2012 sieht Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), als sehr hartes Jahr für die gesamte Bankbranche
Wien - Der Chef der Raiffeisen Bank International (RBI),
Herbert Stepic, hat Äußerungen zu Verbleib oder Nicht-Verbleib in dem
einen oder anderen Land in Osteuropa relativiert.
Stepic hatte es bei der Quartalsberichtsvorstellung im November
als durchaus möglich bezeichnet, dass sich seine Bank aus dem einen
oder anderen Land in Zukunft zurück ziehen wird.
In einem ORF-Mittagjournal-Interview am Donnerstag sprach Stepic
von einer "klassischen Fehlinterpretation meiner Aussage während der
letzten Pressekonferenz". "Wir wollen", so Stepic heute, "auch
weiterhin global in Zentral/Osteuropa tätig sein und denken
eigentlich nicht aktiv daran, uns hier von einzelnen Banken zu
trennen". Freilich müsse jeder in seiner Geschäftspolitik flexibel
sein, meinte der RBI-Vorstandschef auf die Frage nach einer möglichen
Neustrukturierung im Ausland.
Trotz Ungarn "ansehnliches Ergebnis"
Abgesehen von Ungarn - wo nach hohen Wertberichtigungen eine
Rekapitalisierung nötig war - habe die RBI in der Region keine Federn
lassen müssen. In einer Zeit, wo viele andere Banken Verluste
schrieben und die Situation extrem angespannt sei, werde die RBI 2011
ein "durchaus ansehnliches Ergebnis heimbringen", prognostizierte
Stepic. Verluste in Ungarn - "ein Problemfall als Land und auch für
uns" - würden überkompensiert durch die Erträge in anderen Ländern.
Das zeige die Stärke dieser Organisation.
2012 sieht Stepic als sehr hartes Jahr für die gesamte
Bankbranche. "Schwierig, aber meisterbar". Für das zweite Halbjahr
2012 sei er nach einem vorherigen Wirtschaftsabschwung wieder
optimistisch. Alles hänge aber davon ab, wie rasch die europäische
Politik dem Markt glaubhaft beweise, dass Vereinbarungen hielten. Für
2013 sieht er durchaus wieder positive Wachstumaussichten. Im
abgelaufenen Jahr 2011 überraschte ihn am meisten der so harte und
stringente Eingriff der Aufsichtsbehörden. Die Aufseher hätten dabei
auch nicht die Gesamtwirtschaft im Blick gehabt. Er halte das für
gefährlich.
Kritik an voreiligen Eigenkapital-Vorschriften
Die neuen Kapitalvorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA -
bis Juni sind bei Großbanken neun Prozent hartes Kernkapital nötig -
schafften bei der RZB-Gruppe einen Kapitalbedarf von 2,1 Milliarden Euro,
den die Gruppe mit fast zwei Dutzend Einzelmaßnahmen stemmen will.
Das Tempo der EBA und der nationalen Aufseher hält Stepic für
überzogen und kontraproduktiv. Seine Gruppe habe eigentlich keinen
echten Kapitalbedarf, befand Stepic heute: Nach den derzeitigen
Bestimmungen sei man überkapitalisiert, habe damit auch mit Bravour
die letzte Krise gemeistert.
Die vielen Maßnahmen, die auf den Kreditapparat einprasselten,
führten dazu, dass das Bankgeschäft laufend teurer werde, so der
Raiffeisen-Banker. Die Krise zwinge die Institute aber auch, ihr
Kostenprofil deutlich zu verbessern, sodass nur ein Teil der
entstandenen Zusatzkosten beim Kunden landen werde. (APA)