Gesetz

Ungarns Premier Orbán greift sich Notenbank

30. Dezember 2011, 13:27
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    foto: epa/peter kollanyni

    Ungarns Premier Viktor Orbán will Notenbankchef Andras Simor (Bild) nicht frei schalten und walten lassen.

Das Gesetz wurde mit 293 von 386 Abgeordneten verabschiedet

Budapest - Ungarn hat trotz massiver Kritik der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF)das umstrittene Notenbank-Gesetz verabschiedet. 293 der 386 Abgeordneten stimmten für das Gesetz, vier dagegen. Die oppositionellen Sozialisten und die grün-liberale LDP nahmen nicht an der Abstimmung teil.

Der Entwurf sei bis auf zwei Punkte an die Erwartungen der EZB angepasst worden, sagte Ministerpräsident Viktor Orbán am Freitag dem staatlichen Radio im Vorfeld der Abstimmung. Um den aktuellen Gesetzentwurf zu verteidigen, würde Ungarn auch vor Gericht ziehen, so Orbán.

Devisenreserven in Gefahr

Wird das Gesetz beschlossen, dann ermöglicht es eine Zusammenlegung von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht. Der Präsident dieses neu geschaffenen Organs soll aber eben nicht der Notenbankchef sein, sondern vom Parlament gewählt werden. Da die Regierungspartei Fidesz eine Zweidrittelmehrheit im Parlament hat, wäre das also ein Mann Orbáns. Dem momentan amtierenden Nationalbank-Präsidenten fiele dann lediglich die Rolle des Vizepräsidenten zu. Auch geplant ist eine personelle Aufstockung des Monetärrates. Da er über Zinserhöhungen oder -senkungen entscheidet, fällt ihm eine Schlüsselrolle zu. Beobachter fürchten, dass sich die neuen Ratsmitglieder ausschließlich aus Fidesz-Vertrauten rekrutieren.

Zudem wird vermutet, dass der ungarische Premier durch die Gesetzesänderung auch an die Devisenreserven der Notenbank im Ausmaß von 35 Milliarden Euro kommen könnte, wie "Ö1" berichtete.

IWF will Geld nur gegen Reform geben

Das hoch verschuldete Ungarn, dass sich mit seiner rechtsgerichteten Politik in Europa ins Abseits manövriert hat, scheint auf internationale Finanzhilfen angewiesen. Informelle Gespräche mit IWF und EU scheiterten in diesem Monat jedoch an dem geplanten Notenbank-Gesetz. Zweifel mehren sich, dass überhaupt eine Einigung erzielt werden kann. Der IWF erklärte am Mittwoch, dass Verhandlungen nur aufgenommen würden, wenn Ungarn bereit sei, über die umstrittene Notenbank-Reform zu sprechen. Im Gegensatz zu dieser Äußerung steht Orbáns Ankündigung, die Gespräche begännen Anfang Jänner.

Experten zufolge ist Ungarn 2012 auf eine Einigung mit dem IWF angewiesen. Das Land muss dann 4,8 Milliarden Euro an Fremdwährungsschulden refinanzieren. Darin ist bereits die Rückzahlung früherer Rettungshilfen durch IWF und EU aus 2008 enthalten. Um die anstehenden Auktionen gut bewältigen zu können, muss Ungarn das Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen. Erstmals seit der Finanzkrise hatte die Zentralbank am Donnerstag eine Emission dreijähriger Bonds abgesagt. Danach fiel der Forint auf ein Monatstief.

Zugriff auf Medien und Justiz

Seit Orban im April 2010 die Macht übernahm, hat er den politischen Zugriff auf ungarische Medien verstärkt, Befugnisse des Verfassungsgerichts beschnitten, Pensionsfonds verstaatlicht und ein Kontrollgremium für den öffentlichen Haushalt aufgelöst. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte Orban in einer am Freitag von ungarischen Medien verbreiteten Erklärung zur Achtung demokratischer Freiheiten auf. (red/Reuters, derStandard.at, 30.12.2011)

Kommentar posten
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Monika Nikolic
 
00
24.4.2012, 14:56
Ungarn im Abseits

Es war so ein schönes Land.
Wir Österreicher sind gerne hingefahren, haben auch Wohnungen gekauft.
Obrban war doch einmal so demokratisch ja so links orienntiert,
jetzt ist er untragbar.
Man soll diese Typen auf keinen Fall irgendwie fördern.
Alles hat er ruiniert.
Die intektuellen sind verzweifelt.Ein mieser machtgieriger kleiner Schurke

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
11.1.2012, 19:07
Es lebe

ungarn.

Tildy
03
Die Sache ist sehr(!) einfach: Orban hat sich den Interessen der Grossfinanz nicht gebeugt.

Orban hat Interessen der Finanzelite "verletzt" und Ungarn wird deswegen mit allen Mitteln unterdrückt.

Ein anderes Problem gibt es hier nicht. Das ist wirklich alles dazu.

Wenn das Land Zugang zu den eigenen(!) Reserven (ca. 25 MRD EURO) hätte, gebe es gar kein Problem. Nun will aber die IWF diesen Zugang mit aller Macht verhindern. Notenbank-Gouverneur Andras Simor ist ein Agent der Grossfinanz und bekommt jede Unterstützung.

Ich hoffe, dass auch andere Länder Ungarns Beispiel folgen werden um sich aus der Zinssklaverei zu befreien.

totila39
20

ja, Anhänger von Populisten sind für einfache Antworten immer sehr leichtgläubig:-)

Oddo Wolf
03
31.12.2011, 16:31
Die vergessenen Warnungen von Kennedy und Eisenhower 1961

-
JFK, 27. April 1961:"Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu tun, die ihren Einfluß mit verdeckten Mitteln ausbreitet: Es ist ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche und politische Operationen verbindet."

http://www.youtube.com/watch?NR=... t0w8Dyg8uE

General Cornwell
31
31.12.2011, 13:23
Wie man wieder einmal schön sieht

die großen Gefahren - nämlich die Etablierung von Diktaturen - gehen immer und ausschließlich von der Politik aus - nicht von freien Märkten. So unpopulär sie auch sind, nicht zuletzt weil Politiker sie immer wieder in Verruf bringen, da sie soziale Wahlgeschenke beinhart bestrafen -- freie Märkte sind die Grundlage von freien Gesellschaften

Oddo Wolf
01
31.12.2011, 16:41

Soziale Wahlgeschenke sind Almosen gegen das, was die "freien Märkte" der Gesellschaften wirklich kosten.

Die Finanzdiktatur geht nicht von der Politik aus, wird von dieser aber korrupt und an volksverrat grenzend, unterstützt.

Buzz Lightyear
00
31.12.2011, 16:07
Und?

Selbst wenn das stimmt heißt es nicht, dass freie Märkte ein Segen wäre. Zuviel Freiheit tut auch nicht gut.

Adam Markus
11
31.12.2011, 15:32

Die Südamerikaner würden Ihnen da wohl widersprechen.

General Cornwell
00
31.12.2011, 15:51
Das glaube ich nicht, Tim

Diktaturen werden immer von Politikern errichtet, nicht von freien Märkten.

Selbstverständlich aber können Diktatoren auch teilweise freie Märkte fördern - siehe China.

Freie Märkte sind die Voraussetzung für Demokratie, aber nicht umgekehrt.

Adam Markus
00
31.12.2011, 17:58

Und Chile? Und die argentinische Militärdiktatur? Und alle anderen grindigen neoliberalen Diktaturen Lateinamerikas? Milton Friedman hat in Chile sogar selbst Hand angelegt.....

Cavaliere Austriaco
00
31.12.2011, 09:26
bei Schulden kommt es wesentlich auch

auf den Ausblick an, diese zurückzahlen zu können, und der ist bei Ungarn trüb...

Neoliberal National der Untergang!
00
31.12.2011, 09:03
Freunde der FPÖ?

Mit oder ohne Absicht Österreich zu bräunen?

Janosch bacsi
33
31.12.2011, 07:58

Halb so schlimm das Ganze: Ungarn hat 130 Mrd $, (100 Mrd. €) Schulden, pro Einwohner also 10.000 €. Und Österreich? 217 Mrd €; bzw. 29.000 / Einw. Warum dann die Hetze gegen Ungarn? Bitte lieber vor der eigenen Tür kehren.
http://staatsschulden.at/

Standard Leser4
 
00
Da ist schon ein kleiner Unterschied.......

Geehrter Janosch, Oesterreich hat auch noch 450 Mrd Euro erspartes Geld und Mrd in der Kueche versteckt. Wieviel haben die Ungarn? Ausserdem hat Ungarn Ausslandschulden in Euro und in USD und die werden allein durch die Abwertung, Heute ist der Forint Kurs bei 317 zum Euro, immer mehr.

Friedman Tobin
01
31.12.2011, 16:04

Sie haben "vergessen" die Einnahmen (das BIP) zu vergleichen (die Einwohnerzahl ist hingegen völlig irrelevant). Und Sie haben das Problem nicht verstanden - die ungarische Regierung hat ganz einfach immer wieder nicht genug Geld (Cash) und hat zunehmend Probleme dieses zu beschaffen, da helfen Ihnen theoretische Zahlenvergleiche wenig, die Lage ist ganz REAL ernst.

Oddo Wolf
00
31.12.2011, 18:06

Bei der Staatsverschuldung in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt sind Österreich und Ungarn bei ca. 74% fast ident, wobei die von Ö. in 2012 weiter ansteigen, hingegen in U. aber fallen wird.

http://de.wikipedia.org/wiki/List... uldenquote

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.12.2011, 21:15

Und was haben denn BIP und Schulden miteinander zu tun?
Man brauch ja nur ein bissl fester auf die Sklaven draufhaun, und das BIP steigt in ungeahnte Höhen, während die Zinsen auf die Schulden wie immer dazugerechnet werden, ohne, dass wer was dagegen hat, und völlig unabhängig davon, wie fest man auf die Sklaven drauf haut.

Nestor1979
01
31.12.2011, 15:39
Die Hetzer gegen Ungarn sind doch immer die gleichen: die Verlierer der letzten Wahl.

Und das sind vornehmlich die letzten Kommunisten und Sozialisten in diesem Land, die Ungarn herunterwirtschafteten, was die Regierung Orban jetzt wieder aufbauen muß - zugegeben mit außerordentlichen Mitteln, was eben die 2/3 Mehrheit erlaubt.

Übrigens auch die ÖNB oder die FED und viele andere Notenbanken sind von ihren Regierungen abhängig! Das ist zwar nicht immer gut, aber eben Faktum.

Oddo Wolf
36
30.12.2011, 20:43
Ganz schön mutig von Hr. Orban sich gegen die Fremdherrschaft und Diktatur des Geldes zu stellen.

-
Angeblich hat die Forderung nach Währungshoheit schon mehreren amerik. Präsidenten das Leben gekostet.

Die von der Finanzindustrie ständig geforderte Unabhängigkeit der Zentralbanken ist doch nichts anderes, als eine Fremdherrschaft - mit dem einem sozialen Krebsgeschwür gleichenden Zinsgeldsystem - aufrecht zu erhalten.

Der Vorwurf, Regierungen hätten nicht die Disziplin die Geldmenge und Wertstabilität einer Währung zu gewährleisten, wird angesichts der zahlreichen Vertragsbrüche der EZB zur leeren Phrase.

Politiker können abgewählt werden. In der Welt der Zentralbank-Gouverneure ist kaum bekannt welchen "Herren" und "Grauen Eminenzen" im Hintergrund gedient wird. Dem Volk, dem Steuerzahler sicher nicht.

General Cornwell
01
31.12.2011, 13:35
Oh Mann

glauben Sie tatsächlich und wirklich ein Faymann und seine Schuldenphantasie mit Kontrolle über die ZB wäre auch nur irgendetwas anderes wie eine Bedrohung unseres Staatswesens?

Dann kriegen wir täglich Wachteleier und soziale Geschenke, gemeinsam mit einem Paket neu gedruckter 1-Mio-Euro-Scheine...

Oddo Wolf
00
31.12.2011, 17:22

Das muß jedoch verhindert werden. Mit entsprechenden Regeln in Verfassungsrang (siehe Schuldenbremse), Aufklärung und Bildung des Wählers, damit dieser Resistent gegen Medien-Manipulation durch Finanzlobbiysten wird, bekommen wir vielleicht gar noch eine echte Demokratie.

Dagmar Rehak Wien
 
00
31.12.2011, 21:25

Gegen Medienmanipulation kann ein sozial normaler Mensch nur dann resistent werden, wenn er gleich allen Mitmenschen nix mehr glaubt. Das würde ich nicht gut finden, denn grundsätzlich sollte ein so soziales Wesen wie der Mensch darauf vertrauen können, dass ein Mitmensch ihm hilft evolutionär weiterzukommen.
Besser, der Mensch nimmt die Botschaft auf und verifiziert sie. Der normale Mensch wird sich sagen: "Find ich gut, was der sagt. Das muss ich mir genau anschaun." Aber weil das nicht geht, wird die manipulierende Botschaft untergehen.

Es ist was ganz was anderes, was wir brauchen, und das muss jeder einzelne selbst machen.
ICH brauch sicher keine Regeln in Verfassungsrang, denn die Verfassung bin ich selbst. Ich hoffe, du auch.

Mehrwolf
00
31.12.2011, 09:18

Ich bin auch ein Gegner des derzeitigen Finanzunwesens und der Meinung, dass der Staat wesentlich mehr Kontrolle ausüben sollte. Mit dem Vorgehen Orbans werde ich allerdings nicht warm. Man sollte nicht vergessen, dass in Ungarn derzeit wichtige Freiheiten (Presse) massiv eingeschränkt werden und eine ziemlich umstrittene Verfassung in Kraft treten wird.
Orban geht ja auch nicht wirklich gegen die Oligarchie des Geldes vor. Dazu müsste man Wirtschaft und Politik viel schärfer entkoppeln, Finanztransaktionen besteuern etc. Hier geht es aber nur um die Notenbank. Ich denke, es geht um die 36-Mrd.-Reserve, mit denen man in den kommenden Jahren einige nette Zuckerl finanzieren kann. Nachhaltigkeit sehe ich in Orbans Vorgehen allerdings keine.

Oddo Wolf
00
31.12.2011, 13:25
Wirtschaft und Politik viel schärfer entkoppeln, ...

-
Das war ein starkes Argument für die Bankenderegulierung. Die Oligarchie des Geldes wurde dadurch so groß, daß sie jetzt Regierungen in einen Zustand der Ohnmacht versetzt hat.

Die Pressefreiheit wird dazu genutzt mit großen Geldmengen Medien in Abhängigkeit zu bringen. Flächendeckende PR von Finanz- und anderen Lobbys manipulieren die Meinungsbildung und greifen in agressiver Weise in die Politik ein und damit die Demokratie an.

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