Minderheit in Polen: Vereinigung wende sich an jene, die sich "weder als Deutsche noch als Polen fühlen"
Warschau/Oppeln - Die Oberschlesier in Polen sind in
ihrem Kampf um Anerkennung als nationale Minderheit ein wesentliches
Stück vorwärtsgekommen: Das Bezirksgericht Opole (Oppeln) erlaubte
die Registrierung des Verbands der Menschen schlesischer
Nationalität. Wie die "Gazeta Wyborcza" am Freitag berichtete,
entschied das Gericht bereits am 21. Dezember, stellte die Erlaubnis
dem Verband aber erst am gestrigen Donnerstag zu.
"Das ist mehr als ein Präzedenzfall", sagte der polnische
Regisseur Kazimierz Kutz in einer ersten Stellungnahme. "Die
Schlesier werden als eigene ethnische Gruppe anerkannt und werden
endlich das Minderheitengesetz für staatliche Unterstützung zur
Pflege ihrer Kultur und ihrer Traditionen nutzen können." Kutz, der
Senator in der zweiten Kammer des polnischen Parlaments ist,
engagiert sich seit Jahren für die Anerkennung der Schlesier. Erst im
März hatte ein Gericht den Antrag auf Anerkennung als ethnische
Gruppe abgelehnt.
In Oberschlesien vermischten sich Jahrhunderte lang deutsche und
polnische Kultur. Auch im örtlichen Dialekt mischen sich deutsche und
polnische Ausdrücke. Im 20. Jahrhundert fanden sich die Oberschlesier
immer wieder im Konflikt zwischen eigener Identität und dem
Anpassungsdruck von deutscher oder polnischer Seite. Der neue Verband
will sich nach Angaben seiner Gründer an alle in Polen und im Ausland
wenden, die sich "weder als Deutsche noch als Polen, sondern nur als
Schlesier fühlen". (APA)