Die bunte Opposition: Aufbruch ja, Richtung unklar

André Ballin aus Moskau, 29. Dezember 2011, 17:12

Zwar wurden Zehntausende mobilisiert, doch Einigkeit über den künftigen Kurs herrscht unter den Oppositionsführern nicht

Die etwa 70.000 Menschen, die zuletzt in Moskau auf die Straße gingen, sind keine Mehrheit in Russland, auch in der Zehn-Millionen-Metropole Moskau nicht. Doch es ist eine Menge angesichts des staatlichen TV-Monopols, der Ohnmacht der Russen gegenüber den Behörden und auch der Angst vor Repressionen, die zuletzt in zunehmender politischer Gleichgültigkeit der Bürger zu münden schien.

Die meisten der Demonstranten stammen aus dem Mittelstand, sie besitzen einen Uni-Abschluss, sind Geschäftsleute, Angestellte oder Facharbeiter, wie eine Umfrage des Lewada-Zentrums ergeben hat. Viele waren zuvor bewusst apolitisch, ehe sie nach der Dumawahl ihrem Unmut Luft machten. Daneben stehen aber auch radikale Linke und Rechte in den Reihen der Opposition.

Was sie eint, ist der Wille zur Veränderung, die Hoffnung auf ein "Russland ohne (Wladimir) Putin" - eine der Hauptlosungen auf den Demos. Doch die Vorstellungen über weitere Ziele des Protests gehen stark auseinander. So fordert die Opposition zwar geschlossen die Freilassung des radikalen Kommunistenführers Sergej Udalzow. Mit dessen Visionen einer anarcho-kommunistischen Revolution gehen allerdings die wenigsten konform.

Auch die Nationalisten verfolgen eigene Ziele: "Wir haben mit den Liberalen nichts gemein", sagt Witja, ein aus der nationalistischen Szene stammender junger Mann. Während die Rechten nicht nur Ausländern, sondern auch Kaukasiern aus dem eigenen Land den Zutritt nach Moskau verwehren wollen, sind ihnen die Forderungen der Liberalen nach fairen Wahlen und mehr Demokratie recht gleichgültig.

Rechte suchen Öffentlichkeit

Der Nationalist Wladimir Tor entschuldigte sich gar bei seinen Anhängern, nach dem kürzlich zur Opposition gewechselten Ex-Finanzminister Alexej Kudrin auf der Tribüne "sprechen zu müssen". Die Teilnahme der Rechten auf der Veranstaltung hat einen opportunistischen Grund: Sie suchen das Licht der Öffentlichkeit. Der Schulterschluss mit den Liberalen ist von kurzer Dauer.

Selbst bei den Führern der Liberalen herrscht keine Einigkeit: Milliardär Prochorow, der sich zunächst bei der vom Kreml initiierten Wiederbelebung der liberalen Partei "Rechte Sache" versuchte, scheiterte kläglich daran und wurde noch im Wahlkampf von seiner Partei vor die Tür gesetzt. Nun wagt er als Neu-Oppositioneller einen zweiten Anlauf und will sich unter dem Slogan: "Wer, wenn nicht ich" bei den Präsidentenwahlen Putin stellen. Nur ist er als Oligarch unbeliebt.

Zwischen anderen führenden Liberalen wie Boris Nemzow, Wladimir Jawlinski oder Wladimir Milow herrscht schon lange ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, der einen Zusammenschluss liberaler Kräfte bisher verhindert hat.

Bleibt der bekannte Blogger Alexej Nawalny, der mit seinem Projekt RosPil als Kämpfer gegen die Korruption in Russland bereits Popularität erreicht hat. Die Gründung einer neuen Partei und eigene Präsidentschaftsambitionen hat er kundgetan. Ob Nawalny die Liberalen allerdings tatsächlich einen kann und soll, ist unklar. Immerhin ist er regelmäßiger Teilnehmer des nationalistischen "Russen-Marsches" und daher keineswegs unumstritten. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD-Printausgabe, 30.12.2011)

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15 Postings
boison de higgs
00
30.12.2011, 21:46
Zwar wurden Zehntausende mobilisiert, doch Einigkeit über den künftigen Kurs herrscht unter den Oppositionsführern nicht

Wenn sich nicht einmal Zehntausende einigen können, wie soll dann direkte Demokratie funktionieren?

mc_abr
01
30.12.2011, 22:36

die zehntausende können sich nicht einigen, weil sie unterschiedliche meinungen haben. was ist aber gemeinsam - das protestgefühl nach der wahl, deswegen gehen sie auf demo.

Peacefaktor
27
30.12.2011, 18:28
Warum wird eigentlich nicht über die

viel größeren Putindemos berichtet?
Ist doch nicht soooo uninteressant, dass mehr Menschen für ihn demonstrieren, als gegen ihn.
Warum wird nichts über die Verbindungen mancher "Oppositioneller" zu Leuten wie Soros oder Brzinski berichtet, die hohe Beträge investrierten?
Warum erinnert mich das irgendwie an die Berichterstattung im Georgienkonflikt, wo jedem klar denkenden Menschen klar war, dass die Aggression vom Krawattenfetischisten ausging und Russland reagierte, es aber anders dargestellt wurde, bis der offizielle Bericht ein halbes Jahr später alle Schuldzuweisungen widerlegte und Krwattenwilli als Täter überführte.
Dass ein paar Amis russophob sind, okay, aber warum hier in Österreich?

binGeladen
05
30.12.2011, 15:21

soros spendet 100 mil. an puschkin bibliothek. was für ein gebildeter und gütiger mann.

dakakadu
04
30.12.2011, 13:13
December 2011: Information War against Russia

http://rt.com/politics/... narin-009/

"The latest parliamentary election showed that left-wing parties (Fair Russia and the Communist Party of the Russian Federation) are now more popular with the people. At the same time, liberal opposition represented by parties like Yabloko has once again suffered a crushing defeat. In spite of these facts, Western media are trying to paint their own picture of what Russian voters want."

Gestatten, Rossi.
14
30.12.2011, 00:32
Wenn man sich den Demonstrationszug ansieht

überwiegt eindeutig das Rot das die Kommunisten mit zuführen pflegen.

Warum wird das im Artikel nicht erwähnt?

Anstatt dessen wird der "der bekannte Blogger Alexej Nawalny" angepriesen....

Franz Brannt-Wein
514
29.12.2011, 17:59
Zunächst sollte man einmal unterscheiden zwischen

Opposition (die sitzt im Parlament und hat die 7% Hürde überwunden) und diesem außerparlamentarischen Zusammenlauf. Die opponieren, wogegen auch immer. In Wien wären diese paar Tausend 180 Sekunden Nachrichten n der ZiB wert gewesen, in Moskau mit beträchtlich mehr Einwohnern als Österreich ist das der Tropfen auf die Mühlen der Westblockpropaganda.

Warum man den Rechtsextremisten Nawalny (der auf einer Extremistenskala in der Nähe von z.B. G. Küssel liegen würde) einen derartigen Auftritt in unseren Lautsprechermedien gibt ist sowieso nur mehr befremdlich. Wie man da auf "liberal" kommt muss einmal mit Hand und Fuß erklärt werden, spricht definitiv einmal gegen die Qualität der Einschätzung.

Raptor Jesus
03
30.12.2011, 20:39
Früher wurde Limonov als Held der Opposition gefeiert.

Mich verwundert garnichts mehr.

Franz Brannt-Wein
310
29.12.2011, 18:09

Die gelindeste Einschätzung dieses Nawalny wäre Rechtspopulist mit Aggressionspotenzial. Das er nicht ansatzweise in die Nähe von Putin kommen wird sondern die Schicht der Dauerunzufriedenen aberntet ist auch klar.

Kudrin (mit Putin übrigens gut befreundet) sollte ebenfalls nicht zu diesem Konkursus (bitte nicht Opposition, das verwirrt) gezählt werden, wenn er auch etwas pikiert ist, aber er nimmt nicht diese Extrempositionen die vom Rednerpult zu hören ware, er distanziert sich davon.

Außerdem ist es fad jeden Tag "Oppositionsnachrichten" aus Russland serviert zu bekommen.

Wer noch andere Hintergrundinfos will, sollte das hier lesen: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/12/a... soros.html

Gestatten, Rossi.
212
29.12.2011, 17:47
"der bekannte Blogger Alexej Nawalny" vergleicht

in einem Video vergleicht er militante Kaukasier mit Kakerlaken, die anders als die Schabe nicht mit einer Fliegenklatsche oder einen Pantoffel, sondern nur mit einer Pistole zu bekämpfen seien.

Nur der Vollständigkeit halber, sei dies erwähnt und damit man weiß wes Geistes Kind der ist, "der bekannte Blogger Alexej Nawalny"

liebe Redaktion!

Kohl-Haas
02
30.12.2011, 18:21
"der bekannte Blogger Alexej Nawalny" vergleicht

@Nur der Vollständigkeit halber, sei dies erwähnt und damit man weiß wes Geistes Kind der ist, "der bekannte Blogger Alexej Nawalny"
liebe Redaktion!

Heute ist er unser freund das Licht der Demokratie im finsteren Russland und morgen suchen wir mal wieder nach versteckten Waffen, ist doch alle irgend wie ganz neu oder
Ein frohes neues Jahr allerseits

Molodez
15
29.12.2011, 18:22

Da ist er, der freundlich als "der bekannte Blogger Alexej Nawalny" umschrieben wird:

https://www.youtube.com/watch?v=oVNJiO10SWw

Teufelsbraut, Guter Heinrich und Judenkraut
00
31.12.2011, 11:52
Gestatten, Rossi.
17
29.12.2011, 18:48
Die Redaktion verkauft und sowas als " Kämpfer gegen die Korruption " ?

Na, prost!

dakakadu
02
30.12.2011, 09:15
Der ORF ist da noch viel ungenierter,

der stellt N. als die Heilsfigur der Opposition dar.
http://orf.at/stories/2... 5/2096868/

Gut, ohne Forum kann er Österreich widerspruchslos mit jedem Blödsinn zudröhnen.

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