21 Monaten der Realverfassung angleichen: Aus den neun Landtagen könnte man einen Generallandtag machen, der den Bundesrat ersetzt - nebenbei würden all die teuren Sonderregelungen in Bauordnungen, Feuerwehr- und Jagdrecht sowie im Jugendschutz kostendämpfend vereinheitlicht. Die Landeshauptleute könnte man durch Direktwahl stärken und die Landeshauptleutekonferenz als verfassungsmäßigen Gegenpol zur Bundesregierung verankern.
Bei gutem Willen ginge sich das aus - inklusive Volksabstimmung zur Verfassungsänderung. Es wird spannend, was der Steirer Franz Voves dem Bund abringen kann. (DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)