81 Prozent der Österreicher waren mit Jahr 2011 zufrieden

30. Dezember 2011, 18:24
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Das abgelaufene Jahr wird von 55 Prozent der Bevölkerung als schwierig verbucht - aber das macht der Mehrzahl der Befragten keine großen Sorgen

Wie würden Sie das Jahr 2011 im Rückblick betrachten? Diese Frage stellte das Linzer Market-Institut 400 repräsentativ ausgewählten Österreichern im Auftrag des STANDARD und die Antworten waren überraschend positiv: 81 Prozent äußerten sich als "sehr zufrieden" (19 Prozent) oder immerhin als „zufrieden" (62) – Männer etwas stärker als Frauen, Hochgebildete mehr als Angehörige bildungsferner Schichten.

So hohe Zufriedenheit hat Market zuletzt 2007, vor Beginn der Finanzkrise, gemessen. Nur 17 Prozent waren „weniger zufrieden", ein Prozent „gar nicht zufrieden" mit dem abgelaufenen Jahr. Das ist eine signifikante Verbesserung gegenüber 2010: Da waren acht Prozent völlig unzufrieden, weitere 26 Prozent „weniger zufrieden".

58 Prozent erwarten, dass sich Österreichs wirtschaftliche Lage 2012 nicht verändert. Vor allem junge Leute sind laut Standard-Umfrage optimistisch.

Linz – Werner Beutelmeyer glaubt die negativen Schlagzeilen alle nicht: "Wenn die Leute sagen, dass wir in schweren Zeiten leben, dann ist das nur ein Teil der von ihnen selbst wahrgenommenen Tatsachen. Die andere Seite derselben Medaille zeigt aber: Vier von fünf Österreicherinnen und Österreichern haben das Jahr 2011 positiv erlebt – und sie sehen auch für das kommende Jahr mehrheitlich keine Weltuntergangsszenarien, sondern eben ein schwieriges Jahr. Aber damit hat man in den vergangenen Jahren zu leben gelernt", sagt der Chef des Linzer Market-Instituts.

In Zahlen: 63 Prozent sagen, dass 2012 "ein durchschnittliches Jahr" sein wird. Nur ein Drittel meint, dass das kommende Jahr außergewöhnlich wäre – verglichen damit, dass 46 Prozent in der Rückschau 2011 als außergewöhnlich sehen, ist das ein geringer Wert. Wobei viele Befragte unter "außergewöhnlich" auch ihre persönlichen Ereignisse einbeziehen – darunter fallen auch Beziehungskrisen, Todesfälle in der Verwandtschaft und eigene Gesundheitsprobleme.

Schärfer misst die Frage: "Wird sich Ihrer Meinung nach die wirtschaftliche Lage Österreichs in den nächsten zwölf Monaten verbessern, verschlechtern oder wird sie gleich bleiben?" Darauf sagen die 400 repräsentativ ausgewählten Befragten zu 58 Prozent, dass die Lage unverändert sein wird – ein seit Mitte des vorigen Jahrzehnts ziemlich stabiler Wert. 32 Prozent sehen allerdings eine Verschlechterung, nur acht Prozent eine Verbesserung für das kommende Jahr.

Die Grafik zeigt auch den EU-Vergleich, den Market für den Standard erhoben hat: Da meinen 22 Prozent, dass sich Österreich besser als die anderen EU-Länder entwickeln wird, nur 16 Prozent hängen der Gegenthese an, dass Österreich hinter die EU-Entwicklung zurückfallen könnte. Der Anteil dieser Pessimisten hat sich allerdings im Vergleich zu einer zwei Jahre alten Umfrage (auf niedrigem Niveau) verdoppelt.

Einen Hinweis darauf, dass die Lage als deutlich besser empfunden wird, als es alarmistische Schlagzeilen darstellen, entnimmt Beutelmeyer auch dem Langzeitvergleich einer Frage, ob das eben abgelaufene Jahr "eher schwieriger oder eher einfacher als die letzten Jahre" gewesen ist. Darauf sagen 55 Prozent, dass 2011 "eher schwierig" war. Allerdings haben das vor einem Jahr 62 Prozent in Bezug auf das Jahr 2010 gesagt und vor zwei Jahren sogar 72 Prozent im Hinblick auf 2009.

Das bedeutet, dass es einen insgesamt positiven Trend gibt, immer weniger Befragte sehen das gerade abgelaufene Jahr als besonders schwierig – entweder weil die Probleme weniger geworden sind oder weil die Befragten eben gelernt haben, mit den Herausforderungen zu leben, wie Beutelmeyer meint.

Die Detailansicht zeigt hierzu: Schwierigkeiten werden von jüngeren, weiblichen und berufstätigen Befragten stärker wahrgenommen als von anderen. Besonders schwierig haben es große Familien.(Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/01.01.2012)

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