Überstellung der kürzlich festgenommenen Brüder Veselinovic unwahrscheinlich
Prishtina/Belgrad - Die kosovarische Justiz will von Belgrad
die Auslieferung der mutmaßlichen Hauptorganisatoren der Krawalle im
Nordkosovo beantragen, wie serbische Medien am Freitag unter Berufung
auf den Chefstaatsanwalt in Mitrovica, Shyqri Syla, berichteten. Die
Brüder Zvonko und Zarko Veselinovic waren kürzlich in Serbien
festgenommen worden. Dort werden ihnen andere Straftaten vorgeworfen.
Die kosovarische Justiz bereitet laut Syla die notwendigen Unterlagen
vor, um im Jänner einen Auslieferungsantrag an Belgrad zu richten.
Innenminister schloß Überstellung aus
Der serbische Innenminister Ivica Dacic hatte schon vor einiger
Zeit eine mögliche Überstellung der Brüder Veselinovic an die
kosovarische Justiz ausgeschlossen. Sie seien Staatsbürger Serbiens,
zudem erkenn Belgrad die Republik Kosovo und ihre Institutionen nicht
an, ließ Dacic wissen. Auch sein kosovarischer Amtskollege Bajram
Rexhepi meinte nach der Festnahme, dass ihre Auslieferung an
Prishtina (Pristina) kaum zu erwarten sei.
Bei einem der Krawalle im Nordkosovo, wo ortsansässige Serben seit
Monaten mit u.a. Straßenblockaden jede staatliche Autorität
Prishtinas in diesem mehrheitlich von Serben bewohnten Landesteil
bekämpfen, waren Ende November mehrere Soldaten der NATO-Schutztruppe
KFOR, darunter auch Österreicher, verletzt worden. Die kosovarische
Justiz verdächtigt insgesamt neun Personen wegen der Krawalle. Nach
Angaben Rexhepis hat die im Kosovo tätige EU-Rechtsstaatsmission
EULEX diese Woche für alle Verdächtigen Haftbefehle ausgestellt und
an Interpol weitergeleitet. (APA)