Filmfestivalzirkus

Stagnation und Rochaden

30. Dezember 2011, 18:37

Neue Verträge bei den großen Filmfestivals: Venedig mit neuer Leitung, Cannes und Berlin bestätigt

Berlin/Rom/Paris - Durch Zufall hat es sich im Dezember ergeben, dass in Cannes, Berlin und Venedig, bei den drei bedeutendsten Filmfestivals Europas, neue Vertragsabschlüsse anstanden. In Cannes wurde das Führungsduo Gilles Jacob (Präsident) und Thierry Frémaux (künstlerischer Leiter) bis 2014 bestätigt, auch Berlinale-Direktor Dieter Kosslick darf sich über eine Verlängerung bis 2016 freuen. Einzig Marco Müller, Direktor der Film-Mostra von Venedig, wird bereits 2012 von Alberto Barbera abgelöst.

Müllers Abschied kommt überraschend, da er international als der souveränste der drei Festivalchefs gilt, der Starglamour und Wagemut zu vereinen versteht. Frémaux setzt vor allem auf das Renommee von Cannes, er hat in der Filmauswahl wohl das leichteste Spiel. Kosslick liefert mit programmatischem Potpourri zwar volle Kinosäle, der Berlinale mangelt es jedoch schon seit Jahren an einem Wettbewerb, der sich mit den anderen Festivals messen kann.

Müller dürfte indirekt über Berlusconi gestolpert sein. Mit dessen Abgang kam der neue Kulturminister Lorenzo Ornaghi, der setzte den alten Biennale-Präsidenten Paolo Baratta wieder ein. Dieser lag mit Müller schon länger über die marode Infrastruktur am Lido im Clinch - nicht nur der Neubau des Festivalpalastes stagniert. Nun hat sich Baratta vom lästigen Müller befreit.

Müller könnte freilich zur Konkurrenz nach Rom gehen, eine weitere Alternative wäre St. Petersburg, wo ein Filmfestival gegründet werden soll - beides könnte den Festivalzirkus ziemlich durcheinanderwirbeln. (kam  / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

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