Ein und derselbe Eingriff in Norwegen und in Österreich - mit unterschiedlichem Aufwand
Wien - Herr M. (Name der Redaktion bekannt) hat den direkten Vergleich. Wegen eines Tumors musste er sich zweimal derselben Gehirnoperation unterziehen, einmal in Norwegen, wo er damals berufsbedingt lebte, und einige Jahre später noch einmal in Österreich. Dabei hat er als Patient einen "irren Unterschied" erlebt, wie er dem Standard erzählte - zwar nicht bei der Qualität der Operationen, er ist mittlerweile auch vollständig genesen; aber was den bürokratischen Aufwand rundherum betrifft.
In Norwegen erhielt Herr M. den Termin für die Magnetresonanztomografie (MR), die er nach der Operation halbjährlich durchführen lassen musste, per Post zugeschickt. Wenige Tage nach der Untersuchung kam ein Brief mit dem Befund per Post, bei der ersten MR rief der Arzt zusätzlich noch an. "Zeitlicher Aufwand für mich: zweimal fünf Minuten Brief lesen und 45 Minuten für das MR; Kosten für mich: Fahrt zur MR", notierte damals Herr M.
Zurück in Österreich, musste ihm ein verbliebener Rest des Tumors entfernt werden. Nach der Operation im Wiener AKH begann der bürokratische Hürdenlauf: Um eine MR durchführen lassen zu können, musste sich Herr M. von seinem Hausarzt eine Überweisung holen, dazu musste er ein Schreiben mitbringen, in dem das AKH die Nachuntersuchung ausdrücklich verlangte. Die Überweisung vom Hausarzt ins Krankenhaus musste zusätzlich chefärztlich genehmigt - sprich: bei der Krankenkasse eingereicht - werden. Von dieser Maßnahme versprechen sich die Kassen bessere Kostenkontrolle.
Der Patient, der in der Zwischenzeit in die Steiermark gezogen war, musste dort selbst ein Krankenhaus finden und einen Termin für die Untersuchung ausmachen, die Untersuchung dann selbst zahlen und bei der Krankenkasse einreichen, um die Kosten rückerstattet zu bekommen - freilich nur zu einem Teil. Bilder und Befund musste er selbst abholen, dann einen Termin mit dem Chirurgen im AKH ausmachen, und anschließend mit seinen Untersuchungsergebnissen nach Wien fahren, um diese mit dem Arzt zu besprechen. Wieder notierte Herr M.: "Zeitlicher Aufwand für mich: drei Telefonate, vier Fahrten über einen Zeitraum von zwei bis fünf Wochen; Kosten für mich: Selbstbehalt beim Hausarzt, Selbstbehalt bei der MR, drei Telefonate, vier Fahrten."
Auch das norwegische Gesundheitssystem ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, hat Herr M. in seiner Zeit dort erfahren: So hatte er als nur temporär im Land Versicherter Probleme damit, einen niedergelassenen Arzt zu finden. "Es ist schwierig, ins norwegische Gesundheitssystem reinzukommen, wenn man einmal drinnen ist, ist es aber wesentlich unbürokratischer als das österreichische." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2011)
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