Mongolei

Flexible Wildesel überstehen Extremwinter besser als Przewalski-Pferde

1. Jänner 2012, 20:31

Wiener Wissenschafter: Weidegebiete der wiederangesiedelten Tiere sind nicht weit genug gestreut

Wien - Der Winter 2009/2010 war sogar für die Verhältnisse in der Wüste Gobi besonders hart. Für die dortigen Bestände an Huftieren - wildlebenden ebenso wie Haustieren - bedeutete dies dramatische Einbrüche, wie die Universität Wien berichtet. Petra Kaczensky und Chris Walzer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ihre Kollegen dokumentierten die Auswirkungen des Extremwinters und veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "PLoS ONE".

Das Jahr des Dsud

Aufgrund der besonderen Lage am Rande des Dsungarischen Beckens, das von hohen Bergen umgeben ist, fiel im Schutzgebiet "Great Gobi B" - einem von zwei Gebieten in der Mongolei, in denen Przewalski-Pferde ausgewildert wurden - in diesem harten Winter besonders viel Schnee. Das Gros der Schneestürme kam von Westen, und die Wolken luden große Mengen von Schnee ab, als sie am östlichen Rand des "Great Gobi B" auf das Altaigebirge trafen. So kam es zu einem starken Ost-West-Gefälle in der Schneehöhe. Der hohe und fest gepackte Schnee machte es den dort lebenden Wild- und Haustieren schwer, an die Vegetation unter dem Schnee zu kommen - auf Mongolisch wird ein solcher Winter "Dsud" genannt.

Die Hirten in dieser Region verloren im Durchschnitt 67 Prozent ihres Viehbestandes. Die mongolischen Hirten sind zwar Nomaden, aber die Anzahl an guten Winterlagern ist begrenzt und die Konkurrenz um diese Plätze inzwischen hoch. Daher hatten die Leute und ihr Vieh kaum Ausweichmöglichkeiten. 

Die letzten echten Wildpferde

Das Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii) war einst in den Steppen ganz Eurasiens verbreitet, wurde dann immer weiter zurückgedrängt und musste 1969 für in der freien Wildbahn ausgerottet erklärt werden. Seit 1992 werden die Tiere aus Zoobeständen in ihrer ursprünglichen Heimat in der Mongolei wieder eingebürgert. Heute gibt es wieder zwei frei lebende Populationen, eine im Husta-Nationalpark in der Zentralmongolei und eine in "Great Gobi B" im Südwesten des Landes.

Die Przewalski-Pferde von "Great Gobi B" nutzten drei verschiedene Winterweiden, zwei im Osten und eine im Westen des Schutzgebietes. Die Verluste waren auch bei ihnen hoch, im Durchschnitt starben 60 Prozent der Tiere. Allerdings waren praktisch nur die zwei Gruppen im Ostteil des Schutzgebietes betroffen, während die westliche Gruppe fast keine Todesfälle zu verzeichnen hatte.

Auffallend: Die Wildpferde nutzen ihren Lebensraum sehr konservativ, und selbst unter den Extrembedingungen des Dsud wagten sich die Wildpferde nicht über die Grenzen der ihnen vertrauten Streifgebiete hinaus. So blieb der Großteil der Population im am stärksten vom Dsud betroffenen Gebiet.

Esel als Überlebenskünstler

Ganz anders die Asiatischen Wildesel (Equus hemionus), die je nach Region Kulane, Onager oder Dschiggetais genannt werden. Das Verhalten dieser Tiere erwies sich als flexibler und damit lebensrettend: Die Esel wichen nach Westen aus und erlitten dadurch nur wenige Verluste. Auch in einem normalen Jahr wandern sie über viel größere Gebiete als Przewalski-Pferde und müssen sich im Gegensatz zu den lokalen Hirten und ihrem Vieh nicht auf bestimmte Überwinterungsgebiete beschränken.

Hauptautorin Petra Kaczensky betont, dass "diese weiten Wanderungen und die flexible Weidenutzung deutlich machen, wie wichtig es ist, wandernde oder nomadische Tierarten auf Landschaftsebene zu schützen. Um ungehindert wandern zu können, müssen auch die vielfach genutzten Landschaften außerhalb von Schutzgebieten in das Management miteinbezogen werden. Denn eine Fragmentierung ihres Lebensraumes erlaubt keine Wanderungen mehr, und durch diese verringerte räumliche Flexibilität kann es dann zu lokalen Bestandseinbrüchen wie bei den Przewalski-Pferden kommen."

"Der Katastrophenwinter hat wirklich hervorgehoben, wie gefährlich es ist, quasi alle Pferde auf einer Weide zu haben", sagt Kaczensky. "Die nationale Strategie für die Etablierung des Przewalski-Wildpferdes in der Mongolei sollte daher weiterhin auf mehrere Standorte mit räumlich verteilten Populationen abzielen." (red)

h 90
00

Dort lebt Leberkaes und Salami in freier Wildbahn....

manto bamminger
00
die frage ist

ob przewalski-pferde schon immer dieses verhalten hatten, oder ob durch die auswilderung, wissen verloren gegangen ist.

denn eine herde elefanten gibt ja auch gelerntes wissen weiter, das heißt also ich kann nicht einfach tiere auswildern und davon ausgehen daß genetisches wissen ausreicht um ihr überleben zu sichern.
Was uns dahin führt, tiere sind weit intelligenter als wir dachten.
ich kenne die przewalski-schutzgebiete, irgendwie kommt mir die situation dort merkwürdig vor, kann ich nicht in worte fassen aber als guter beobachter und intuitiver mensch,...weiß nicht merkwürdig

Cuca Racha
 
01
Extreme

Sowohl die flexiblen Wildesel (Asinus hemonius flexibilis) als auch die Przewalski-Pferde (Equus ferus przewalskii) sind jedoch Warmduscher im Vergleich zu den Nordwestgrönländischen Granitpinguinen (Microdyptulus graniticus invisibilis), die derart resistent sind, dass sie bis heute nicht entdeckt worden sind.

Deshalb glaubt man auch, dass Spheniscidae nur im Südpolar vorkommen, weil sie nämlich sonst von den Eisbären (Ursus arcticus ferox) aufgefressen worden wären. Weit gefehlt! Am Granitpinguin beisst sich der hungrigste Bär die Zähne aus, welcher Umstand jenem erstaunlichen Tier, wenngleich wie gesagt unentdeckt, den Namen gegeben hat.

Lit.: J. Hermet. Cryptozool. 32 (8), 1544-1548: 2011

Diversion
00
cool! das möchte ich auch rauchen! :D

der schwitzbär der schwitzt sehr
10
rasch mit den schmelzenden Eisbären kreuzen !

Podolski36
00

"Flexible Wildesel überstehen Extremwinter besser als Przewalski-Pferde": Potztausend! Wer hätte das gedacht!

h 90
00

Sonst wuerde er ja dummer Wildesel und nicht flexibler Wildesel heissen..

Trollblume
00

Da sieht man wieder einmal die Macht der Worte.

Trurl
01

Die erste Neuerung auf derStandard-Wissenschaft 2012:
Artikel werden jetzt mit einem Abstand von ein paar Tagen wiederholt.
http://derstandard.at/132450152... en-bedroht
Das fördert den Lerneffekt!
;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.