Regierung Harper will Waffenkontrolle schwächen

Bernadette Calonego aus Great Brehat, 30. Dezember 2011, 18:32
  • Eine Schlacht mit Wasserpistolen in Quebec. Ein Massaker in dieser 
kanadischen Provinz vor über 20 Jahren führte zur Einführung eines 
Langwaffenregisters, das laut Statistik positive Effekte hatte.
    foto: reuters/mathieu belanger

    Eine Schlacht mit Wasserpistolen in Quebec. Ein Massaker in dieser kanadischen Provinz vor über 20 Jahren führte zur Einführung eines Langwaffenregisters, das laut Statistik positive Effekte hatte.

Die konservative Regierung in Kanada will ein nationales Waffenregister abschaffen und hat damit einen heftigen Streit ausgelöst. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen den Schritt, Quebec will klagen.

Im ostkanadischen Fischerdorf Great Brehat gibt es nur an die 30 Häuser, steile Klippen und den Blick auf den Nordatlantik. Man kann hier weder Lebensmittel noch Bier kaufen, nicht zur Kirche oder Schule gehen, aber man kann Gewehre bei Dorice Penney kaufen. Sie verkauft die Waffen im Kellergeschoß ihres Hauses. So könne sie Leute noch spät am Heiligen Abend bedienen, sagt sie.

Die Waffenstube der 52-Jährigen ist fast gemütlich. An den holzgetäfelten Wänden stehen über 100 Jagdgewehre und Schrotflinten, darüber eine Girlande aus bunten Glühlampen. In Regalen ist säuberlich die Munition gestapelt. Hier, an der Nordspitze der Insel Neufundland, einer entlegenen Gegend, gibt es viele Waffen. "Bei uns gibt es kein Haus ohne Gewehr", sagt ein Fischer, der im Laden die Preisschilder prüft und lieber anonym bleiben will.

Ross, der Ehemann von Dorice, besitzt 75 Feuerwaffen, die er stolz im Verkaufsraum ausstellt. Wie alle anderen Kanadier musste er sie bei der Polizei registrieren lassen. Doch das ist nun Gegenstand eines heftigen politischen Streits.

Früher konnte man ohne Kontrolle beliebig viele Schrotflinten und Jagdgewehre kaufen, solange man einen Waffenschein besaß. Nur Faustfeuerwaffen und Maschinengewehre waren und sind streng kontrolliert oder verboten. Doch nach einem Amoklauf in Montreal mit 15 Toten und einer langen Kampagne führte die liberale Regierung 1995 ein neues Feuerwaffengesetz und ein nationales Melderegister für Langwaffen ein. Diese machen 90 Prozent aller gemeldeten Waffen in Kanada aus, vor allem Jagdgewehre und Schrotflinten.

Aber das Register wurde zu einem finanziellen Fiasko. Ursprünglich hätte es etwa 1,4 Millionen Euro kosten sollen, nicht zuletzt dank der Gebühren der Waffenbesitzer. Aber am Ende wurden daraus etwa 1,5 Milliarden Euro, auch weil die Gebühren abgeschafft und die Kosten massiv überschritten wurden.

Nun will die derzeitige konservative Regierung unter Premier Stephen Harper das Register wieder abschaffen. Damit würden auch alle gesammelten Daten vernichtet. "Das Langwaffenregister hat es nur auf gesetzestreue Bürger statt auf Kriminelle abgesehen", sagt der konservative Abgeordnete Larry Miller aus der Provinz Ontario, der jedes Jahr mit seiner Familie auf Jagd geht. "Es ist absolut nutzlos und eine reine Geldverschwendung."

Mit solchen Argumenten können die regierenden Konservativen vor allem in ländlichen Gegenden politisches Kapital schlagen. Dorice Penney muss sich jedes Mal Klagen von Kunden anhören, wenn sie sich in ihren Computer einloggt, um eine verkaufte Waffe bei der nationalen Polizei RCMP zu registrieren. "Die Leute sagen, es gehe die Polizei nichts an, welche Gewehre sie besitzen."

In Kanada finden sich in jedem sechsten Haushalt Feuerwaffen. Bislang sind 7,8 Millionen im Register registriert, davon 7,1 Millionen Jagdgewehre und Schrotflinten. Die Nationale Feuerwaffen-Vereinigung schätzt, dass etwa zwei Millionen von 34,6 Millionen Kanadiern eine Feuerwaffe besitzen. Regierungschef Harper erließ 2006 eine Amnestie für alle Besitzer von Langwaffen, die ihre Gewehre nicht registriert hatten.

Auf ihrer Website verkündet Harpers konservative Partei schon siegesgewiss, das Langwaffenregister sei abgeschafft. Dabei wird die endgültige Abstimmung im Parlament erst in einigen Wochen stattfinden. Aber das kümmert die Konservativen nicht, denn mit ihrer Parlamentsmehrheit können sie das Vorhaben leicht gegen jeden Widerstand durchsetzen.

Mehrheit gegen Abschaffung

Mit der Abschaffung des Registers ignoriert die Regierung nicht nur die Meinung der kanadischen Polizeichef-Vereinigung, die das Register für wirksam hält. In Umfragen hat sich eine Mehrheit der Kanadier für die Beibehaltung ausgesprochen, besonders die Menschen in den Städten, die vor allem unter Waffengewalt leiden.

Eine Provinz will trotzdem nicht aufgeben: Die Behörden in Quebec, wo der Amoklauf 1989 stattfand, ziehen gegen das Kabinett Harper vor Gericht, um zu erreichen, dass die Provinz die gesammelten Daten behalten und ein eigenes Register schaffen kann.

"Die Regierung Harper wird von der Waffenlobby beeinflusst, die in Kanada sehr mächtig ist", sagt Wendy Cukier, Präsidentin der Koalition für die Kontrolle von Gewehren, der 300 Organisationen angehören. Dabei seien Verletzungen und Todesfälle durch Gewehre dank strengerer Bedingungen stark zurückgegangen, speziell etwa bei Frauen in Fällen häuslicher Gewalt.

In Great Brehat sitzt Dorice Penney vor einem weißen Heft auf dem Tresen. Darin schreibt sie die Namen der Käufer und die verkauften Gewehre. Das werde sie weiter tun, selbst wenn das Register abgeschafft sei, sagt sie: "Warum soll jemand dagegen sein, der nichts zu verbergen hat?" (Bernadette Calonego aus Great Brehat, DER STANDARD-Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

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Das in der EU-Richtlinie vorgeschriebene Waffenregister

wird man schon in 2 Jahren (2014 steht eine "Evaluierung" an) als veritable Blamage erkennen können.

Als die "Pumpguns" bei uns verboten wurden, hat man versichert, die gemeldeten Waffen würde man behalten können. Das hat sich als Lüge herausgestellt, denn man kann die nicht vererben (die rechtswidrige Enteignung wurde vom VwGH gebilligt und nun ins Gesetz geschrieben).

Wer wird also seine Waffen registrieren lassen, wenn ihm dafür eine Enteignung und/oder (wie in D schon angedacht, da sind alle Waffen schon registriert) eine besondere Strafsteuer droht?

Die illegal in Händen von Verbrechern befindlichen "Handwerkszeuge" werden jedenfalls garantiert nicht gemeldet.

Registrieren heißt requirieren.

Wenn europapolitische/gesellschaftspolitische Experimente hochgehen, dann soll der freie Bürger per Entwaffnung hilflos gehalten werden.

Das Sagen haben dann politische/wirtschaftliche Eliten. Und natürlich die bösen Buben mit ihren illegalen Wummen.

konservative regierung

agiert gegen den willen und die interessen der bevölkerung im interesse einer kleinen lobby.

alles wie gehabt.

Wieso hat diese Registrierung tausendmal mehr gekostet als gedacht? Kann ja an sich nicht so schwer sein.

Weil gelogen wurde, dass sich die Balken biegen

als die Kosten abgeschätzt wurden. In der öffentlichen Verwaltung ist ja alles gratis, weil die Beamten eh schon da sitzen. (Bei uns werden 400.000 Stunden im Jahr darauf aufgewendet, bei Besitzern legaler Waffen zu überprüfen, ob sie eh immer noch die registrierten Waffen alle haben und sicher aufbewaren)

Und die Waffenbesitzer völlig überraschenderweise nicht in Scharen zu den Registrierungsstellen geströmt sind, um eine Abgabe für etwas zu zahlen, das sie weder möchten noch brauchen sondern quasi garantiert, dass man vom Staat mit unerwünschter Aufmerksamkeit bedacht wird.

Fakten aus Kanada

Hoeppner said the registry has cost nearly $2 billion since it was created in 1995 and that that money should have been spent cracking down on real criminals, not farmers and hunters.

"The long-gun registry is not gun control, and because of that it is an ineffective and a waste of taxpayers hard-earned dollars,"

http://www.cbc.ca/news/poli... istry.html

Wer's noch nicht gesehen hat: Bowling for Columbine

http://www.imdb.com/title/tt0310793/

Beinhaltet einen sehr guten Vergleich zwischen den Verbrechen mit Schußwaffen in den USA und in Kanada.
Fazit: Wer mehr legale Schusswaffen erlaubt, erntet nicht nur mehr Amokläufer und Familiendramen, sondern automatisch auch mehr illegale Schusswaffen!
Reine Statistik!

Illegale Schusswaffen stammen praktisch immer aus Regierungsarsenalen und werden dort verloren, verschlampt oder verschoben.

dann dürfte

es in UK auch keine oder nur wenige Probleme mit Faustfeuerwaffen geben; die sind dort jetzt schon längere Zeit defacto komplett verboten; ist aber nicht so.

(Michael Moore mag vieles sein, aber eine zuverlässige Queller ist er nicht)

Ist auch so. Selbst Österreich hat eine doppelt so hohe Rate von Morden mit Schusswaffen pro 100.000 Einwohner als England.

Österreich mit 0,2 pro 100.000 Einwohner. 18 Gesamt. (2006)
England 0,1 pro 100.000. 59 Gesamt (2006)
Kanada 0,6 pro 100.000. 187 (2006)

Die USA haben dagegen 3,4 pro 100.000 Einwohner. 10225 Gesamt. Dort werden 60% aller Morde mit Schusswaffen verübt.

Aber auch die Gesamtmordrate ist wesentlich höher.
USA 5; UK 1,2; AT 0,5; CA 1,8; jeweils pro 100.000 Einwohner.

Quelle sind die Vereinten Nationen das United Nations Office of Drugs and Crime.

Die Rohdaten sowie die Methodik finden Sie unter:
http://www.unodc.org/unodc/en/... icide.html

bewußt selektive wahrnehmung - wie im artikel auch

erstens mal ein zitat aus der quelle: "As a result of the data collection and validation process, in many countries several homicide datasets have become available from different or multiple sources. Therefore, data series have been selected to provide the most appropriate reference counts respectively for:"

die uno ist als waffengegner wohl bekannt. dementsprechend darf man sich die "selection" der "most appropriate reference counts" vorstellen. nuff said.

von der schweiz zB hat die uno seit 2004 gar nicht erst erhoben oder veröffentlicht. österreich auch nicht. warum wohl? weil liberale länder keine niedrigen zahlen haben dürfen.

hingegen nordirland 2006: 0,0. das glauben die doch wohl selber nicht.

Hier noch ein nettes Zitat für alle Fan`s der Waffenregistrierung

"Als erste zivilisierte Nation haben wir ein Waffenregistrierungsgesetz. Unsere Straßen werden dadurch sicherer werden; unsere Polizei wird effizienter und die Welt wird unserem Beispiel in die Zukunft folgen!"
(Adolf Hitler am 15.09.1935)

Ab 1938 konnte man die Juden gezielt entwaffnen und wiederstandslos in die KZ`s bringen.

Für die Innere Sicherheit bringt die Einführung des neuen zentralen Waffenregisters genau nix. Lediglich 2-4 legale Schusswaffen tauchen pro Jahr bei Morden in Österreich auf.
Würde man für das Geld unbeschrankte Bahnübergänge beschranken könnte man ca. 8x mehr Leben "retten" !!!
An den Folgen des Rauchens sterben pro Jahr übrigens 14.000 Österreicher - aber dabei verdient der Staat ja mit (Tabaksteuer).

Österreich wird Kanada - und das nur aus reiner Populismusgeilheit unserer Volksvertreter

Kanada hatte ein ähnliches Waffengesetz wie Österreich. Flinten und Jagdgewehre (die Masse) waren frei und mussten nicht registriert werden. Kurzwaffen etc durften nur mit einer Genehmigung erworben werden.
Kanada hat weltweit eine der höchsten legalen Waffendichten pro Einwohner im Gegensatz dazu aber weltweit eine der geringsten Mordraten - die sogar unter der Mordrate in Österreich liegt. Statistisch gab es keinen Grund für die Einführung eines zentralen Waffenregisters und es hatte auch keine positive Auswirkung auf Gewalttaten und Morde. Die Kosten für die Verwaltung sind aber Explodiert !!!

Und was machen unsere Politiker statt aus Fehlern zu lernen:
http://www.oe24.at/oesterrei... 014/868008

endlich eine liberale Regierung

Anscheinend muß man wirklich einen IQ von unter 50 haben, um einer konservativen Partei beizutreten. Die unterscheiden sich eigentlich alle nur im Grad der Paranoia.

Lege ihnen sehr nachdrücklich diesen TED-Talk ans Herz!

Vor allem für jemanden der sich "The science channel" nennt könnte dies interessant sein:

"Jonathan Haidt: The real difference between liberals and conservatives

Psychologist Jonathan Haidt studies the five moral values that form the basis of our political choices, whether we're left, right or center. In this eye-opening talk, he pinpoints the moral values that liberals and conservatives tend to honor most."

Link: http://www.youtube.com/watch?v=vs41JrnGaxc

Hehe, der Kerl ist echt gut.

Die gefährlichsten Verbrecher...

sitzen offensichtlich auch in Kanada im Parlament.

diesen wahnsinnigen darf man gar nicht

einsteigen auf diese dumme diskussion

autos werden registriert
jeder internet-zugang
melde-register

aber die tödlichsten waffen die private tragen dürfen: nö, da brauch ma ned so genau sein

das läuft sicher besser wenn da niemand was registriert :]

man braucht sich nur das durch den kopf gehen lassen und es ist klar dass hier knallchargen am argumentieren sind...

Autos werden nur aus einem Grund registriert:

damit man sie besteuern kann.

Dass man im Schadensfall leichter jemand finden kann, der das bezahlt, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt.

sind sie jetzt dagegen

dass man im "schadensfall" mit einer waffe leichter jemanden finden kann...den eventuellen täter vielleicht?

Und wie soll das funktionieren?
Ist ja nicht so als würde der Täter die TATWAFFE an ort und stelle fallenlassen und wegrennen....

da die meisten morde im

kreis der familie passieren wird man nicht so lange suchen müssen.

Sehen sieh es mal so: Ihr Ziel ist es möglichst viele Menschenleben zu schützen und Verbrechen vorzubeugen.

Es ist 1995 und sie können sich zwischen diesen beiden Plänen entscheiden:

a) Für 1.500.000.000 EUR werden zusätzlich auch alle Schrotflinten und Jagdgewehre registriert (bei Faustfeuerwaffen war dies immer schon der Fall!) - allerdings nur alle legalen Waffen und auch dort nur von den Bürgern die diese von sich aus melden.

ODER

b) Sie investieren 500.000.000 EUR in zusätzliche Streifenpolizisten und deren Ausbildung und verwenden die restlichen 1.000.000.000 EUR für Präventionsmaßnahmen (Sozialarbeiter, Förderprogramme, bessere Schulen und Jugendzentren, etc.)

Wofür würden sie sich rückblickend entscheiden? Welche Maßnahme hätte mehr Leben gerettet, bzw. positiv beeinflusst?

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