Didier Defago gewinnt Abfahrt auf der "Stelvio" vor Teamkollegen Patrick Küng - Erster Schweizer Erfolg in Bormio - Kröll Dritter
Bormio - Seit 1997 ziert Österreichs Skifahrt bei jedem Abfahrtsrennen auf der Stelvio ob Bormio das Siegespodest. Zehn Siege wurden eingefahren, zuletzt gewann im Vorjahr der im Sommer zurückgetretene Michael Walchhofer, der neuerdings als Mentor die ÖSV-Abfahrer berät. Diese eindrucksvolle Serie beim traditionellen Abfahrtsklassiker hielt am Donnerstag Klaus Kröll aufrecht, der hinter den Schweizern Didier Defago und Patrick Küng den dritten Platz belegte.
Kröll war als Schnellster des Abschlusstrainings eigentlich auf Sieg eingestellt. Ein schwerer Fehler im Mittelteil, bei dem er einen Skistock aus der Hand verlor, machte den Plan des 31-jährigen Steirers aber zunichte. "Das Timing hat überhaupt nicht gepasst", wusste ein enttäuschter Kröll zu erzählen. "Es ist schön, wenn man trotz Fehlern vorn dabei ist. Aber ich will kein Platzfahrer mehr sein. Ich bin da, um Rennen zu gewinnen."
Das tat dann Olympiasieger Didier Defago (34). Der gelernte Technische Zeichner aus dem Kanton Wallis feierte seinen ersten Sieg seit seiner Gold-Fahrt am 15. Februar 2010 im kanadischen Whistler. Defago war um 0, 29 Sekunden schneller im Ziel als sein Landsmann Küng und feierte seinen vierten Weltcup-Erfolg. Dabei musste der Routinier wegen eines im September 2010 beim Training in Zermatt erlittenen Kreuzbandrisses im linken Knie die gesamte vergangene Saison pausieren.
"Ich habe mich Schritt für Schritt zurückgearbeitet", war der Schweizer hernach happy. "Ich danke dem medizinischen Team, den Trainern und meiner Familie. Solche Tage habe ich vermisst." Mit Hans Flatscher setzt Defago auch auf einen Salzburger als wichtigen Mann im Trainerteam. "Ich habe immer gewusst, dass ich in Bormio schnell fahren kann. Heute hatte ich einen guten Lauf ohne große Fehler."
Im Ziel fehlten Kröll 0,42 Sekunden auf den Sieger. Auch in Beaver Creek landete er auf Platz drei, womit er im Abfahrtsweltcup mit 165 Punkten erster Verfolger von Bode Miller (174) ist. Mit Hannes Reichelt, dem Dritten von Lake Louise, schaffte es ein weiterer ÖSV-Fahrer als Neunter unter die Top Ten. Romed Baumann landete auf Rang 16, und Mario Scheiber (22.) holte sich die ersten Abfahrtspunkte seit seinem vierten Platz im Vorjahr in Kitzbühel. "Das Gefühl war nicht so schlecht, aber es war zu schön und zu brav", sagte Scheiber.
Für die Herren geht es nach dem abgesagten Parallel-Bewerb am Neujahrstag in München am 5. Jänner mit dem Slalom in Zagreb weiter. Die nächste Abfahrt steht am 14. Jänner in Wengen auf dem Programm. Eine Woche später folgt Kitzbühel. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. Dezember 2011, krud)
Ergebnis Abfahrt in Bormio