Die "Eiserne Lady" erwog 1981 einen Truppenabzug aus Nordirland - und nahm ihr Bügelbrett in die Downing Street mit
London - Nach 30 Jahren dürfen bis dahin unter Verschluss gehaltene Staatsdokumente von den britischen National Archives freigegeben werden. So ist es nun mit einer Reihe von Dokumenten geschehen, die Einblicke in die frühe Thatcher-Ära geben. Diese erstrecken sich von politischen Themen wie dem Nordirlandkonflikt bis zu privaten Angelegenheiten der damaligen Premierministerin.
Soziale Probleme
Die heute 86-jährige und 1992 zur "Baronin von Kesteven" geadelte Margaret Thatcher war 1979 Premierministerin des Vereinigten Königreichs geworden. Die neue konservative Regierung vertrat in den damals offen zu Tage tretenden sozialen Konflikten stets eine harte Linie - mit ein Grund dafür, dass Thatcher (neben anderen schmückenden Bezeichnungen wie "Attila the hen") als "Eiserne Lady" berühmt wurde.
Hinter den Kulissen war diese harte Haltung aber offenbar nicht immer so unerschütterlich, wie sie nach außen demonstriert wurde: Zum Beispiel spielte Thatcher entgegen öffentlichen Verlautbarungen 1981 mit dem Gedanken, die britische Truppen aus Nordirland abzuziehen, als eine Reihe von Hungerstreiks inhaftierter IRA-Mitglieder zu internationaler Kritik an der britischen Regierung führte. Auch zeigen die Dokumente, dass es - entgegen den damaligen Aussagen - Geheimverhandlungen mit der IRA gab, wie der "Sydney Morning Herald" berichtet.
Die Dokumente zeigen außerdem Parallelen zwischen den Ausschreitungen in
London und anderen englischen Städten in den Jahren 1981 und den Riots von 2011 auf:
Im Sommer 1981 waren vor allem ethnische
Minoritäten aus Protest gegen ihre schwierige soziale Lage auf die
Straße gegangen, was in gewalttätige Unruhen mündete. Damals wie heute habe die Polizei Probleme gehabt, die Lage unter
Kontrolle zu halten, heißt es in den Dokumenten. Unter anderem sei damals eine Teilevakuierung Liverpools zur Diskussion gestanden.
Persönliches und Skurriles
Eher anekdotisch nehmen sich andere Auszüge aus den Dokumenten aus - etwa ein diplomatischer Mini-Konflikt mit Frankreich vor einem Staatsbesuch des damaligen französischen Präsidenten Valery Giscard d'Estaing. Der sollte nämlich beim Empfang wie alle anderen Gäste einen Stuhl ohne Armlehnen bekommen - ganz im Gegensatz zur Eisernen Lady.
... die ihrerseits aber nicht allzuviel auf Statussymbole gegeben haben soll: So wollte sie nach dem Umzug in ihren Amtssitz Downing Street 10 ihr eigenes
Bügelbrett und ihr eigenes Geschirr benutzen.
Die mit harter Hand soziale Kürzungen durchsetzende Thatcher war wohl besorgt, dass teure Erneuerungen im Wohnsitz der britischen
Premiers gegen sie verwendet werden könnten. Sie habe ein "exzellentes
Bügelbrett, das zu Hause nicht gebraucht wird", und brauche auch keine
zusätzliche Bettwäsche, "da wir nur ein Schlafzimmer benutzen". Auch
schaute sie mit Argusaugen auf die Kosten, die dem Steuerzahler durch
Londoner Wohnungen von Abgeordneten von außerhalb entstehen könnten. (red/APA)