Das STANDARD-Automobil-Team kürt drei persönliche Autos des Jahres. Kein Auswahlkriterium: politische Korrektheit. Man muss die Autos allerdings selbst gefahren haben
Der ewig(e) Junge
911 Carrera S vor SLK vor Phaeton
Mein Sieger hat sich heuer souverän durchgesetzt. Er ist ein Aufruf zur Klassik, Porsches 911, weil er zwar ein komplett neues Auto ist, größer, längerer Radstand, leichter, genialer. Trotz schlankeren Erscheinungsbilds bleibt er aber eindeutig ein 911er, seit Jahrzehnten Inbegriff des Sportwagens schlechthin. Ewig jung so wie wir. Es kommen zwar jede Menge Versionen dazu, das Cabrio etwa gleich einmal und etliche stärkere Versionen, aber mir reicht der Carrera S mit seinen 400 PS völlig, die Kosten von 102.436 € natürlich auch.
Gäb's da nicht das Kriterium, die gewählten Fahrzeuge müsse man selbst gefahren haben, hätte der Porsche sich gleich viel schwerer getan: Dann stünde hier nämlich SLS AMG Roadster statt SLK 350 - und 571 PS statt 306; und 239.900 € statt 58.870. Der SLS-Roadster sieht ja fast noch atemberaubender aus als das Coupé, dieser Neo-Flügeltürer! Immerhin bekommt man beim SLK die prestigeträchtige SLS-Schnauze gratis dazu, der kleine Festdachroadster-Trendsetter fährt sich außerdem richtig fein. Und vertan ist die SLS-Chance noch nicht, vielleicht ergibt sich's 2012, in genau einem Jahr werden Sie's erfahren.
Meine persönliche Nummer drei ist Deutschlands schönste Großstadt, Dresden. Weil die aber aus Immobilien besteht und nicht aus Mobilen, steht auf dem Stockerl: VWs dorten gebautes Flaggschiff, der Phaeton, auf seine alten Tag' von Absatzrekord zu Absatzrekord eilend, China sei Dank. Heuer getestet in 4-Sitz-Variante V8 4motion, seidige 336 PS, aller Luxus dieser Welt für 128.700 €. (stock)
Die Stromschnellen
Ampera vor Kangoo Z.E. vor Picanto
Das Elektroauto wird die Welt nicht retten. Dort, wo Autos ein Problem sind, werden sie es bleiben, auch elektrisch. Aber: Die Elektrizität bringt eine neue erfrischende Komponente ins Dasein der Autofahrenden, die durchaus auch sinnliche Reize umfasst.
So ist es beeindruckend, mit einem Opel Ampera im Elektromodus über eine Landstraße zu gleiten, nur ein wenig Reifenpfeifen und Windfächeln. Und du singst mit Roland Neuwirth: Ollas wos i wü is, dass's endlich amoi stü is. Und es ist still, so still es in einem Auto nur sein kann. Auch wenn Opel auf den Begriffsbogen Elektroauto mit erweiterter Reichweite (Range Extender) besteht und dies nachvollziehbar begründet.
Am Ende macht der Ampera das Gleiche wie viele mittlerweile angekündigte Plug-In-Hybridautos: Man kann 50 km rein elektrisch fahren, weitere mehr als 400 km fährt man als Benzin-Hybrid relativ sparsam.
Zweiter Platz: Renault Kangoo Z.E. Kommt mehr als 100 km weit ausschließlich elektrisch. Wenn Sie das in einer Großstadt machen, sind Sie ohnehin annähernd einen Tag lang unterwegs. Dass die Batterie gemietet (ca. 80 Euro/Monat, also ungefähr so teuer wie einmal Benzin tanken) und im Schadensfall gegen eine intakte ausgetauscht wird, drückt den Neupreis auf ein übliches Pkw-Niveau und nimmt den Kunden die Angst vor dem Fehlerteufel.
Dritter: Kia Picanto, eine Steilvorlage der Koreaner in Sachen Qualität, Fahrfreude und Chic. Da wird sich der VW up! anstrengen müssen. (rs)
Das Gesetz der Serie
Vantage S vor Continental GTC vor M5
Schon wieder Aston Martin: Der Rapide machte 2010 das Rennen, heuer der Vantage S.
Zugegeben, das ist dekadent. Was bei den tollsten Autos des Jahres - nach streng subjektiven Kriterien natürlich - aber auch zählt, ist die Exklusivität. Und die ergibt sich auch aus der Verfügbarkeit und dem Preis. Womit wir relativ rasch bei Aston Martin sind. Heuer führen wir hier den Vantage S vor, mit 160.000 Euro nicht einmal unter den teuersten Modellen des britischen Herstellers, aber in der Anlage und mit 436 PS unter den sportlichsten. Das lang erwartete Bindeglied zwischen Sport- und Rennwagen, so versteht wenigstens Ulrich Bez, der Chef, die Firmenpolitik von Aston Martin. Und dabei ist der Vantage S auch noch gnadenlos elegant.
Auch an die zweite Stelle soll keine Massenware gereiht werden. 253.000 Euro, 575 PS, kein Dach. Das kostet, das kann der Bentley Continental GTC. Das ist ein nicht ganz schlankes Cabrio mit immerhin zwölf Zylindern, damit kann man gut repräsentieren, gut reisen, und wenn einmal Eile geboten sein sollte, lässt sich auch diese recht formschön bewältigen.
An der dritten Stelle fast schon eine Occasion. 120.000 Euro, noch nicht Fließband, aber man wird ihn öfter auf den Straßen sehen als den Aston oder den Bentley: der M5 von BMW. Eine Limousine mit den Ambitionen eines Rennwagens. 560 PS und ein unglaublich scharfes Fahrwerk machen das möglich. Der geht also richtig schnell, aber auch dies, ohne ordinär zu wirken. (völ)
DER STANDARD/Automobil/30.12.2011