Krisenlektion

Ohne Bankenbacking gibt es keine risikofreudigen Finanzinvestoren

29. Dezember 2011, 17:02

Unternehmensberater Ernst & Young: "Die Bereitschaft der Banken, größere Transaktionen mitzufinanzieren, ist inzwischen sehr gering"

Frankfurt - Finanzinvestoren werden auch im kommenden Jahr als Käufer für deutsche Unternehmen nach einer Studie größtenteils ausfallen. Erst wenn es gelinge, die Schuldenkrise in Europa einzudämmen, "werden wir auch wieder mehr Aktivitäten auf dem Private-Equity-Markt sehen", sagte Chef-Fusionsberater Alexander Kron von der Prüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft Ernst & Young am Donnerstag. "Das wird nach unserer Einschätzung frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2012 der Fall sein." Kron setzt seine Hoffnungen schon jetzt auf 2013: "Die Finanzinvestoren sind weiterhin hungrig und halten den deutschen Markt für attraktiv."

Der Branche fehlt aber das nötige Fremdkapital von Banken, um die versprochenen Renditen für ihre Anleger zu realisieren. Deshalb kam ihr Geschäft im zweiten Halbjahr 2011 praktisch zum Erliegen. Finanzinvestoren brachten im zu Ende gehenden Jahr in Deutschland keine einzige Übernahme im Milliardenvolumen zustande. Mit 900 Mio. Euro war der Kauf des Industrieruße-Geschäfts von Evonik durch Rhone Capital die größte Transaktion, nach dem Sommer war der für 280 Mio. Euro an die niederländische Gilde verkaufte Tiefkühlkost-Lieferant Eismann der Rekordhalter. Im zweiten Halbjahr gingen gerade noch 48 Übernahmen durch Private Equity im geschätzten Gesamtwert von 2,5 Mrd. Euro über die Bühne.

Keine Schnäppchen

"Die Bereitschaft der Banken, größere Transaktionen mitzufinanzieren, ist inzwischen sehr gering", sagt Ernst & Young-Partner Wolfgang Taudte. Aber selbst kleinere Summen von den Banken zu bekommen, macht der Branche Schwierigkeiten. Die Finanzinvestoren brechen daher häufiger ein Tabu und setzen für Übernahmen ausschließlich Eigenkapital ein. "Milliarden-Deals stehen derzeit nicht an und werden auch mittelfristig die absolute Ausnahme bleiben", macht Taudte der Branche nur wenig Hoffnung.

Zudem trennten sich nur wenige Konzerne von Firmenteilen - in normalen Zeiten ein gefundenes Fressen für Finanzinvestoren. Die Preisvorstellungen klafften zu stark auseinander, sagt Kron: Verkäufer erwarteten hohe Erlöse, weil die Geschäfte noch gut liefen, die Käufer richteten den Blick dagegen schon auf die schwächer werdende Konjunktur und erwarteten deutliche Abschläge. Daher brach auch das Volumen von Übernahmen ingesamt ein, soweit die Preise bekannt wurden: von 21,4 Mrd. Euro im ersten Halbjahr auf 5,6 Milliarden im der zweiten Hälfte 2011. Nur noch die mühsame Übernahme des RWE - Höchstspannungsnetzes Amprion durch ein Konsortium um Commerz Real erreichte seit Juli noch ein Milliardenvolumen.

Kron richtet auch hier den Blick schon auf das übernächste Jahr: "Sobald sich die konjunkturelle Lage verbessert und das Kapitalmarktumfeld stabilisiert hat, wird auch der M&A-Markt wieder zulegen." (APA)

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