Regierung in Bosnien-Herzegowina

Das Gesetz der Trägheit

Kommentar | Adelheid Wölfl, 29. Dezember 2011, 18:03

Wer alles aussitzen kann, gewinnt

Alle mussten nachgeben. In Bosnien-Herzegowina gibt es nun eine Regierung des allerkleinsten Kompromisses. Bis dahin gab es allerdings die größtmögliche Zeitverschwendung. Die bosnischen Parteiführer sind geübt darin, mit Vetos zu spielen. Die komplizierte Verfassung hat die Realverfassung des Balkanstaates etabliert: die Herrschaft der Trägheit. Wer alles aussitzen kann, gewinnt. Auch die Internationale Gemeinschaft ist nicht in der Lage, Bewegung in diese Masse zu bringen.

Die Verteilung von Machtpositionen, die Streitereien um Posten wird von den Bosniern (egal welcher Volksgruppe) ohnehin nur mehr apathisch belächelt oder überhaupt ignoriert. Tatsächlich sind sie angesichts der Herausforderungen unwichtig. Aber sie sind das Symptom für ein tiefer sitzendes Problem, das man anhand der Griechenlandkrise studieren kann. Bosnien-Herzegowina leidet wie alle Staaten in Südosteuropa an einem Klientelismus, der die Demokratie unterhöhlt. Wählen zu gehen bedeutet viel mehr einen Job zu haben und zu behalten, den die jeweilige Partei zusichert, als an der Politik zu partizipieren.

Deshalb kommen aus Wahlen keine Impulse für die Gestaltung der Gesellschaft oder die Reformen der Wirtschaft. Und das, obwohl den Bosniern nächstes Jahr echte Herausforderungen bevorstehen: Die Rückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank verdoppeln sich. Gleichzeitig schwinden die Direktinvestitionen. (DER STANDARD-Printausgabe, 30.12.2011)

Betrachter
01
30.12.2011, 11:17
Verfassungsänderun II

und die mehrheitlich bosniakischen Kantone wären der 3. Wahlkreis. Ich weiß entspricht nicht ganz unserem Modell des Verhältniswahlrechts, aber somit könnte man dem Prinzip der Verfassungsgegebenheit der Völker am ehesten Rechnung tragen und gleichzeitig das EGMR-Urteil „Finci-Sejdic vs. BiH“ umsetzen. Eine Systemänderung hinzu 1 Bürger-1 Stimme wird mit Serben und Kroaten nicht umsetzbar sein. Milosevic hatte dies am 14. KPJ-Kongress versucht und scheiterte.

Betrachter
01
30.12.2011, 11:16
Verfassungsänderun I

Die Bosniaken würden gerne tiefgreifendere Reformen durchführen und sind zumindest teilschuld an der derzeitigen Verfassungskrise. Sie hoffen, dass die IG zu ihren Gunsten intervenieren wird, was höchstwahrscheinlich nicht passieren wird. Man sollte, deshalb Dodiks Vorschlag in Betrachtung ziehen: 1. man streicht alle ethnischen Referenzen aus der Verfassung (somit könnten alle, unabhänging von ethnischer Zugehörigkeit, in versch. Gremien gewählten werden, zB könnte ein Bosniake Vertreter der RS im Staatspräsidium werden); 2. Etablierung von 3 Wahlkreisen: eine wäre die RS, eine andere 3, 4 Kantone die überwiegend kroatisch sind (damit wäre eine „authentische“ Vertretung der Kroaten gesichert

Filicijo
181
30.12.2011, 08:54

Fr. Wölfl um die situation in BiH zu kommentieren ist nicht genug so pauschall "kompliziertee verfassung" als trägheitsagrund zu stempeln. bitte, lesen sie die verfassung. dort steht das BiH ist ein staat der 3 völker (nationen) und darum ist gegangen um eine regierung zu bilden. alle drei völker sind gleich und mit gleichen rechten und das muss umgesetzt werden, sonst gibt es kein BiH.

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