Brandstiftungsserie in Wien geklärt: Tätertrio handelte aus Langeweile

29. Dezember 2011, 14:03
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Verdächtige stammen aus "tristen Verhältnissen"

Wien - Eine Serie von Brandstiftungen in den Wiener Bezirken Favoriten und Wieden ist zu Ende: Das Landeskriminalamt hat am 22. Dezember drei Männer festgenommen, die für insgesamt 63 Taten verantwortlich sein sollen. Die Verdächtigen sind laut Gerhard Winkler, Leiter der Außenstelle Süd, geständig - ein wirkliches Motiv konnten sie aber nicht nennen. "Es dürfte ein ganzes Motivbündel sein", sagte Winkler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Die Verdächtigen sind alle arbeitslos und dürften aus Langeweile und wegen schlechter Lebensumstände in tristen Verhältnissen gehandelt haben. Nur einer der Festgenommenen könnte auch eine pyromanische Neigung haben. Über das Trio wurde die U-Haft verhängt.

Die Serie nahm am 1. Oktober ihren Anfang. Die Männer begannen, vor allem Müllcontainer - aber auch Mopeds und Kleinmotorräder - in Brand zu stecken. In der Folge häuften sich die Delikte nicht nur, sie wurden auch gefährlicher. Im Dezember zündeten die Verdächtigen etwa neben einem Container im Mistkübelraum eines Hauses in Favoriten auch einen abgestellten Kinderwagen an. Durch die extrem starke Rauchentwicklung mussten die Bewohner von der Feuerwehr mit Drehleitern geborgen werden. Sechs Personen erlitten Rauchgasvergiftungen.

Frust aus mehreren Gründen

Bei den Taten kristallisierte sich bald ein Muster heraus: Die Brandstiftungen wurden stets zwischen 22.00 und 6.00 Uhr in der Nähe von Triester-, Favoriten- und Raxstraße begangen. Neben der Ermittlungsarbeit verstärkte die Polizei entsprechend die Streifentätigkeit. Am 22. Dezember wurden von der Exekutive die drei Männer unweit eines Tatortes angehalten. Auf einen der Verdächtigen hatte die Polizei durch ihre Recherchen bereits ein Auge geworfen. "Das letzte Zündhölzl hat uns aber gefehlt", sagte Winkler.

Im Zuge der Einvernahmen zeigten sich die Männer (zwei 19-Jährige und ein 42-Jähriger) geständig. Die jungen Erwachsenen waren mit dem 42-Jährigen befreundet und übernachteten aufgrund schwieriger Wohnsituationen öfters bei ihm.

"Schlechte Vorbildfunktion"

Einen richtigen Rädelsführer gab es bei dem Trio nicht. Der 42-Jährige dürfte aber "eine schlechte Vorbildfunktion gehabt haben", wie Franz Panzenböck, Leiter der ermittelnden Gruppe, sagte. Neben den Brandstiftungen könnten die Männer auch in großem Stil in Autos eingebrochen haben. Hier sind die Ermittlungen laut Polizei aber erst ganz am Anfang.

Dass gleich drei Personen an der Serie beteiligt waren, war für die Polizei überraschend. In der Regel sind Brandstifter Einzeltäter. (APA/red)

  • Eines der Mopeds, das das Trio angezündet haben soll.
    foto: polizei wien

    Eines der Mopeds, das das Trio angezündet haben soll.

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