Neue Verträge bei den großen Filmfestivals: Venedig mit neuer Leitung, Cannes und Berlin bestätigt
Berlin/Rom/Paris - Durch Zufall hat es sich im Dezember ergeben, dass in
Cannes, Berlin und Venedig, bei den drei bedeutendsten Filmfestivals
Europas, neue Vertragsabschlüsse anstanden. In Cannes wurde das
Führungsduo Gilles Jacob (Präsident) und Thierry Frémaux (künstlerischer
Leiter) bis 2014 bestätigt, auch Berlinale-Direktor Dieter Kosslick darf
sich über eine Verlängerung bis 2016 freuen. Einzig Marco Müller,
Direktor der Film-Mostra von Venedig, wird bereits 2012 von Alberto
Barbera abgelöst.
Müllers Abschied kommt überraschend, da er international als der
souveränste der drei Festivalchefs gilt, der Starglamour und Wagemut zu
vereinen versteht. Frémaux setzt vor allem auf das Renommee von Cannes,
er hat in der Filmauswahl wohl das leichteste Spiel. Kosslick liefert
mit programmatischem Potpourri zwar volle Kinosäle, der Berlinale
mangelt es jedoch schon seit Jahren an einem Wettbewerb, der sich mit
den anderen Festivals messen kann.
Müller dürfte indirekt über Berlusconi gestolpert sein. Mit dessen
Abgang kam der neue Kulturminister Lorenzo Ornaghi, der setzte den
alten Biennale-Präsidenten Paolo Baratta wieder ein. Dieser lag mit
Müller schon länger über die marode Infrastruktur am Lido im Clinch -
nicht nur der Neubau des Festivalpalastes stagniert. Nun hat sich
Baratta vom lästigen Müller befreit.
Müller könnte freilich zur Konkurrenz nach Rom gehen, eine weitere
Alternative wäre St. Petersburg, wo ein Filmfestival gegründet werden
soll - beides könnte den Festivalzirkus ziemlich durcheinanderwirbeln.
(kam / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)