Jahresdurchschnitt

Rohöl und Treibstoffe 2011 auf Rekordhoch

30. Dezember 2011, 14:43

Täglich werden 87 Millionen Barrel Rohöl verbraucht, was 60 großen Tankern entspricht. Diskussion um Öl-Knappheit angeheizt

Wien - Die durch die Aufstände in der arabischen Welt ausgelöste Furcht vor Versorgungsengpässen hat den Ölpreis 2011 das zweite Jahr in Folge in die Höhe getrieben. Die Nordsee-Sorte Brent kostete 2011 im Durchschnitt etwa 111 Dollar (86,10 Euro) je Barrel, so viel wie noch nie. Die bisherige Höchstmarke von knapp 100 Dollar datiert aus dem Jahr 2008. Mit einem Preis von 108,15 Dollar summierte sich das Plus der vergangenen zwölf Monate auf rund 14 Prozent. Die US-Ölsorte WTI verteuerte sich im gleichen Zeitraum um knapp zehn Prozent auf aktuell 99,88 Dollar.

Damit gehört Rohöl zu den ertragreichsten Geldanlagen des Jahres.

Das erklärt auch großteils den Anstieg der Treibstoffpreise an den Zapfsäulen: Laut Autofahrerclub ÖAMTC stieg der Superbenzinpreis im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent, der Dieselpreis sogar um 18,6 Prozent. Ohne Steuererhöhung zu Jahresbeginn ("CO2-Abgabe") wären die Preise um 9,3 beziehungsweise 13,3 Prozent gestiegen.

Diskussion um "Peak-Oil"

Der Rekord beim Ölpreis hat auch die seit Jahrzehnten geführte Debatte wieder angeheizt, wann die Ölvorräte zur Neige gehen. Die Fachwelt ist in dieser Frage seit langem gespalten. "Das gesamte geförderte Rohöl wird umgehend verbraucht", sagt der Hamburger Ölexperte Steffen Bukold. "Der Markt ist sehr eng genäht."

Seit den 70er Jahren hat es zahlreiche Voraussagen gegeben, nach denen im Jahr 2000 oder spätestens 2010 die globale Ölförderung ihren Scheitelpunkt erreicht und die Produktion unweigerlich zu fallen beginnt - wie bei einem einzelnen Ölfeld, das irgendwann erschöpft ist.

Auf der einen Seite steht die Ölindustrie sowie der größere Teil der Geologen und Wirtschaftswissenschafter. "Die Peak-Oil-Debatte hat in den vergangenen drei Jahren deutlich an Bedeutung verloren", sagt zum Beispiel der Chef des Ölkonzerns Repsol, Antonio Brufau. Das Tempo des technologischen Wandels habe die Branche überrascht. Neue Fortschritte bei der Entdeckung und Erforschung von Öl und Gas in der Tiefsee und andere unkonventionelle Ölquellen sowie neue potenzielle Fördergebiete wie die Arktis seien der Schlüssel zu wachsenden globalen Reserven. "Die Möglichkeit, dass die Ressourcen unter kommerziellen Gesichtspunkten auslaufen, müssen wir kurz- und mittelfristig nicht mehr in Erwägung ziehen."

60 große Tanker pro Tag

Der Welt-Erdölkongress in Doha in diesem Monat war geprägt von Euphorie über die "großartigen Perspektiven" der Energieträger Öl und Gas. Die Welt sollte genügend Ölvorräte haben, um den Bedarf für mehr als 100 Jahre zu decken, sagte zum Beispiel Christophe de Margerie, Chef des französischen Konzerns Total. Beim Gas wird inzwischen von 250 Jahren gesprochen. Die Kritiker um den englischen Geologen Colin Campbell sehen das ganz anders. Sie halten das globale Fördermaximum für erreicht.

Fest steht nur, dass die Welt erst im Nachhinein erkennen wird, in welchem Jahr die Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Im vergangenen Jahr wurden täglich mehr als 87 Millionen Barrel Rohöl verbraucht. Das sind ungefähr 60 große Tanker. Die Hälfte davon wird als Kraftstoff für Autos, Schiffe und Flugzeuge benötigt, rund zehn Prozent für die Chemieindustrie. Ungefähr 90 Prozent aller industriell gefertigten Produkte hängen vom Erdöl ab.

Produziert wurden 2010 dagegen nur gut 82 Millionen Barrel pro Tag. Es war so viel wie noch nie, aber deutlich weniger als die verbrauchte Menge. Die Lager leerten sich; das ist einer der wesentlichen Gründe für den Preisanstieg 2011.

Schwellenländer dürsten nach Autos und Industrie

Für die nächsten Jahre gehen fast alle Prognosen von einem steigenden Verbrauch aus. Vor allem die zunehmende Motorisierung der beiden bevölkerungsreichsten Länder China und Indien, aber auch das Wachstum der Weltbevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer lassen kaum einen anderen Schluss zu, selbst wenn in Industrieländern wie Deutschland der Ölverbrauch tendenziell eher sinkt. Laufen die langfristigen Verbrauchstrends so weiter, müssten nach den Analysen der Internationalen Energie-Agentur IEA 2020 ungefähr 120 Millionen Barrel Öl täglich zur Verfügung stehen.

Diese Mengen liegen zwar in der Erde, ob sie aber auch gefördert, verarbeitet, transportiert und vermarktet werden können, steht in den Sternen. Dazu müsste die weltweite Öl-Infrastruktur aus Förder- und Transporteinrichtungen nochmals deutlich ausgebaut werden. Gegenwärtig dürften schon 85 oder 90 Millionen Barrel täglich kaum zu schaffen sein. Es gibt in der Ölindustrie einen Investitionsstau aus den Zeiten niedriger Ölpreise vor mehr als zehn Jahren, der sich erst langsam auflöst. Bis 2035 müssen laut IEA acht Billionen Dollar, das sind 8.000 Milliarden, in den Öl- und Gassektor investiert werden.

Auch wenn das Öl noch lange reicht, die Zeiten des billigen Öls sind höchstwahrscheinlich für immer vorbei. Denn es geht nun um schwierig und damit teuer zu förderndes Öl aus großen Meerestiefen, aus Schiefer und Sand, aus unwirtlichen Regionen. Das ist mühsam und kostet viel Geld. Aber es ist günstiger als eine drastische Verknappung des Öls, die den Preis schnell auf 200 oder 300 Dollar oder auch noch höher treiben könnte, und billiger als die Unterversorgung der Welt mit Öl. (APA)

das ist fix
01
Laufende Steuererhöhungen

Die SP-VP-Regierung hat die Steuer im Juli 2007 um 3 Cent bei Benzin und 5 Cent bei Diesel angehoben.

Am 1.1. 2011 haben Faymann & Co die Steuer nochmals um 4 Cent bei Benzin und 5 Cent bei Diesel erhöht.

Wenn Politiker der Regierung sich über die hohen Preise beschweren, dann sollen sich einmal selbst bei der Nase nehmen - sie sind nämlich selbst Verursacher des Problems.

Seimon
00
31.12.2011, 14:53
"Die Möglichkeit, dass die Ressourcen unter kommerziellen Gesichtspunkten auslaufen, müssen wir kurz- und mittelfristig nicht mehr in Erwägung ziehen."

Grund:
Wir sind "too big to fail".

KindDesKellers
00
31.12.2011, 13:44
ich prognostiziere

im Jahr 2015 wird der Sprit noch teurer sein,
und die Milch wird auch teurer sein.

Aber die Gehälter werden auch steigen, und die Kaufkraft der Leute und dadurch bekommen die Chefs wieder mehr Geld usw...

blablaspirale völlig normal, kein Grund zur Panik.

VOR 10 Jahren war der Sprit billiger um 50% und IN 10 Jahren wird er ungefähr bei 2 Euro sein oder auch mehr oder weniger.

und die Steuern am Sprit sind bei uns nicht so tragisch, siehe Frankreich, Deutschland und fast überall.

DirtyHarry
02
30.12.2011, 18:59
Treibstoffe wurden auch durch Steuererhöhungen

teurer - 2x in den letzten 5 Jahren, dank spövp

biolam
23
30.12.2011, 17:49
Bei uns im Haus ist die Tiefgarage unter der Woche leer

obwohl die meisten Mieter sehr gute Verkehrsanbindungen zur Arbeit hätten.
Also ich freu mich immer wenn der Spritpreis steigt!
Obwohl ich ein Auto habe, besitze ich eine Jahreskarte für die Öffis und freue mich eigentlich immer so an die 10Kilometer pro Woche durch eigene Körperkraft zurücklegen zu können (was so zusammenkommt an Fußweg von/zu Öffis).
Dafür bin ich auch schlank und die bladen Autofahrerfanatiker müssen hoffentlich bald wieder mehr für den Sprit zahlen!

athos
12
31.12.2011, 11:46
Hoffentlich freuen Sie sich auch,

wenn Sie durch die steigenden Treibstoffpreise für alle möglichen Güter mehr zahlen müssen,..

manniat
00
30.12.2011, 17:56

Nicht jeder kann in einer Stadt leben, am Land ist man leider aufs Auto angewiesen

krenwurzn
02
30.12.2011, 19:48

und nicht jeder will in der stadt leben.

nur leider wird der öffentliche verkehr außerhalb von ballungsräumen komplett vernachlässigt und kaputtgespart.

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