Die staatsnahen Betriebe gehen mit schlechtem Beispiel voran
Die staatsnahen Betriebe gehen mit schlechtem Beispiel voran: Nicht nur
Frauen dürfen sich dort unterbezahlt fühlen, sondern gleich das gesamte
Fußvolk. Während das Durchschnittseinkommen der normalen Mitarbeiter in
drei Jahren um zehn Prozent stieg, freuten sich die Vorstandsmitglieder
über das doppelte Plus.
Ein rein symbolisches Ärgernis, weil eine Handvoll Manager das Kraut
nicht fett macht? Nein, denn die Zahlen des Rechnungshofes spiegeln
einen Trend wider, der sich nicht auf einzelne Konzerne beschränkt: Die
niedrigen Einkommen fallen zurück, die hohen galoppieren davon - von den
extrastark gewachsenen Vermögen ganz zu schweigen.
Übertönt wird dieses Lamento oft vom Loblied auf die "Leistungsträger",
die dafür ja horrende Steuern zahlten. Doch das ist punkto Vermögen
Unsinn und auch bei den Arbeitseinkommen nur die halbe Wahrheit. Zwar
berappt ein kleine Gruppe Gutverdiener einen großen Batzen der
Einkommensteuer, aber ebenso sind Sozialversicherung und indirekte
Steuern zu zahlen. Rechnet man die drei Posten zusammen, liefern die
Haushalte aller Schichten in etwa den gleichen Prozentsatz ihres
Einkommens ab.
Die Lehre für die Budgetsanierung: Will die Regierung die Kluft zwischen
Arm und Reich nicht weiter aufreißen, sollte sie Steuern für Begüterte
Sozialkürzungen vorziehen. Denn es sind staatliche Leistungen, die
wachsende Verdienstunterschiede hierzulande wirksam dämpfen. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.12.2011)