WKÖ-Generalsekretärin Hochhauser: Frühere Pension bringt Nachteile - Angleichung soll 2024 abgeschlossen sein
Die ÖVP drängt darauf, das Pensionsantrittsalter der Frauen jenem der Männer früher anzugleichen als geplant. Frauen dürfen in Österreich mit 60 in Pension gehen, Männer mit 65. Ab 2024 hätte die schrittweise Anpassung erfolgen sollen. Zuletzt forderte ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger jedoch, bereits 2016 damit zu beginnen. Einen Schritt weiter geht nun Wirtschaftskammer-Generalsekretärin Anna-Maria Hochhauser. Ihrer Ansicht nach soll die Anhebung schon in zwei Jahren, also 2014 beginnen.
Finanzielle Nachteile
Im Ö1-Mittagsjournal sagt Hochhauser, die Angleichung des Pensionsalters sei nicht nur im Interesse des Staatshaushalts, sondern auch in dem der Frauen. Denn früher in Pension zu gehen, bringe finanzielle Nachteile: Das
Lebenseinkommen sei geringer und auch die Pension für die Frauen. Daher
sollte die Angleichung des Pensionsantrittsalter um zehn Jahre früher
beginnen als geplant, nämlich ab 2014, und bis 2024 bereits
abgeschlossen sein.
Der Entschluss, das Pensionsantrittsalter ab 2024 anzuheben, wurde 1992 gefasst. In den Augen Hochhausers habe sich seither aber vieles geändert. Damals habe es andere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf gegeben. Auch die Lebenserwartung sei heute eine andere. "Keine Sorgen" macht sich Hochhauser über Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Es kämen in den
nächsten Jahren weniger junge Leute auf den Arbeitsmarkt, zudem klage
die Wirtschaft ständig über Facharbeitermangel.
ÖGB: Vorschlag "absurd"
Die Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB, Brigitte Ruprecht, bezeichnete Hochhausers Vorstoss als "absurd". "
Frauen sollten zuerst darauf vertrauen können, dass sie genauso viel
verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Dafür müssen die Betriebe
ihrer Pflicht zur Einkommenstransparenz nachkommen, Frauen echte
Karrierechancen einräumen und mehr Vollzeitarbeitsplätze für Frauen
schaffen", so Hochhauser in einer Aussendung.
Martina Schenk, Frauensprecherin des BZÖ begrüßte in einer Aussendung Hochhausers Forderung. Schenk forderte ebenfalls eine raschere Angleichung des Pensionsantrittsalters, die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sollten den Vorstoss zum Anlass für Verhandlungen nehmen. "Es
müssen aber die Kindererziehungszeiten sowie die Pflegezeiten
dementsprechend berechnet werden und die Rahmenbedingungen für die
Frauen auch am Arbeitsplatz passen", so Schenk. (red, derStandard.at, 29.12.2011)