Tanz den Weltuntergang!

29. Dezember 2011, 18:54
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Der letzte Silvester von überhaupt will entsprechend gefeiert werden. Das Wiener Ausgehangebot ist dementsprechend üppig und vielfältig.

Wien - Bedeutet die Wahl der Silvesterlocation ohnehin eine gewisse Form des Freizeitstresses, so ist angesichts des nächstjährigen Weltuntergangs gesteigerte Sorgfalt bei der Selektion angebracht. Der letzte Silvester von überhaupt will entsprechend gefeiert werden - dementsprechend üppig gibt sich das Ausgehangebot.

Wer im Jenseits von der größtmöglichen Partyverausgabung berichten möchte, treibt sich am besten im Flex herum. Dort sind 14 Stunden Party am Stück prophezeit. Enden wird der zehnköpfige DJ-Auflauf dann, wenn das Neujahrskonzert im Musikverein den Höhepunkt erreicht - nämlich am Neujahrstag zu Mittag. Den Silvester-Rave beschallen u. a. Patrick Kong, Fauna und Ken Hayakawa.

Wobei die Wahrscheinlichkeit, Letztgenannten in der Silvesternacht in die Gehörgänge zu kriegen, sehr hoch ist. Der heimische Technostar mit solider Musikgrundausbildung ist am selben Abend ebenso in der Pratersauna wie auch im Wuk zu konsumieren. Schließlich werden selten höhere DJ-Gagen bezahlt als zu Silvester, was sich übrigens an vielen Orten in Form einer unverschämten Eintrittspreispolitik widerspiegelt. Viel Bares benötigt im kommenden Jahr ohnehin niemand mehr.

Deshalb sei auch auf das Silvestival im Dock 5 verwiesen. Der im Partyzusammenhang bis dato unbekannte Hummer-Laden am Karlsplatz erzittert unter dem akustischen Kommando von Makossa & Megablast, Delano, Dennes Deen, u. v. m. - nobel geht die Welt zugrund'.

Wer in etwa das Gegenteil an Atmosphäre sucht, ist im Ottakringer Das Werk gut aufgehoben. Im räudigen Keller der ehemaligen Fabrik dreht sich alles um Techno, Elektro und Artverwandtes. Zudem herrscht dort zum Eingewöhnen Bunkerstimmung.

Gute alte Rock-'n'-Roll- Werte werden währenddessen einen Steinwurf weiter, im Rhiz, hochgehalten. Schließlich klammert sich der Mensch, wenn es mal zu Ende geht, gerne am Wohlbekannten fest. Das Wiener Duo The Happy Kids, das heuer ein herausragend-krawalliges Debütalbum veröffentlichte, wird sich verausgaben. DJ-Dienstleister ist Musikjournalist Philipp L'Heritier.

Tendenziell auf der traditionellen Seite ist auch das Wirr. Dort gibt es einmal mehr fachmännisch verlegte Reggae-Sounds von der Treasure Isle Crew zu hören.

Wer den Jahreswechsel lieber im HipHop-Zusammenhang begehen möchte, hat dazu in der Philiale im Foyer des Gartenbau-Kinos mit DJ Urbs die Gelegenheit.

Für die gesteigerte Dröhnung hat sich hingegen die Fluc Wanne entschieden. Am Praterstern fusionieren die Klubs Pola-Riot und der MyyyBitchClub zu einer schweren akustischen Front zwischen Techno und Elektro. Der offizielle Dresscode lautet dort "apokalyptisches Lumpenoutfit".  (Johannes Luxner  / DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2011)

31. 12.:
Flex, Obere Augartenbrücke, 22.00
Pratersauna, Waldsteingartenstr. 135, 22.00
Wuk, Währinger Straße 59, 23.00
Dock 5, Karlsplatz 5, 24.00
Das Werk, Neulerchenfelder Straße 6-8, 22.00
Rhiz, Lerchenfelder Gürtel, Bögen 37-38, 21.00
Wirr, 7., Burggasse 70, 23.00
Philiale/Gartenbau-Kino, Parkring 12, 23.00
Fluc Wanne, Praterstern 5, 23.00

  • Treten im Rhiz auf: The Happy Kids.
    foto: alex haspel

    Treten im Rhiz auf: The Happy Kids.

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