Gerichte

Richter und Rechtsanwälte gegen Strukturreform

30. Dezember 2011, 11:55

Zinkl: Würde "einen Haufen Geld" in Zeiten des Spardrucks kosten - Rechtsanwälte: Das Recht muss zum Bürger kommen

Wien - Richter und Rechtsanwälte sprechen sich gegen den Vorschlag von OGH-Präsidentin Irmgard Griss für eine neue Gerichtsstruktur aus. Bezirks- und Landesgerichte zu Eingangsgerichten zusammenzulegen würde zunächst einmal "einen Haufen Geld" kosten und wäre somit "in Zeiten des Sparens fehl am Platz", sagte Richter-Präsident Werner Zinkl am Freitag. Weitere Einsparungen in der Justiz lehnte er schon vorbeugend strikt ab. Die Rechtsanwälte sind gegen die Schließung von Gerichtsstandorten.

In der Gerichtsbarkeit "sollte man nicht ans Sparen denken", sagte Zinkl angesichts der Diskussion über Schuldenbremse und Budgetkonsolidierung. Denn es gebe immer noch einen deutlichen Personalmangel, 175 Richter und 31 Staatsanwälte würden fehlen. "Man sollte also überlegen, wie man die Justiz ordentlich ausstattet und nicht einem angeschlagenen System noch Einsparungen verordnen."

Schließung der Hälfte der Standorte

Die von Griss vorgeschlagene Zusammenlegung von Bezirks- und Landes- zu Eingangsgerichten samt Schließung der Hälfte der Standorte habe zwar "prinzipiell auch Positives", anerkannte Zinkl. Aber "gerade jetzt, wo die Politik vom Spardruck getrieben ist, ist der falsche Zeitpunkt dafür". Begrüßen würde die Richtervereinigung die Zusammenlegung kleiner Bezirksgerichte mit weniger als etwa drei Richtern.

Aber eine Strukturreform würde, so Zinkl, erst in mehreren Jahren Einsparungen bringen. Zunächst würde sie Kosten verursachen - durch Investitionen für Umbauten und "deutlich höhere Gehälter für eine nicht so kleine Gruppe von Richtern". Weil eine Rechtsmittelebene (die der Landesgerichte zu Urteilen der Bezirksgerichte) entfällt, müssten die Rechtsmittelrichter der Landesgerichte an die Oberlandesgerichte wechseln, wo höhere Gehälter bezahlt werden.

"Recht muss zum Bürger kommen"

Mit dem Argument "Das Recht muss zum Bürger kommen und nicht der Bürger zum Recht" wendet sich der Österreichische Rechtsanwaltskammertag (ÖRAK) gegen die Zusammenlegung von Gerichten. Die Justiz arbeite kostendeckend - damit müsse die Finanzierung der Gerichtsstandorte, der Eingangskontrollen etc. gewährleistet sein, hieß es am Freitag. Mit der Reform wäre eine weitere Einschränkung des Rechtsschutzes zu befürchten, meint der Salzburger Rechtsanwaltskammerpräsident Leopold Hirsch in den "Salzburger Nachrichten" (Freitag-Ausgabe). Der bestehende Personalmangel an den Gerichten führe ohnehin schon zu einer Verdünnung des Rechtsschutzes. (APA)

Alexander M. Swoboda
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30.12.2011, 12:26
Truthaehne gegen Weihnachten...

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