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"Habemus Papam"

"Nader und Simin - Eine Trennung"

"Source Code"
Ekkehard Knörer
Georg Stanitzek: Essay - BRD
Eine Geschichte des Essays in Nachkriegsdeutsch(sprach)land, die mit Michael Rutschky und der Popliteratur gegen das Staatstragende argumentiert, mit Elfriede Jelinek für die Lust an der Sprache und die auch große Autorinnen und Autoren zum Film wie Frieda Grafe und Uwe Nettelbeck nicht vergisst.
Georg Stanitzek: Essay - BRD. Vorwerk 8. 2011.
Nanni Moretti: Habemus Papam
Gerade noch rechtzeitig vor Jahresschluss zu Gesicht bekommen: Ein Physiognomienfilm, der aber nicht ins Asketisch-Strenge (Pasolini), sondern ins Rundlich-Allzumenschliche tendiert. Ein ins Komische schweifender Absage- und Verzichtfilm mit Plädoyer fürs Erbarmen für den Papst, der keiner sein kann. Ein Backstagefilm, der mit Volleyball und Kardinalstänzen durch den Vatikan marodiert. Und natürlich: Großes Solo für Michel Piccoli.
Benoît Jacquot: Deep in the Woods - Verschleppt und geschändet
Die DVD-Edition des Films, der von einem historischen Rechtsfall rund um Entführung und Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen beinahe Wilden erzählt, ist in Aufmachung und Titel, die Sex-Exploitation versprechen, ein Witz. Und als solcher ein Symptom: Die zwischen Prätention und Rohheit quer schlagenden Filme von Benoît Jacquot haben keinen Ort mehr in den aktuellen Festival- und Verleih- und ästhetischen Kategoriensystemen. Dabei sind sie hochgezüchtet, wild, eigensinnig, riskant und haben dank Komponist Bruno Coulais auch die tollsten Verhältnisse von Musik und Bild überhaupt.
* * *
Bert Rebhandl
Der Körper (Mircea Cartarescu)
Über den Mittelteil der Trilogie des rumänischen Schriftstellers habe ich für den Standard eine ausführliche Besprechung geschrieben, und unvergesslich bleibt mir ein Besuch bei Cartarescu in Bukarest vor zwei Jahren - ich lese ihn nicht nur als großen Modernen der Literatur, sondern auch als Begleittext zu den beständig großartigen neueren rumänischen Filmen wie "Politist, adjectiv" von Corneliu Porumboiu oder "Aurora" von Cristi Puiu.
Nader und Simin - Eine Trennung (Asghar Farhadi)
In einem Jahr mit vielen guten Film war dieser für mich der kompletteste, gerade in seiner vornehmlichen Beschränkung: Eine Familien- und Haushaltgeschichte in Teheran, die sich zu einem impliziten Gesellschaftspanorama öffnet, und aus der einmal mehr zu lernen ist, wie sich Entscheidendes aus Vorläufigem ergibt. "Papa, du hast gesagt, der Streit mit Mama wäre nichts Ernstes." - "Es ist ernst geworden."
Yusuf-Trilogie (Trigon Film)
Die drei Filme "Yumurta" (Ei, 2007), "Süt" (Milch, 2008) und "Bal" (Honig, 2010) des türkischen Regisseurs Semih Kaplanoglu vollziehen eine mehrfach verschränkte Bewegung von der Stadt (Istanbul) zurück aufs Land (bis in die Nordosttürkei), von der Illusionslosigkeit des Erwachsenen zum Staunen des Kindes, von der urbanen Existenz einer poetischen Subjektivität im Präsens zurück zu einer Geschichte der langen Dauer in einer agrarischen Subsistenzgesellschaft. Ein intimes Nationalepos, in dem ich eine Geschichte der Modernisierung insgesamt erkennen kann, übertragbar auf andere Länder, nicht zuletzt das Österreich, aus dem ich komme.
* * *
Simon Rothöhler
Joseph Vogl: Das Gespenst des Kapitals / Robert Harris: Angst
Zwei Ökonomiebücher, zwei Geistererzählungen, die als Diskursgeschichte und im Thriller-Modus Fiktionen des Kapitalismus nachspüren. Joseph Vogl legte dann in seiner "minima oeconomica"-Reihe bei diaphanes noch höchst lesenwerte Schriften nach (sehr zu empfehlen: "Verbranntes Geld" von Christian Marazzi). Und Robert Harris hat Kubricks Hal aus "2001" auf die Höhe unserer Zeit gebracht: ein Auge, das alles sieht, ein Computer, der die Angst des Menschen kalkulierbar macht. Das rechnet sich, ist zum Fürchten und wird sicher bald verfilmt.
Duncan Jones: Source Code
Ein Melodram, das sich als Science Fiction tarnt, ein sehr schöner Film, in dem Tote mit Toten sprechen, um (noch) Lebende zu retten. Wie bei Ophüls, nur anders: Letters from unknown victims.
Louie (Season Two)
Schon die erste Staffel deutete Großes an, die zweite belegt nun endgültig, dass sich das Comedy-Format in den Händen von Louis C.K. seiner selbst nicht mehr sicher sein. Schonungslose Sexwitze kollidieren mit Fragmenten einer Sprache der Liebe, die ins Mark treffen. Der beste alleinerziehende Vater der amerikanischen Fernsehgeschichte ist er sowieso.
CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.
CARGO ist eine in Berlin erscheinende Vierteljahreszeitschrift und ein Onlinemagazin zu den Themen Film, Medien und Kultur. derStandard.at/Kultur präsentiert in unregelmäßiger Folge Beiträge von CARGO.
Tipps von Ekkehard Knörer, Bert Rebhandl und Simon Rothöhler
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