Ein Psychologe als Ekelpaket

30. Dezember 2011, 19:28
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"Der Mann, der kein Mörder war", ein Krimi von Hjorth & Rosenfeldt

Was ist der Kerl widerlich! Sexistische Sprüche und ein emotionsloser Konsumierer von Frauen: Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman ist fraglos verhaltensgestört. Aber schlau. Auch sonst fehlt es nicht an verdrehten Charakteren in dem Krimi des schwedischen Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt. Der 16-jährige Roger wird vermisst. Der Junge ist in seinen vorherigen Schulen gemobbt worden. In der jetzigen Privatschule mauern alle. Woher er seine teure Uhr und die Markenklamotten hatte, will niemand wissen, schon gar nicht seine unfähige Mutter.

Überhaupt ist viel von Unfähigkeiten die Rede. Der Polizist Haraldsson hasst seine Chefin und fühlt sich diskriminiert, weil er einer Frau gehorchen soll. Außerdem will seine Frau schwanger werden, was in Stress ausartet. Man findet Roger tot, mit herausgeschnittenem Herzen. Die Mutter des Ermordeten ist gleichgültig. Sie verscherbelt ihr Hinterbliebeneninterview an die Zeitung. Dass Sebastian mit der Mutter eines Verdächtigen schläft, macht ihm kein Kopfzerbrechen. Die Freundin Rogers lügt, dass sich die Balken biegen. Die fromme Tochter fundamentalistischer Christen hat mit ihm angeblich Hausaufgaben gemacht und Tee getrunken.

Spannung bis zuletzt und abgebrühtes Personal - schön, dass Fortsetzung in Sicht ist. (Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at  / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

 

  • Hjorth & Rosenfeldt, "Der Mann, der kein Mörder war". Deutsch: Ursel 
Allenstein. € 15,40 / 588 Seiten. Rowohlt,  Reinbek bei Hamburg, 2011
    foto: rowohlt

    Hjorth & Rosenfeldt, "Der Mann, der kein Mörder war". Deutsch: Ursel Allenstein. € 15,40 / 588 Seiten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2011

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