Ungleiche Einkommen

Lamento gegen Loblied

Kommentar | Gerald John, 29. Dezember 2011, 18:45

Die staatsnahen Betriebe gehen mit schlechtem Beispiel voran

Die staatsnahen Betriebe gehen mit schlechtem Beispiel voran: Nicht nur Frauen dürfen sich dort unterbezahlt fühlen, sondern gleich das gesamte Fußvolk. Während das Durchschnittseinkommen der normalen Mitarbeiter in drei Jahren um zehn Prozent stieg, freuten sich die Vorstandsmitglieder über das doppelte Plus.

Ein rein symbolisches Ärgernis, weil eine Handvoll Manager das Kraut nicht fett macht? Nein, denn die Zahlen des Rechnungshofes spiegeln einen Trend wider, der sich nicht auf einzelne Konzerne beschränkt: Die niedrigen Einkommen fallen zurück, die hohen galoppieren davon - von den extrastark gewachsenen Vermögen ganz zu schweigen.

Übertönt wird dieses Lamento oft vom Loblied auf die "Leistungsträger", die dafür ja horrende Steuern zahlten. Doch das ist punkto Vermögen Unsinn und auch bei den Arbeitseinkommen nur die halbe Wahrheit. Zwar berappt ein kleine Gruppe Gutverdiener einen großen Batzen der Einkommensteuer, aber ebenso sind Sozialversicherung und indirekte Steuern zu zahlen. Rechnet man die drei Posten zusammen, liefern die Haushalte aller Schichten in etwa den gleichen Prozentsatz ihres Einkommens ab.

Die Lehre für die Budgetsanierung: Will die Regierung die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter aufreißen, sollte sie Steuern für Begüterte Sozialkürzungen vorziehen. Denn es sind staatliche Leistungen, die wachsende Verdienstunterschiede hierzulande wirksam dämpfen. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.12.2011)

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13 Postings
Der lachende Mann
00
31.12.2011, 17:20
Wer Jobs annimmt bei denen ständig Politiker dreinpfuschen,

siehe etwa ÖBB oder ORF, der verdient auch entsprechendes Salär.

peperl4a
02
30.12.2011, 15:49
Leistungsträger

- dieses Wort allein ist ja schon bemerkenswert; soll das bedeuten, dass nur Menschen mit hohen Einkommen etwas leisten, die Leistungslast auf ihren Schultern tragen, und die Leut, die weniger verdienen, eh Obezahrer sind???? Heiliger Zynismo, bitt für uns!

ravenna
00
30.12.2011, 09:52

Der Vollständigkeit halber - und für eine Qualitätszeitung angemessen - hätte man noch erwähnen können, dass in den Jahren davor, die Vorstandgehälter deutlich weniger gewachsen sind, als die der normalen Mitarbeiter. Aber sowas ist halt keine Schlagzeile wert.....

Ausgeflippter Lodenfreak
02
30.12.2011, 14:07

Das entspricht nicht den Zahlen, die ich kenne. Wo haben Sie diese Information her? Die Schere zwischen den Top-Gehältern und den Gehältern der Mitarbeiter geht seit langer Zeit immer weiter auf.

Clandestino
01
30.12.2011, 11:59

quelle?

ravenna
00
30.12.2011, 17:46

Ö1 Morgenjournal.

1116er
01
30.12.2011, 09:27
"..die hohen galoppieren davon"

die övp ist eine partei der ästheten.

gibt es etwas ästhetischeres als ein vollblut im gestreckten galopp?

das einzubremsen kann nur einem prolo einfallen!

daher: lasst unsere reichen in ihrer edlen kleidung feste galoppieren - sie sind so schön, so intelligent, so potent, sie leisten so viel, ...

da MUSS sich doch eine partei finden, die diese vollblüter beschützt!

Elisa B
00
30.12.2011, 08:08
Mittelstand fällt ins Proletariat

tragisch sind die Rechenbeispiele von Familien. Auch durch (ungelernte) Arbeit beider Eltern kommt die Familie nicht auf mehr als eine Familie wo keiner hackelt. Da ja die auch Zeit zum Schwarzarbeiten haben haben sie sogar mehr! Das bedeutet, dass auch der Mittelstand ins Subproletariat hinabfällt! Also wie zu von Zeiten Karl Marx.

flotter denker
50
29.12.2011, 20:02
Langsam setzt sich eben die Erkenntnis durch, dass

Es immer vor Allem auf die Leistung Weniger ankommt. Die Masse der auch Arbeitenden ist fast beliebig austauschbar. Warum diesen bequemen Mitschwimmern im grossen Strom auch noch schoene Gehaelter schenken?

Albatros99
02
30.12.2011, 08:44
Re: flotter denker

Sie haben recht, tauschen wir die Arbeitnehmer aus, vielleicht bekommen wir im Gegenzug wirklich vernünftige Arbeitnehmer welche für nahezu nichts arbeiten, damit sich die Leistung endlich wirklich lohnt.
Flott, flott.

Albatros99

Reich sein muss sich lohnen!
03
29.12.2011, 19:56
Auch das mit den Prozent sollte man kritisch betrachten

10% mehr bei einem Einkommen von 30.000€ Jährlich sind 3.000€.
10% mehr bei einem Einkommen von 600.000€ Jährlich sind 60.000€.

Bei 20% höheren Gehältern für die "Top-Manager" ist das dann nicht das Doppelte sondern das 40ig-Fache von dem was ein normaler Angestellter bekommen hat.

Karl Krammer
06
29.12.2011, 19:48
es gibt auch ein erstklassiges historisches Beispiel dafür: die USA

in der Zeit der wirtschaftlichen Dominanz der USA, wo das Land jahrzehntelang frei von großen Krisen war und die Einkommen querbeet gestiegen sind, also von ca. 1945 - 1975, da lagen die Spitzensteuersätze zwischen 70 und 92%. Seit Reagan's Steuerkürzungen, die später von Bush fortgesetzt wurden, stagnieren die Einkommen im Durchschnitt, aber in der Spitze hat sich eine Oligarchie von Multimillionären und Milliardären gebildet. Einige Zeit konnte mittels Kreditexpansion die Illusion steigenden Massenwohlstands aufrecht erhalten werden, aber die ist jetzt geplatzt. Ohne Rückkehr zu mindestens den Steuersätzen der 1960er (70%) und Erbschaftssteuern wie damals wird die Krise Dauerzustand bleiben.

Politikerüberwachungsdienst
03
30.12.2011, 12:40

Alles aus Amerika kommt mit mehrjähriger Verspätung auch zu uns. Jetzt ist es soweit. Ich bin neugierung, wie lange noch die ÖVP mit der zynisch-lakonischen "Neidebattenformel" die notwendige Diskussion hinauszögern wird können!

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