IWF, Weltbank sollen bei Banken einsteigen

Interview | Günther Oswald, 29. Dezember 2011, 17:30
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    foto: standard/corn

    Wirtschaftsforscher Karl Aiginger: "Europa hat nur eine Chance, wenn es größer wird."

Wifo-Chef Karl Aiginger plädiert dafür, dass internationale Organisationen bei Banken einsteigen. Der Kreis der Euroländer sei zu groß gewesen

Banken auf Kapitalsuche müssten sich auch nach Investoren aus arabischen Ländern, China oder Norwegen umsehen. Und wenn das nicht reicht, sollen Weltbank, IWF oder Europäische Investitionsbank dabei sein, meint Wifo Chef Karl Aiginger.

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STANDARD: 2012 wird die Wirtschaft kaum wachsen. Gleichzeitig müssen die Banken auf EU-Druck ihr Eigenkapital enorm aufstocken. Ist das nicht der komplett falsche Zeitpunkt? Droht eine Kreditklemme?

Karl Aiginger: Die EU hat sich lange nicht entschlossen, etwas zu machen. Wahrscheinlich wäre das 18 Monate früher besser gewesen. Aber irgendwann muss man das Bankensystem stabilisieren. Es wäre klüger gewesen, nicht einen Prozentsatz des Eigenkapitals festzulegen, sondern absolute Beträge. Diese muss man tatsächlich aufbringen, Prozentsätze kann man auch durch Zurückfahren des Geschäfts erreichen, was eine Gefahr für die Realwirtschaft darstellt. Da bräuchte es Ergänzungsmaßnahmen. Weltbank, Internationaler Währungsfonds oder europäische Instanzen wie die Investitionsbank oder die Osteuropabank EBRD müssten verhindern, dass es zu Kreditklemmen besonders in Osteuropa kommt.

STANDARD: Sollen sich diese Institutionen direkt an den Banken beteiligen? Das wäre ja eine Art Verstaatlichung ...

Aiginger: Nein. Ich wäre für eine kombinierte Strategie. Zum einen müsste man versuchen, am Markt Kapital zu bekommen, inklusive Investoren aus arabischen Ländern, aus China oder Norwegen. Dabei geht es nicht um Mehrheitsbeteiligungen. Aber es wäre absurd, wenn diese Länder Anlageprobleme haben und Europa klagt, dass unsere Banken kein Geld finden. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass die erwähnten internationalen Organisationen vorübergehend Eigenkapital an Banken halten. Man könnte dazu in Europa auch eine neue Organisation schaffen. Dabei geht es nicht um den Staat, der 100 Prozent hält und die Banken zum Sklaven seiner Fiskalpolitik macht. Das wäre eine Drittinstanz, die das als Investment sieht - etwa mit zehn bis 30 Prozent - und den Blick einer internationalen Organisation hat.

STANDARD: 2011 war das Jahr der Eurokrise. War es mit dem heutigen Wissensstand gescheit, von Anfang an beim Euro dabei zu sein?

Aiginger: Unbedingt. Gerade für Österreich war das eine wichtige Entscheidung, weil wir seither von allen Währungsspekulationen ausgeschlossen sind und weil viele unserer Handelspartner zuvor regelmäßig starke Abwertungen vornahmen. Der Schilling wäre vermutlich mit der D-Mark lange stärker gestiegen, wir hätten also eine schlechtere Konkurrenzfähigkeit als mit dem Euro. Man hätte allerdings bei der Aufnahme der Euroländer kritischer sein müssen. Es ist notwendig, dass Griechenland in der EU ist. Ob es ein Euroland werden musste, hätte man stärker von längerfristiger Stabilität abhängig machen sollen. Da war man zu großzügig.

STANDARD: Der Kreis der Euroländer wurde zu weit gefasst?

Aiginger: Ein zu großer Kreis mit einer zu kurzen Beobachtungszeit und einer zu laxen Kontrolle. Deswegen belastet Griechenland die Eurozone, obwohl der Euro selbst ein Erfolgsmodell ist.

STANDARD: Wenn der Kreis zu groß ist, könnte man ihn ja verkleinern.

Aiginger: Dieser Umkehrschluss ist leider nicht möglich. Ist man einmal drinnen, wäre der Austritt mit enormen Kosten verbunden - auch für die, die drinnen bleiben. Wenn ein Haus brennt, muss man jedes Feuer löschen. Man kann dann nicht sagen, die Mieter in der Wohnung Nr. 13 sind selber schuld, also löschen wir nicht.

STANDARD: Wobei wohl keiner die Kosten seriös beziffern kann.

Aiginger: Es lässt sich eindeutig sagen, dass es eine Katastrophe wäre, wenn ein Land ausbricht. Der gesamte Euro würde an Glaubwürdigkeit verlieren. Das ausscherende Land wäre mit starker Anpassungsrezession konfrontiert. Dann reden wir nicht von minus zehn, sondern von minus 30 Prozent. Es gibt dann keine Finanzierung mehr für dieses Land, sondern Kapitalflucht und Zusammenbruch der Banken. Das Land müsste neu aufgebaut werden.

STANDARD: Trotzdem träumen mittlerweile viele von einem getrennten Nord- und Südeuro.

Aiginger: Das ist doch Illusion. Ein Nordeuro würde aus wenigen Ländern bestehen: Neben Österreich und Deutschland wären nur Finnland und die Niederlande dabei. Frankreich könnte maximal Ehrenmitglied sein. Belgien und Italien dürften angesichts ihrer Schulden nicht Mitglied sein. In der Nordzone würde der Wechselkurs um 40 bis 50 Prozent hinaufgehen, wodurch auch diese Länder Exportprobleme hätten. Den Südeuro gäbe es nicht. Diese Länder würden nie eine gemeinsame Zone bilden, sondern als Problemsplitter herumliegen.

STANDARD: Was wäre also Ihr Rat?

Aiginger: Europa hat in der globalisierten Welt nur eine Chance, beachtet zu werden, wenn es größer wird: die heutige EU plus die Länder des ehemaligen Jugoslawien. Und wenn Europa an Randzonen aktiv wird, wenn es Vorbild für den Schwarzmeerraum und Nordafrika wird. Der Anteil Kerneuropas an der Weltproduktion liegt nur bei 13,5 Prozent und wird bis 2050 auf zehn Prozent schrumpfen. Ein Europa mit stark wachsenden Nachbarschaftsregionen bliebe bei einem Weltmarktanteil von 30 Prozent. Damit wäre es die größte Wirtschaftsmacht. Europa kann sich also entscheiden, ob es 2050 ein globalisiertes Dorf sein will oder ein weltweiter Spieler. (Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.12.2011)

Zur Person

Karl Aiginger (63) ist seit 2005 Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts. Seine Schwerpunkte sind Industrieökonomie und Wettbewerb.

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Posting 1 bis 25 von 208
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kingcycle
00
16.1.2012, 13:30
Sieht man sich die

"Erfolgsgeschichte" von IWF und Weltbank (Stichwort Ostasienkrise, völliges Versagen im afrikanischem Raum, handling der Eurokrise) an, kann das nur ein Vorschlag aus Obskuristan sein..

wersagtsdenn
00
wen gehöhrt die FEd und alle diese Nationalbanken?

Privaten!!FED und Nationalbanken müßen wieder verstaatlicht werden!! Die Staaten sollten das Geld lieber selber von den Nationalbanken sich besorgen für den lächerlichen Zinssatz von 1% den die Banken bezahlen um dann das Geld in Staatsanleihen mit 7% oder mehr zu investieren. DAS ist Kapitalismus pur Die Banken tun nix dafür und haben da einen Goldesel. Und all diese schlauen Experten sind doch Handlanger der Kapitalisten . Und wer sind diese Mächteigen? Die die immer unschuldig und nur Gut sind ...

Oddo Wolf
00
30.12.2011, 18:53

Dabei geht es nicht um den Staat, der 100 Prozent hält und die Banken zum Sklaven seiner Fiskalpolitik macht.

Ist es nicht eher so, daß die Banken bald zu 100% Einfluß auf die Fiskalpolitik ausüben und den Steuerzahler zum Sklaven ihrer Zinsgeldpolitik gemacht haben?

mike1007
00
30.12.2011, 15:04

Und wer steigt dann bei IWF und Weltbank ein, wenns nicht mehr geht.
Langsam solltens mal aufwachen die lustigen Finanzexperten und net mit irgendwelchen abstrusen Ideen um sich schmeißen.

Couchsurfer
01
30.12.2011, 14:27
ansehen

Grandioser Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Hankel http://bit.ly/sEHoQb

Der letzte Demokrat
 
00
30.12.2011, 14:25
Das Volk *) soll gefälligst ...

... einsteigen und zwar im Umfang von ca. 30 % der Anteile. Durchgeführt wird das Ganze durch die Ausgabe von Gratisaktien an das Volk. - Treuhändig verwaltet könnten die Anteile dann von mir aus durch IWF und Weltbank werden.

Die Altaktionäre können, wenn sie das Volk wieder draussen haben und die Verwässerung ihrer Anteile vermeiden wollen, diesem die Anteile ja abkaufen ...

*) Das Volk = Ökosoziale Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen verschiedenster kultureller und soziologischer Ausprägung, welche in einer bestimmten geografisch oder intelektuell begrenzbaren Region leben und deren friedvolles Zusammenleben auf einem Kanon niedergeschriebener und/oder unausgesprochener Vereinbarungen bzw. Übereinkünften basiert.

da Novak
01
30.12.2011, 13:36
Altes Rezept - mit scharf!

Klar, Wachstum, das ewige Mantra der Ökonomen. Wenn schon nicht Wachstum in der Produktivität, dann zumindest Wachstum der EU. Bereits jetzt, in der EU-27 sind die Koordinationsprobleme allgegenwärtig.

Die Finanzmarktkrise ist da schon eine 'willkommene' Abwechslung! Diese nun anhand einer Superverstaatlichung via IWF, WB und EZB vonstatten laufen zu lassen, kann nur noch als schlechter Scherz gewertet werden.

Makroökonomie := je größer die zu analysierenden Zusammenhänge, desto abstruser die Vorschläge! => Auch eine Spielart des Principal-Agent-Problems: der Makroökonom ist für die Konsequenzen der Umsetzung seiner "Expertisen" nicht verantwortlich!

asterix1966
00
30.12.2011, 12:34
www.nogis.jimdo.com

www.nogis.jimdo.com
Sehen Sie sich diese Seite an.
Man kann etwas gegen die ORF Willkür unternehmen.

QUANTUM
00
30.12.2011, 12:28

diese 'verhaberung' zw politik und finanzindustrie stinkt schon aus allen kanälen ...

Althase
01
30.12.2011, 12:52

Das ist keine "Verhaberung"
Die Fäden zwischen Finanzindustrie und Politik verlaufen senkrecht (von Oben nach Unten)

warp.faktor
00
30.12.2011, 11:54
Mal ehrlich ...

... wer möchte von ÖBB- oder Asfinag-Managern regiert werden?

Ich auch nicht und deshalb lehne ich ebenso demokratisch fragwürdige Konstruktionen wie IWF und Weltbank strikt ab!

carbonara
02
30.12.2011, 11:49
Das Vertrauen ist erst wieder hergestellt

...., wenn ALLE Verantwortlichen im Häfen sitzen.

Oh my God !
01
30.12.2011, 11:48
Die jahrhundertealte "Reichsidee" blüht da auf:

"Europa hat in der globalisierten Welt nur eine Chance, beachtet zu werden, wenn es größer wird: die heutige EU plus die Länder des ehemaligen Jugoslawien. Und wenn Europa an Randzonen aktiv wird, wenn es Vorbild für den Schwarzmeerraum und Nordafrika wird. "

"Der Anteil Kerneuropas an der Weltproduktion liegt nur bei 13,5 Prozent ", wenn wir so klein blieben, dann wären wir sicher nicht überlebensfähig, niemand "beachtet" uns dann, dabei wären wir "zur wahren Größe" geboren ;-)

H. G. Wells
00
30.12.2011, 11:43
Lieber selbst Staatsanleihen kaufen...

...als sich mit dem IWF einzulassen (siehe z.B. Südamerika, Afrika, ...)!

das ist fix
01
30.12.2011, 11:34
Wieder so ein "Experte"

Karl Aiginger hat jahrzehntelang zugesehen wie die Staatsschulden explodiert sind bzw. hat er noch 2008 gemeint, dass die Schuldenkrise sich nur gering auf Österreich auswirken wird.
Und jetzt Ende 2011 präsentiert er Pseudolösungen - woher bekommen den IWF und Weltbank das Geld - da ist ja Österreich auch dabei - daher ist das eine Münchhausenlösung.

hedgehog
00
30.12.2011, 12:08

Karl Aiginger ist seit 2005 Chef des Wifo, er folgte Helmut Kramer nach. Wie konnte er da "jahrzehntelang" dem staatlichen Schuldenaufbau "zugesehen" haben, ohne, wie Sie offensichtlich fordern, politische Einflussnahme geübt zu haben? Die Wirtschaftsforscher, also auch Kramer oder IHS-Chef Felderer, haben gebetsmühlenartig vor der einseitigen Auslegung des Keynesianismus gewarnt, indem stets an der Konjunkturbelebungsschraube gedreht wurde, aber in Hochkonjunkturzeiten keine Rückführung der Schuldenquote erfolgt ist. Für budgetpolitische Maßnahmen waren und sind schon die Politiker (Finanzminister!) verantwortlich.

das ist fix
00
Seit 20 Jahren

Karl Aiginger lehrt seit 20 Jahren an Universitäten...

Oh my God !
01
30.12.2011, 11:29
"In der Nordzone würde der Wechselkurs um 40 bis 50 Prozent hinaufgehen"

und die Spritpreise runter!

>>> die 40-50%-Behauptung, wie üblich aus den Fingern gezuzelt?

warp.faktor
00
30.12.2011, 11:38
Wenn ...

... die Spritpreise wirklich um 40-50% runter gehen würden, würden es auch unsere Exporte (=Arbeitsplätze)

Kein Vorteil ohne einen Nachteil!

woody999
01
30.12.2011, 11:05
na wenns der aigner sagt, dann werdens gleich springen bei IWF und weltbank

wurde der aigner ned zum nobelpreis nominiert?

Oh my God !
00
30.12.2011, 11:25

der Nobelpreis für Ökonomie 2017, für das aus Österreich stammende "Globale WIFO-Badbanking-Konzept"

das hat schon was!

;-))

lesendenkenbeitragen
06
30.12.2011, 10:56
schon wieder ein Interview mit Hrn. Prof. Aiginger

das mich ziemlich ärgert. Eine Art, zu beschreiben wie alles ist weil es aus "angeordneter Sicht" so sein muss und wenn opportun, dann halt einfach anders ist, das mit dem Titel "Wirtschaftsforscher". Allein wenn man den Artikel liest, kann man nur Kopfschütteln, da werden Szenarien eines Austritts oder Zerfalls beschrieben, die volkswirtschaftlichen Auf- und Abwärtsbewegungen von -30 % (Rezession) bis + 50 % (Währungsaufwertungen für "Nordländer") zeigen. Selbst wenn das so wäre, würde das bedeuten, dass dieses Ungleichgewicht im System inhärent ist. Welche Wahrscheinlichkeit hat der Bestand eines Systems mit solchen "inneren Verwerfungen"? Das wäre eines Wirtschaftsforschers würdig, sich mit Lösungsszenarien auseinanderzusetzen!

QUANTUM
00
30.12.2011, 12:32

kapitalismus kann nur vom unterschied leben, also ... ;)

Oh my God !
01
30.12.2011, 11:26

alle müssen auf Linie gebracht werden, there is no alternative - "Aktion TINA 2012"

pluralis modestatis
10
30.12.2011, 10:34
Sozio-politischer Massendefekt

Wo der Einzelne rational denkt und handelt, dort (denkt) handelt er als zoon politikon irrational.

a) Niemand arbeitet bedingungslos für Andere, aber viele fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen
b) Niemand lebt von Spenden seiner Kinder, aber viele sind für deficit spending
c) Niemand zahlt gerne Steuern, aber viele sind für Steuererhöhungen
d) Niemand arbeitet freiwillig als Sklave, aber viele wollen den Zivildienst
e) Niemand zahlt für die Ausbildung fremder Kinder, aber viele sind gegen Studiengebühren
f) Niemand zahlt gerne für Beamte, aber viele haben gerne Postämter
g) Niemand ist einverstanden mit dem Steuermann der Kirche, aber viele zahlen Kirchensteuern

……………

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