Die Ursula Blickle Stiftung setzt Zahlungen für die Zeit der Dienstfreistellung von Kunsthallen-Direktor Matt aus - ÖVP kritisiert Schweigen des Kulturstadtrats
Wien - Die Kunsthalle Wien wird im kommenden Jahr um 100.000
Euro weniger an öffentlicher Unterstützung erhalten. Die Subvention
werde von bis dato 4,15 Millionen auf 4,05 Millionen Euro gekürzt,
teilte das Büro des Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny am Donnerstag auf Nachfrage mit. Dass die Reduzierung auf Betreiben der
Grünen zustande komme, wie zuvor vom Vorstand des Kunsthallen-Vereins
in einer Aussendung behauptet, wurde von der Stadt dementiert. Diese sei
"Verschiebungen innerhalb des Budgets" geschuldet.
Der noch amtierende Kunsthallen-Vereinspräsident Thomas Häusle hatte zuvor
in einer Aussendung geschrieben, dass die Förderungen der Stadt auf 3,85
Millionen Euro gekürzt würden: "Diese massive Budgetreduktion ist
unverständlich und unverantwortlich und geht auf das Konto der Wiener
Grünen."
Die Kunsthalle
befürchtet unterdessen auch "enorme Schäden" durch einen möglichen
Wegfall des Hauptsponsors. Die deutsche Ursula Blickle Stiftung entzieht der Kunsthalle
demnach für die Zeit der Dienstfreistellung von Direktor Gerald Matt,
also von 1. Jänner bis 31. März 2012, die finanzielle Unterstützung.
Betroffen seien davon neben dem Ausstellungshaus selbst auch die
"ursula blickle videolounge" und das "ursula blickle videoarchiv".
Häusle, der in der künftigen Kunsthallen-Konstruktion
als GmbH (anstatt wie bisher als Verein) keinen Posten mehr
innehaben wird, befürchtet
"enorme Schäden durch die ungerechtfertigten Angriffe und
Beschuldigungen", konkrete Zahlen wollte er jedoch auf Nachfrage
nicht nennen.
"Mutwillig
weiteren Schaden"
Bezüglich der Warnung vor "enormen Schäden" verschärfte sich am Freitag sich der Ton zwischen den Beteiligten. Wiens ÖVP-Kultursprecherin Isabella Leeb schrieb in
einer Aussendung, dass es bei der Subventionskürzung lediglich um einen Betrag von rund
70.000 Euro gehe, deren Ausfall eine millionenschwere Institution
verkraften könne.
Außerdem sei Matt selbst Gremiumsmitglied der
Blickle Stiftung und füge somit seinem Dienstgeber selbst "mutwillig
weiteren Schaden" zu. "Wenn es hier nicht um eine wichtige Kulturinstitution ginge,
könnte man all diese Vorgänge als Provinzposse betrachten", so Leeb,
die auch Kritik am Schweigen von Kulturstadtrat
Mailath-Pokorny übte. Dieser habe "das Feld dem grünen
Koalitionspartner" überlassen, so die Kultursprecherin.
Die Grünen
selbst wehrten sich indes am Freitag per Aussendung gegen die Anschuldigungen des
Kunsthallen-Vorstands, man habe eine Reduktion der öffentlichen
Fördergelder um 300.000 Euro betrieben. Der Kultursprecher der Wiener Grünen, Klaus Werner-Lobo, ließ dazu mit einer Warnung aufhorchen. Sollten Matt
und Häusle mit ihren
Vorwürfen und Drohungen fortfahren, werde "in den kommenden Monaten
auch die Möglichkeit einer Privathaftung zu prüfen sein". (APA/red)