Klimaschwankungen

Kleine Wildtier-Populationen am stärksten bedroht

29. Dezember 2011, 15:08

Wiener Forscher untersuchten Auswirkungen des mongolischen Extremwinters 2009/10 auf wieder angesiedelte Przewalski-Pferde

Wien - In der Wüste Gobi sind die Winter in der Regel lang und sehr kalt, aber der Winter 2009/2010 war der schlimmste seit langem. Millionen Stück Vieh starben in der ganzen Mongolei, und auch die wiedereingebürgerte Population von Przewalski-Pferden erlebte einen dramatischen Einbruch. Forscher von der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten die Auswirkungen auf die domestizierten und wilden Huftierbestände und stellten fest: Kleine und räumlich beschränkte Populationen von Wildtieren sind in Gebieten mit großen klimatischen Schwankungen stark bedroht.

Auf eine Sommerdürre folgte 2009/10 in der Mongolei ein extrem kalter und schneereicher Winter, ein in der Mongolei als "Dzud" bezeichnetes und gefürchtetes Wetterphänomen, dem 60 Prozent der Przewalski-Pferde in einem der beiden Schutzgebiete, in dem die Tiere seit 1992 wieder leben, zum Opfer fielen.

Zwei Populationen

Przewalski-Pferde, eine asiatische Wildpferdart, galten ab 1969 in freier Wildbahn als ausgerottet und überlebten nur in Zoos. Seit 1992 werden die Tiere aus Zoobeständen in ihrer ursprünglichen Heimat in der Mongolei ausgewildert. Mittlerweile gibt es zwei freilebende Populationen, eine im Hustai Nationalpark in der Zentralmongolei und eine im "Great Gobi B Schutzgebiet" im Südwesten des Landes. In letzterem fiel 2009/10 besonders viel Schnee.

Petra Kaczensky und Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der VetMedUni haben die Auswirkungen dieses Dzud auf das Vieh der lokalen Nomaden, die wieder angesiedelten Wildpferde und die ebenfalls dort lebenden Wildesel untersucht. Ihre Ergebnisse wurden nun in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS One" veröffentlicht.

Im Winter 2009/10 wurden 15 der 21 Provinzen zum Katastrophengebiet erklärt. Nach Schätzungen kamen über 7,8 Millionen Tiere bzw. 17 Prozent des nationalen Bestandes ums Leben. Die lokalen Hirten im "Great Gobi B Schutzgebiet" verloren im Durchschnitt 67 Prozent ihres Viehbestandes.

Lebensrettenden Flucht vor der Kälte

Bei den Przewalski-Pferden starben im Schnitt 60 Prozent der Tiere. Betroffen waren allerdings nur zwei Gruppen im Ostteil des Schutzgebietes, die sich selbst unter den Extrembedingungen des "Dzuds" nicht über die Grenzen der ihnen vertrauten Streifgebiete hinaus wagten. Ganz anders die Asiatischen Wildesel in dem Gebiet, die nach Westen auswichen und dadurch nur wenige Verluste erlitten.

Dass die Przewalski-Pferde von der lokal recht unterschiedlichen Wetterkatastrophe so stark betroffen waren, lag nach Angaben der Wissenschafter vor allem an der geringen Populationsgröße und dem kleinen Verbreitungsgebiet. Eine zahlenmäßig starke und weit verbreitete Population wäre viel besser in der Lage gewesen, einen lokalen Einbruch auszugleichen. Solange Populationen klein und räumlich beschränkt bleiben, sei der Erfolg einer Auswilderung nicht garantiert. "Der Katastrophenwinter hat wirklich hervorgehoben, wie gefährlich es ist, quasi alle Pferde auf einer Weide zu haben", sagt Petra Kaczensky. Die nationale Strategie für die Etablierung des Przewalski-Wildpferdes in der Mongolei sollte daher weiterhin auf mehrere Standorte mit räumlich verteilten Populationen abzielen. (APA, red)

Dr Don Tango
02
29.12.2011, 16:24
kleine wildtier-populationen am stärksten bedroht

sag bloss!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.