Literarische Fundstücke: "Reisen in 1001 Nacht" und " Afrika, letzte Hoffnung" von Pier Paolo Pasolini,
Pier Paolo Pasolinis Passion, gesellschaftliche wie soziale Prozesse in
Korrelation zu Landschaften und Orten zu interpretieren, ist in seinen
kinematografischen Projekten ebenso nachvollziehbar wie auch in vielen
seiner theoretischen Schriften. Der Regisseur, Schriftsteller und
Publizist bezeichnete die Konfrontation von Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft des Daseins als weltlich-religiösen Wert, als "Kristallisation
des Geschichtlichen und Rationalisierung kindlicher Mysterien".
Ausgehend von einem archimedischen Punkt des "Anderswo", begab sich
Pasolini (1922-1975) ab 1961 auf Reisen, auf die Suche nach
Authentizität, nach archaischen Antlitzen; begleitet von Fotografen,
Kameramännern und Freunden wie Alberto Moravia und Dacia Maraini;
zunächst nach Indien, Kenia und Sansibar. In Marokko, in Kapadokien,
Syrien, Eritrea, Äthiopien und Katmandu fand er Schauplätze für Edipo re, Medea und 1001 Nacht. Pasolinis von Obsessionen geprägtes Oeuvre ist
eine "Hymne an die Unschuld".
Seine rousseauistische, kreatürliche
Weltsicht führt zu politischem Bewusstsein, geprägt von Arglosigkeit,
Moralismus und Verfall. Die Schriften, Briefe, Reden, Notizen legen
Zeugnis ab von des Intellektuellen Zerrissenheit, von "Schmerz und Zorn"
- und Versuchungen.
PS: Die neue von Peter Kammerer edierte illustrierte Pasolini-Edition
wurde (zu Recht) mit Italiens Premio Nazionale per la Traduzione
bedacht. (Gregor Auenhammer / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)
Pier Paolo Pasolini, "Reisen in 1001 Nacht". € 25,- / 144 S.; " Afrika,
letzte Hoffnung". € 25,- / 128 S., Corso-Verlag, Hamburg 2011