Auch Fälle von Suizidgedanken - Österreichweit rund 310.000 Betroffene
Innsbruck - Rund 30.000 Arbeitnehmer sind alleine in Tirol Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz - Tendenz steigend. Man gehe von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus, erklärte der geschäftsführende Vorsitzende des ÖGB Tirol, Otto Leist. Österreichweit seien es rund 310.000 Betroffene. Während Mobbing früher innerhalb eines Betriebes "von oben nach unten" stattgefunden habe, sei es mittlerweile "auf allen Ebenen" zu finden, fügte er hinzu.
Nicht selten würde Mobbing auch zu Suizidgedanken führen. "Ich hatte im letzten Quartal zwei Fälle", berichtete ÖGB-Mobbingberaterin Sieglinde Auer. Betroffenen würde das Gefühl gegeben, einen "Auftrag" zu haben, sich aufzulösen. Dies könne mitunter als "Auftrag zum Suizid" empfunden werden. Von Mobbing Betroffene würden gekündigt oder durch lange Quälereien am Arbeitsplatz arbeitsunfähig. "Viele von ihnen werden dauerhaft krank, seelisch wie körperlich", erläuterte Auer.
Unterschied zu Konflikten
Von normalen Konflikten würde sich Mobbing dadurch unterscheiden, dass es gezielt und über einen längeren Zeitraum mit der Absicht "Ausgrenzen und Vertreiben vom Arbeitsplatz" betrieben werde, erläuterte die Expertin. Gründe dafür würden vor allem personenbezogene beziehungsweise zwischenmenschliche Ursachen wie ein autoritärer Führungsstil, Konkurrenzkampf, Neid der Kollegenschaft oder persönliche Antipathie sein. Die Verantwortung liege bei leitenden Führungspersönlichkeiten, die oft "nicht konfliktbereit" wären und denen es an der "persönlichen Reflexion" mangle. Zudem lasse die interne Kommunikation häufig zu wünschen übrig.
Auffällig sei, dass mindestens 80 Prozent der Beratungssuchenden schon sehr lange in den jeweiligen Betrieben arbeiten würden, erklärte die Psychotherapeutin. Mobbing sei in sämtlichen Berufsgruppen und soziale Schichten zu finden. Im kommenden Jahr will der ÖGB Tirol eine anonyme und kostenlose Mobbingberatungsoffensive starten. (APA)