Trennung

Wien und Niederösterreich seit 90 Jahren eigene Bundesländer

29. Dezember 2011, 14:27

Einvernehmliche Scheidung am 29. Dezember 1921 beschlossen - Trat mit 1. Jänner 1922 in Kraft

Wien - Von der Kaiserresidenz zum eigenen Bundesland: Vor genau 90 Jahren wurde die Loslösung Wiens von Niederösterreich beschlossen. Am 29. Dezember 1921 wurde das diesbezügliche sogenannte "Trennungsgesetz" beschlossen. Damit löste sich Wien unter sozialdemokratischer Führung am 1. Jänner 1922 vom christlichsozial dominierten Niederösterreich. Beide wurden somit - infolge der "einvernehmlichen Scheidung" - selbstständige Bundesländer.

Der Wiener Bürgermeister fungiert seither auch als Landeshauptmann und der Gemeinderat als Landtag. Wien ist sowohl Gemeinde, Stadt mit eigenem Statut, Bundeshauptstadt und Bundesland. Historischer Ausgangspunkt der Doppelstellung von Wien als Gemeinde und Bundesland ist das Bundesverfassungsgesetz 1920, welches den Beginn des Trennungsprozesses zwischen Wien und Niederösterreich bildet. Bis 1918 war Wien Haupt- und Residenzstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie, sowie Hauptstadt des Kronlandes Niederösterreich.

Gesetz besiegelte Trennung

Seit dem Mittelalter war die Donaumetropole Zentrum und Sitz der niederösterreichischen Regierungsbehörden gewesen. Nach dem Zerfall der k.u.k. Monarchie war die österreichische Hauptstadt Teil des Bundeslandes Niederösterreich geblieben, was aber rasch zu Problemen führte: Die nicht unumstrittene Loslösung war unter anderem deswegen notwendig geworden, weil die dicht bevölkerte, sozialdemokratisch orientierte ehemalige Kaiserresidenz nun im niederösterreichischen Landtag mehr Abgeordnete stellte als die vier Landesviertel. Diese waren darüber hinaus traditionell mehrheitlich christlichsozial geprägt. Außerdem lebte im Großraum Alt-Niederösterreich insgesamt mehr als die Hälfte der Einwohner der jungen Republik, was zu Unmut bei den sechs anderen Bundesländern (das Burgenland zählte noch nicht dazu) führte.

So einigten sich die beiden führenden Parteien im Jahr 1920, die Walzerstadt aus Niederösterreich herauszulösen und als eigenes Bundesland zu konstituieren. Am 1. Oktober wurde beschlossen, aus dem Wiener Gemeinderat gleichzeitig einen Landtag, aus dem Stadtsenat auch eine Landesregierung und aus dem Bürgermeister auch einen Landeshauptmann zu schaffen. Zu finden ist die Neuregelung im am 10. November 1920 per Kundmachung im Bundesgesetzblatt in Kraft getretenen Bundes-Verfassungsgesetz. Am 10. November 1920 beschloss Wien als Gemeinde und Bundesland seine eigene Stadtverfassung. Die Aufteilung des Eigentums Alt-Niederösterreichs auf die beiden Länder sollte noch ein Jahr in Anspruch nehmen und wurde im Dezember 1921 mit dem - in Wien und NÖ gleichlautend beschlossenen - Trennungsgesetz fixiert.

Land ohne Hauptstadt

Erstmals tagte der Landtag für Wien am 10. November 1920 und beschloss die Verfassung der Bundeshauptstadt. Das Trennungsgesetz sah unter anderem vor, dass der Sitz von Landesregierung und Landtag Niederösterreichs im traditionellen Landhaus in der Wiener Herrengasse verbleibe, was jahrzehntelang beibehalten wurde. Der Weg zur eigenen niederösterreichischen Landeshauptstadt sollte sich noch als steinig erweisen: 1986 entschieden, sollte es bis 1997 dauern, bis die Übersiedelung ins St. Pöltner Regierungsviertel erfolgte. Die sogenannten "Hauptstadtfrage" wurde per Volksbefragung den Niederösterreichern selbst gestellt: 1986 entschied sich die Bevölkerung per Volksbefragung für St. Pölten. Der Slogan des damaligen Landeshauptmanns Siegfried Ludwig für eine Teilnahme an der Abstimmung lautete ab 1984 "Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft". (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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josefa maier449
00
30.12.2011, 16:24
Wien und NÖ gehören zusammengelegt

Ich verstehe nicht, warum wir 9 Bundesländer brauchen. Und wenn schon, wozu brauchen wir dann überhaupt eine Bundesregierung? Die Häuptlinge der Bundesländer sind zu mächtig. Ö könnte sich viel Geld ersparen wenn wir ein Land wären.

onlooker
20
31.12.2011, 00:58
ja so ist es, die schrullige idee, eine landtag und eine stadtregierung zu haben, schlägt ja schilda,

was machen die landtage die die stadtregierung nicht macht, es werden legitime jobs für einige herren und damen geschaffen die sonst stempeln gehen müssten, welch eine verschwendung von steuergeldern, habe es schon einige male gepostet, wir sind etwa so gross wie bayern, die haben etwa 12 mio EW, und haben landkreise, aber sicher keine bundeländer mit den mächtigen landesfürsten, haben aber auch 9 verschiedene hundstrümmerl gesetze, damit die herren darüber streiten können wann wo elche hundstrümmerl aufgeklaubt werden, das muss sehr streng reglementiert werden, allerdings ist die todesstrafe schon abgeschafft, welch ein hohn, drei wiener bezirke repräsentieren ein vorarlberg, oder tirol unglaublich wie die bürger zur kasse gebeten werden,

bratak
00
30.12.2011, 14:54
lächerlich

man kann noch viel mehr auftrennen! wo sind die fundamental-föderalisten, wenn man fordert, dass man die 9 bundesländer in 99 auftrennt, also jeder bezirk sein eigenes bundesland?
warum genau "9" perfekt und unumstößlich sind, konnte auch noch niemand erklären.

anders and
 
10
31.12.2011, 06:42

Es geht nicht um "perfekt" sondern um historisch gewachsen - und das ist (bis auf die Trennung Wien-NÖ) ganz einfach nachzuvollziehen.

bratak
00
31.12.2011, 09:55

historisch gewachsen, dann gäbe es auch keinen grund, die historisch wieder zusammenwachsen zu lassen

Titus Petronius
160
30.12.2011, 06:21
Die Zerstörung der Donaumonarchie ...

unter tatkräftiger Unterstützung roter Kräfte war eines der grössten Verbrechen des 20. Jahrhunderts.

Das ausgerechnet dieselben Kräfte bis heute die Regierung stellen und und sich tatkräftig aus den Tourismus-Einnahmen bereichern, ist eigentlich nur eine Form fortgesetzter Leichenfledderei.

Leider ist Wien dermassen verproletarisiert, dass selbst solch offensichtlichste Schandtaten als Fortschritte der Sozialdemokratie und als ganz normal empfunden werden.

Von einer Weltmacht zu einer Touristenattraktion in nur ein paar tausend Tagen. Das ist der Fortschritt der Sozialdemokratie, deren Kernprogramm immer in totaler Selbstzerstörung mündet.

anders and
 
12
31.12.2011, 06:47
kleine Verwechslung!!!

Die Roten Kräfte haben ja vor dem Krieg gewarnt, in den Ihre Geistesverwandten voller freudvoller Selbstüberschätzung hineingelaufen sind.

Ein kleiner Tipp unter Freunden: Wer glaubt 1918 hätte sich die Donaumonarchie noch retten lassen sollte dieses Symptom schnellstens klinisch abklären lassen - das ist zu ernst, um es laienmäßig im Forum zu behandeln.

Titus Petronius
40
31.12.2011, 08:34

Keine Verwechslung - die roten Kräfte haben nicht vor dem Krieg gewarnt, sondern indirekt davor, dass sie die Seiten wechseln würden. Das Attentat wurde ja auch von einer roten Terrorzelle verübt.

Profitiert haben vom Zerfall weder die Sozialisten noch die Deutschnationalen, der eigentliche Hauptgewinner waren die Amerikaner.

Deren strategische Position nach dem Krieg war die mit Abstand beste. Die Intellektuellen flüchteten nach Amerika, die USA mussten sich nicht mehr mit einem starken Vielvölkerstaat in Zentraleuropa herumschlagen und hatten stattdessen ihr abhängiges Bollwerk Richtung Osten nach Wilsons Plan.

Heute ist der Vielvölkerstaat die EU und die Geschichte beginnt sich zu wiederholen.

woifee 0.0
00

Österreich war vieles, aber sicher kein starker Vielvölkerstaat.

oh und übrigens
011
30.12.2011, 12:23

Glücklicherweise befindet sich mit Niederösterreich eine der letzten Bastionen der Monarchie unter der gottgebenen Herrschaft des großen und doch barmherzigen Erwin I., von Gottes Gnaden gewählter Kaiser von Österreich unter der Enns, König von Sankt Pölten, Krems, Mistelbach und Jerusalem, Imperator von Petronell-Carnuntum, Erzherzog von Neunkirchen, Gmünd, Waidhofen an der Ybbs, etc. etc. Graf von Gänserndorf und Scheibbs, Freiherr von Schrems, Annaberg, Hainburg, etc. etc. und Bischof von Melk in unmittelbarer Nachbarschaft zum roten Sowjet Wien.

Titus Petronius
70
30.12.2011, 12:58

Verteidiger des freien Unternehmertums haben Sie vergessen!

Sie gehören doch sicher zu den Wienern, die allwöchentlich zur SCS pilgern, um dem obersten Sowjet, dieser heiligen Dreifaltigkeit aus Mehrfachkinn, Bierwampe und Permanentpegel zu entfleuchen ?

Mein volles Verständnis dafür, schliesslich ist dem obersten Herren der geschützten Werkstätten, des leistungslosen Einkommens auf Kosten der Allgemeinheit und Schirmherr der geplanten Gesamtverblödung gar wenig zu trauen.

Aber als Dank für Ihr Verteidigungsbemühen um den Bundeskropf ist Ihnen ganz sicher ein Offiziersrang in den hehren Rängen der Parkplatzbewirtschaftung und eine eigene Bodenwelle vor der Haustüre gewiss.

onlooker
11
31.12.2011, 01:15
sie leben noch immer in der kaiserszeit, aber jeder normale bürger österreichs weiss, dass es lange vorbei ist mit diesen inzüchtlern,

sie werden doch nicht behaupten, dass nicht einige der habsburger debil waren, aber mit ihrer grossmannsucht kommen sie nicht weit, nehme an sie sind ein abkömmling diese clans und die natur hat auch sie nicht mit viel neuronen beschenkt, es ist eigentlich nett zulesen wie die habsburger mit ihren gegnern umgegangen sind, füssilieren, vierteilen, kerker in dem man angekettet war, protestanten die ihre heimat und alles hab und gut verloren, nur weil sie nicht die pfaffenreligion annahmen, bei der man die absolution kaufen konnte, sie sind ein ganz arems w*rschtl, sie sind nicht zu beneiden, um ihren habsburger tick, now get lost

oh und übrigens
03
30.12.2011, 14:28
Welch infame Unterstellung!

Zwar bin ich im atheistischen Arbeitersowjet Wien geboren, doch musste meine Familie schon bald darauf in das Land unseres heiligen Vaters und Beschützers fliehen, möge seine Regierung nie enden. Dank seiner Toleranzpatente werden nun auch politisch Fehlgeleitete in seinem Dominium geduldet, obwohl ein guter Untertan für diese Verblendeten beten sollte. Und doch blieb es in seinem Lande immer stabil, da er nicht in der Ferne herrscht, sondern seine ergebenen Diener täglich mit seiner Präsenz erleuchtet. Die ertragreichen Güter des fruchtbaren Landes und die vorbildliche Führung ermöglichten es, den Untertanen schier unglaubliche Dienste zu bieten - vierspurige Feldwege, ja selbst ein eigenes Spital für jede Seele scheint erreichbar zu sein.

Titus Petronius
30
30.12.2011, 14:48

Worüber beschwert er sich dann ?

Ist er doch dem Sowjet entkommen und wurde herzlich aufgenommen in einem gar freien Lande! Sogar kollektivistisch Andersdenkende werden doch nach seiner eigenen Aussage toleriert, wenngleich sie gottlob niemals die Mehrheit stellen werden.

Und was die mediale Omnipräsenz beträfe - so ist sie doch in diesem Falle wohlverdient und nicht wie nebenan aus den Mitteln der sich fortbewegenden Massen schamlos herbei ergaunert!

Madras
02
31.12.2011, 09:57

Wie kann man nur auf kabarettistische Einlagen mit plumper Propaganda antworten... Sie machen alles kaputt :P

Renegade Hardware Ltd.
02
29.12.2011, 23:17
Zum 100. plädiere ich von 9 auf 1 zu reduzieren.

Tom93
12
29.12.2011, 18:36
niederösterreich war mitnichten "christlichsozial dominiert"

der erste demokratisch gewählte landeshauptmann war der sozialdemokrat albert sever. nur indem man wien und seine damals fast 2 millionen einwohner von nö loslöste, gab es dann im resterl-nö eine cs mehrheit.

Maximinian
17
29.12.2011, 15:00
Historisch betrachtet,

mag das ja zu einem gewissen Zeitpunkt sinnvoll gewesen sein. Heute wirkt sich diese Trennung in vielen Bereichen aber sehr nachteilig aus. Für beide Seiten.

byron sully
11
29.12.2011, 15:09

seh ich nicht so. ein bundesland mit mehr als 3 mio. einwohnerInnen in einem 8-mio-land wäre meiner meinung nach zu groß, die trennung ist schon richtig.
problematisch find ich aber sehr wohl den status von wien als land UND gemeinde, weil dadurch die rechtssituation manchmal verwirrend ist (z.b. beim wahlrecht/wahlsystem).

/. nerd
 
10
30.12.2011, 10:24
Nur weil ihr Grüne (gemeinsam mit der SPÖ) das Ausländerwahlrecht im Gemeinderat (der halt auch Landtag ist) nicht durchgebracht habt,

ist die Konstruktion noch lange kein Fehler.

Wie solls denn sonst funktionieren? Ein Land ohne Gemeinde? Ein Bundesland ohne Landtag und Landesregierung?

Wiener Bezirke haben übrigens fast ebenso viele Rechte wie Gemeinden und dort gibts ein Wahlrecht für EU-Bürger. Und erwartungsgemäß nutzt das den Grünen, schließlich sind jene EU-Migranten, die das Wahlrecht nutzen, überdurchschnittlich reich.

byron sully
00
30.12.2011, 12:37

man könnte z.b. wien als bundesland mit 23 gemeinden definieren.
es ist ja nicht nur das thema ausländerwahlrecht, sondern auch z.b. die zusammensetzung der landesregierung. deswegen hat wien auch dieses skurrile system mit nicht amtsführenden stadträtInnen (weil hier das gemeinderecht gilt, wonach in jeder größeren stadt jede partei proportional in der stadtregierung vertreten sein muß).
und daß das präsidium des wiener gemeinderates trotz der selben 100 abgeordneten aus anderen personen besteht als das präsidium des wiener landtags, ist ja überhaupt absurd. da geht's nur darum, mehr leuten posten zu verschaffen.

Quim Barreiros
01
30.12.2011, 14:49

Nein, bitte nicht die Bezirke aufwerten. Die Bezirkspolitik beschränkt sich im wesentlichen nämlich auf Bürgerversammlungen, die sehr wenig bringen, und Verhinderung von Straßenbahnverlängerungen.

/. nerd
 
00
30.12.2011, 13:44
23 Gemeinden und etliche neue Verbünde sind gut, Bundesländer sind schlecht und unnötig

irgendwie nicht ganz nachvollziehbar, (sinnvoller) Zentralismus bei der Abschaffung der Bundesländer, dafür Schaffung eines Wirrwarrs an lokalen Behörden.

23 Gemeinden benötigen dann Wasser-, Kanal-, Müll-, Straßenbau-, etc., -verbünde.

Jeweils mit schön dotierten Vorstandsposten versehen, die an Rot (für die ehemaligen Flächenbezirke), Grün (für das sogenannte "Kipferl", möglicherweise 3x für "echt", "original" und "echt original" Grün, Blau (Simmering & Co), Schwarz (Alibi-Pöstchen für Opposition und Hietzing) vergeben werden.

Tolle Sache.

byron sully
00
30.12.2011, 13:46

sie werden kein posting von mir finden, in dem ich mich für die abschaffung der bundesländer ausgesprochen habe.
aber natürlich haben sie recht, das mit den 23 gemeinden wäre auch nicht die optimallösung.

Maximinian
13
29.12.2011, 15:20

Naja, was das für Österreich bedeuten würde ist ja noch einmal eine andere Frage. Aber in Bereichen wie Verkehr (vor allem öffentlicher Verkehr), Wohnbau und vielen anderen Infrastrukturfragen (zB. Spitläler) ist diese Trennung für Wien und Niederösterreich schlecht. Die Koordination funktioniert einfach nicht und das Eigeninteresse steht permanent im Mittelpunkt. Dann mischen da auch die Wiener Umlandgemeinden kräftig mit und wir haben die Situation, die wir eben haben.

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