Ex-Nationalbank-Chef

Liebscher will Bändigung der Ratingagenturen

30. Dezember 2011, 15:50
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    foto: apa/hans klaus techt

    Klaus Liebscher.

"Ich habe den Eindruck, dass hier Politik gemacht wird"

Wien - Der Euro befindet sich in keiner existenziellen Krise, sondern sei eine stabile und angesehene Währung, sagte der frühere Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher. Die dahinter liegenden, vielleicht auch existenziellen, Probleme wie die Schuldenthematik, müssten aber gelöst werden, meinte er am Freitag im Ö1-Mittagsjournal-Interview.

Der Euro werde auch weiter die Währung des Währungsgebietes sein, erwartet Liebscher für 2012. In der Schuldenkrise werde es zu klaren Umsetzungsmaßnahmen wie der Schuldenbremse kommen. Die Europäer müssten ihre gemeinsamen Stärken bündeln um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen. 

Macht der Ratingagenturen brechen

Die Schuldenbremse sei ein neuerliches Bekenntnis mit einigen verschärften Maßnahmen, die rasch umgesetzt werden sollten, um Vertrauen zurückzugewinnen. Die Bevölkerung müsse mit guten Argumenten überzeugt werden, anstatt "sich in Grabenkämpfen und Positionierungen" zu ergehen. Außerdem müssten alle Gruppierungen des Landes einbezogen werden, doch stattdessen sei "primär Klienteldenken vorhanden". Das sei nicht zielführend, benötigt werde ein Schulterschluss.

Als "fragwürdig" prangerte Liebscher im Interview das Vorgehen der Ratingagenturen an: "Ich habe den Eindruck, dass hier Politik gemacht wird. So kann es nicht gehen." Die Europäischen Regierungen sollten sich durchringen und die Macht der Ratingagenturen zumindest aussetzen, so Liebscher. "Da muss man halt kreativer werden."

Nicht einfach für Bankensektor

Grundsätzlich zeigte sich Liebscher optimistisch, dass ein Gutteil des Mittelbedarfs der Staaten und Banken für 2012 auch finanziert werden kann - sofern das Vertrauen in die Länder zurückkehrt. Es werde aber keine vollständige Abdeckung geben, vor allem für den Bankensektor werde es nicht einfach werden. Den Schuldennachlass für Griechenland, der Banken davon abschrecken könnte, in Staatsanleihen zu investieren, kritisierte Liebscher.

"Schamlose Aufrundungen" schadeten preisstabilem Euro

Dass das Vertrauen der Bürger in den Euro auch nach zehn Jahren noch schwach ist, sei menschlich verständlich. "Pech" sei es gewesen, dass gerade mit Einführung des Euro-Bargelds Teuerungswellen eingesetzt hätten, die bis heute "in den Köpfen vieler Menschen mitschwingen". Die Inflationsrate sei jedenfalls in den zehn Jahren seit der Euro-Einführung niedriger als in den zehn Jahren davor. Die Preissteigerungen beim täglichen Einkauf seien aber deutlicher gewesen, dazu seien "zu meiner Enttäuschung, schamlose Aufrundungen in der Gastronomie, im Hotelbereich und bei einzelnen Dienstleistern gekommen."

Als spürbarste Vorteile des Euro nennt Liebscher den Wegfall der Wechselkurse, erhöhte Preistransparenz über Grenzen hinweg und dass man weiterhin eine sehr stabile Währung habe. Nachteile will Liebscher nicht erkennen, wohl aber Risiken, die in der Frage begründet sind, ob vereinbarte Spielregeln auch eingehalten werden. "Und dort leben wir jetzt, in der sogenannten Schuldenkrise." Liebscher wirft der Politik vor, versagt zu haben: Die Europäische Zentralbank (EZB) habe die Mitglieder immer zu einer disziplinierten Fiskalpolitik gemahnt. Diese Mahnungen seien aber nicht ernst genommen worden. (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
fmi
00
24.1.2012, 13:44
Uns sonst?

Ist es nicht politisch, Kroatien wir früher Griechenland in die EU zu nehmen? was tun wir wenn sie den Euro wollen????

weisse weste
00
24.1.2012, 12:44
Die EZB bräuchte nur mit gutem Beispiel voran gehen,

und die Kreditwürdigkeit selbst prüfen, anstatt sich auf externe Ratings zu verlassen.

Hans Vogel
00
Ganz einfach!

Die Agenturen haben im Fall Goldman Sachs schwere Fehler gemacht und die Bank eine Woche vor der Pleite noch AAA eingestruft. Dann der Fehler mit Frankreich.
Klagt sie ganz einfach auf 1.000 Milliarden Schadenersatz.

Mike Freeman
01
Herr Liebscher - wenn Sie das wollen müssen Sie den Bankern beibringen wie man Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt ...

... und wie man Risiken bewertet. Denn die so genannte Macht der Ratingagenturen haben diese nur weil sie die Ausrede dafür liefern eben diese Verantwortung nicht tragen zu müssen.
Denn die Frage die sich bei jedem Investment stellt lautet: Wie viel kann ich verdienen? und NICHT ist die Finanzgebarung des Investmentwerbers in Ordnung oder nicht.

?und
01
müßte ich liebscher raten - er bekäme ramsch-status

Daliah
 
32
31.12.2011, 22:59
um Vertrauen zurückzugewinnen

glaube menschen werden erst vertrauen zurückgewinnen, wenn gewisse herrschaften von laternen baumeln werden, herrn liebscher würde ich dazuzaehlen.

D.

Krones
01
31.12.2011, 15:30
dieser Altprivilegienmann...

behauptete im ORF, dass er, so leid es ihm tut, keine €-Krise sieht und führt ins Treffen, dass er bei Kauf einer Bluse, Hose im Ausland, gute Vergleichsmögliichkeiten hat, bei Reisen ins Ausland keine Devisen-/Valutenumwechslungsspesen bezahlen muss - so lächerliche Argumente - ich rate ihm, er solle sich als Investor am Rettungsschirm mit seinem Vermögen beteiligen, eine gute Anlage für ihn, hat er doch überdimensional abkassiert sowohl als Aktiver/Pensionist und gelebt wie die Made im Speck!

Freimaurer 34. Grad
03
31.12.2011, 15:26

ich bin den rating agenturen irgendwie sogar dankbar. das ständige raten hat eigentlich nur aufgezeigt wie sinnbefreit das ganze geldsystem ist.

Erwin Wolfram
02
31.12.2011, 13:38
uebersetzung

seit ich der nationalbankvizechef bin kostet ein kleiner brauner nicht echt 50 schilling und der euro faellt nicht echt und die leute legen nicht echt im ausland an und nicht echt lieber in amerika, weil ich bin so cool, da muessen wir gar nicht auf die fakten schauen und zwar daruf, dass die halbe leistung doppelt so viel kostet. hauptsache meine gratifikation stimmt.

Rächer der Enterbten1
01
31.12.2011, 13:24
...in China fällt ein Reissack um...

...eine inhaltslose und durch niemanden ernst genommene Wortspende eine Nationalbankpensionisten im Nadelstreif.
Leistungsträger mit Nationalbankpension.
Also, bändigs die Ratingagenturen. In der aktiven Zeit hats nicht geklappt.
Ansonsten heim zur Mutti....

aculus populus
 
20
31.12.2011, 10:02
Ratingagenturen

auf Schadenersatz anklagen denn sie haben vermehrt Vertrauensbruch begangen und falsche Ratings ausgegeben um Spekulationen zu ermöglichen. Dann ist das Problem auch schnell gelöst (Ratingagenturen sind dann Pleite).

Anaxagoras
01
31.12.2011, 09:57
Der Herr ist soeben aus dem Tiefschlaf erwacht!

Selbständiger
12
31.12.2011, 06:19
Klar. Begrenzen wir die Anzeige des Fieberthermometers auf 38 Grad,

dann kann uns der Doktor bei 41Grad Fieber immer noch vorlügen, dass es eh nicht so schlimm ist.

Jetzt kriechen all jene aus ihren Löchern und reißen ihr dummes Ma... auf, die in der Vergangenheit durch ihre Unfähigkeit, dieses Fieber verursacht haben.

Wir sind die Guten!!
00
31.12.2011, 09:52
wenn das "fieber" nur da ist, weil es ein fieberthermometer zufällig anzeigt? JA!

Fritz Meyer
00
31.12.2011, 07:45

"Jetzt kriechen all jene aus ihren Löchern und reißen ihr dummes Ma... auf, die in der Vergangenheit durch ihre Unfähigkeit, dieses Fieber verursacht haben."

Sie meinen die "Wirtschaftsexperten" und Politiker, die uns dieses System auf's Auge gedrückt haben?

Oder die ganzen Selbständigen, Banker und Grosskapitalisten, die unbedingt daran festhalten wollen, weil sie davon massgeblich profitieren - oder es zumindest treudumm glauben?

Fritz Meyer
01
31.12.2011, 02:46
Einfach nicht ernstnehmen.

Und dass die Ratingagenturen Politik machen, ist schon seit dem ersten Tag kein Geheimnis mehr.

Nur seltsam, dass Herr Liebscher das bei den Grossbanken, wie z.B. der Deutschen Bank, nicht auch so sehen will.

Ruben Weil
01
31.12.2011, 01:28
Die Einzigen

die den Schuldenmachern auf die Finger klopfen sollen gebändigt werden? Ist ein Witz oder?

har har
10
31.12.2011, 02:57

Geh bitte. Diese abgefahrenen Experten arbeiten doch mit erpresserischen Mitteln. Wenn alle europäischen Länder gleichzeitig aufhören würden, sich beurteilen zu lassen, wäre das wohl ein weltweit beachtetes Signal. Denen einfach die Kohle entziehen aus basta.

Fritz Meyer
00
31.12.2011, 02:47
Wenn die "Einzigen"...

nur unbefangen und neutral wären.

Und jedem seine eigene Busspur
01
30.12.2011, 23:55
Ratingagenturen bändigen?

Das ist so wie die Vorschrift, in Sorge um die Volksgesundheit, die Skala von den Fieberthermometern zu verbieten....

aculus populus
 
00
31.12.2011, 10:00
LOL

Ein Thermometer ist ein Instrument...ein Rating ist eine "subjektive" Einschätzung...deshalb konnte man nicht die Ratingagenturen für Schadenersatz haftbar machen, dennoch wäre es indirekt doch möglich gewesen denn die Investoren "vertrauen" dieser Meinung, die des öfteren nicht qualifiziert ist.

Tan S. Taafl
11
30.12.2011, 23:12
Liebscher hat kein einziges Mal ...

... in den 20 Jahren seiner wirtschaftspolitischen Präsenz irgendetwas von Substanz gesagt. Festzustellen, dass der Wegfall von Wechselkursen ein Vorteil des Euro sei, ist in dieser Form schlicht ein Unsinn. Man wir gespannt sehen, wie die Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas innerhalb der Eurozone ohne die Möglichkeit von Abwertungen wieder herstellbar sein wird. Und hinsichtlich der Ratingaggenturen ist er der typische europäische Nachplapperer auf niedrigen Leserbriefniveau.

Borat Sagdiyev : jak sie masz?
00
30.12.2011, 20:46
Natürlich machen Ratingagenturen eine Politik. Die sitzen doch gemeinsam mit US Finanzminister, FED Chef, Chefs von Regulierungsagenturen, Banken,… im ‚Plunge Protection Team‘ zusammen und beraten wie Dollar als Weltwährung zu verteidigen ist.

Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit, langsam dämmert auch beim Liebscher.

Liebscher selbst hat bei der OENB und EZB an Regulierungen mitgewirkt, dass viele Institutionen nur dann Schuldscheine kaufen können WENN diese mit bestimmten Noten der US Ratingagenturen bewertet sind.

Sonst dürfen die Europäischen Institute diese Schuldscheine nicht kaufen.

Liebscher selbst hat seine ‚Kompetenz‘ bewiesen als die ONB im April 2001 wo Goldpreis am Boden war 30 Tonnen Gold verkauft hat.

Aus dem Amt kommt Verstand?

ai1
01
30.12.2011, 20:11
falsche schlüsse

alle beklagen die berechtigten abstufungen durch die ratingagenturen, kein mensch hatte mit den falschen (weil viel zu positiven) ratings in den jahren davor probleme. die sind aber ursache der schuldenkrise. mit ihrem ramschstatus-rating hätten die griechen gar nicht so hohe schulden anhäufen können.

Yanumáka-kumã
00
30.12.2011, 21:14

Die Falle ? Es gab vielleicht so ein Habitus bei -parteien Wechsel an der macht, dem Nachfolger ein wenig dem Weg zu erschweren, oder ihn „des nicht Erfolges eigener Schwierigkeiten“ zu beschuldigen, dass mit lang anhaltende Bonität, kann zu ökonomische Missbildungen führen.

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