Die Sberbank will nur rund 480 Millionen Euro zahlen
Wien - 2011 geht für die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) nicht
rasend gut zu Ende. Der Verkauf der Volksbank International (VBI) an die
russische Sberbank wird nun doch nicht mehr, wie von den Volksbankern
erhofft, vor Jahresende in trockene Tücher gebracht. Grund: Die
Aufsichtsbehörden der Ukraine und Ungarns haben ihre Zustimmung zu dem
Deal noch nicht gegeben; im Jänner soll das Closing aber wirklich
stattfinden. Die Ostbanken-Holding VBI gehört zu 51 Prozent der ÖVAG,
den Rest halten deutsche DZ- und WGZ-Bank sowie französische
Volksbanken.
Zudem müssen sich die Verkäufer der VBI mit einem niedrigeren Kaufpreis
begnügen. Die Sberbank wird nur rund 480 Millionen Euro zahlen, wie
VBI-Aktionäre bestätigen. Ursprünglich wollten die Russen 585 Mio. Euro
auf den Tisch legen und hätten bei gutem Geschäftsgang noch bis zu 60
Mio. Euro draufgelegt; im November waren die Nachverhandler aber schon
bei 500 Mio. Euro gelandet.
Verluste der VBI
Dass auch daraus nichts wird, liegt am flauen Ergebnis der VBI. Aus dem
Gewinn des ersten Halbjahres (14,8 Mio. Euro) ist nämlich schon per Ende
September ein Verlust geworden. Mittlerweile schreiben alle acht
VBI-Töchter (die neunte, die rumänische, wird nicht mitverkauft) rote
Zahlen, tiefrote die ungarische. Und das Risiko, dass sich die
Ergebnisse bis zum Jahresende weiter verschlechtert haben und daher auch
die Planungen für 2012 runderneuert werden müssen, lassen sich die
Käufer eben mit einem weiteren Preisnachlass abgelten. Am entsprechenden
Nachtrag zum Kaufvertrag wird derzeit noch gebastelt.
Auch der Sektorumbau wird noch dauern. Geplant ist ein strenger
Haftungsverbund nach Vorbild der niederländischen Rabobank, die ÖVAG
soll zum reinen Spitzeninstitut werden.
Das durchzusetzen ist im Sektor (den rund 60 "kleinen" Volksbanken
gehört die ÖVAG, die für heuer einen Verlust von 1,2 Mrd. Euro avisiert
hat) nicht ganz einfach - viel schwieriger ist aber noch die
Vorbereitung der so genannten Abbaubank. In der sollen, wie berichtet,
die Problemkredite vor allem der Investkredit landen, zudem Immobilien,
die verlustreiche rumänische Volksbank und die Leasingsparte. Geht es
nach den Plänen der Volksbanker könnte so ein Volumen von an die 27 Mrd.
Euro zusammen kommen. Die Assets darin sollen binnen drei bis fünf
Jahren abgearbeitet werden.
Die Crux dabei: Die Volksbanker wünschen sich, dass die Republik
Haftungen erklecklichen Ausmaßes für die Assets in der Abbaubank
übernimmt - dagegen sperrt sich aber vor allem das Bundeskanzleramt.
Zwar werde es ohne Bundeshaftung nicht abgehen, weiß ein Informierter,
über die Höhe solcher Garantien müsse aber wohl noch länger diskutiert
werden.
Grenznahe Nummernkonten
Kurzer Schwenk zu einer der "kleinen" Volksbanken, der VB Braunau
Altheim. Dort ist im Rahmen eines Strafverfahrens gegen eine
Ex-Mitarbeiterin der lockere Umgang bei Einzahlungen auf und Abhebungen
von Nummernkonten ("540er"-Konten, die heftig von deutschen Kunden
genützt werden) aufgefallen; der Standard hat berichtet. Inzwischen hat
die Bankenaufsicht FMA eine Vor-Ort-Prüfung vorgenommen und ein
Verwaltungsverfahren eingeleitet; das Institut muss den gesetzesmäßigen
Zustand in Hinblick auf die Prävention von Geldwäsche herstellen. Von
der Bank war dazu niemand zu erreichen. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.12.2011)