ÖSV-Läuferin gewinnt in Lienz auch den vierten Saisonslalom - Sensationell: 16-jährige Shiffrin auf Rang drei
Ist Marlies Schild unschlagbar? "Nein, es können immer wieder Fehler passieren", meinte ÖSV-Trainer Herbert Mandl vor dem zweiten Durchgang des Weltcup-Torlaufs in Lienz - was eine Schlagbarkeit ohne Fehler ja implizit doch ausschloß. Der in der Steiermark geborene Damenslalom-Superstar führte zu diesem Zeitpunkt nämlich schon wieder mit über einer halben Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz. "Unschlagbar", nannte die Zwischen- und Endzweite Slowenin Tina Maze das. Also doch!
Sie sollte recht behalten, denn der von Mandl in den Raum gestellte mögliche Fehler blieb aus. Schild fuhr im zweiten Durchgang souverän mit dritter Laufzeit zu ihrem vierten Saisonsieg - der 31. im Slalom insgesamt, der 12. in den letzten 15 Rennen. Sie nahm der selbst stark auftretenden Maze alles zusammen 72 Hundertstel ab, hielt sich dabei im Schlusshang wohl noch Reserven in der Hinterhand. "Man gewöhnt sich nie daran. Es wird immer schwieriger", sprach die 30-jährige Schild ins ORF-Mikro.
Maze nahm es wie immer sportlich und freute sich über ihre anhaltende Slalomstärke. Sie wird in Zagreb (3.1.) wieder versuchen, sich an der Unschlagbaren vorbei zu drängeln. Und sei es nur, um vor besagtem Mikrophon den überaus bedeutsamen Fragen nach Schilds Überlegenheit zu entgehen.
Sensationelle Shiffrin
Auf wen man in Zukunft achten müssen wird, zeigte die hochtalentierte US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin. Nach Platz 12 zur Halbzeit fuhr die mit Nummer 40 gestartete 16-Jährige die beste zweite Laufzeit. Das reichte für den sensationellen dritten Platz. Sie blieb damit auch knapp vor der zweitbesten Österreicherin. Die heißt Kathrin Zettel und muss sich für Rang fünf sicher nicht genieren.
Shiffrin hatte bereits als Achte in Aspen auf sich aufmerksam
gemacht. "Ich habe mir
das Video angesehen. Sie fährt sehr gut Ski, sehr mittig,
ein bisschen was sehe ich auch von mir, von meiner Technik", lobte Schild. Und Shiffrin meinte darauf angesprochen: "Ja, das ist wahr.
Ich habe sie viele Male studiert, ich versuche, das nachzumachen, es
ist ein großes Kompliment, dass sie das sagt. Sie fährt perfekt."
Sechs Österreicherinnen im Klassement
Für den vom französischen Techniktrainer des Schweizer Teams recht fintenreich gesteckten Finallauf hatten sich neben Schild und Zettel mit Nicole Hosp, Michaela Kirchgasser, Bernadette Schild und Jessica Depauli vier weitere ÖSV-Damen qualifiziert. Sieg und Stockerl blieben für sie aber außer Reichweite. Kirchgasser konnte sich nach verschlafenem ersten Durchgang (14.) noch
auf Rang neun verbessern. Bernadette Schild (17. im ersten Durchgang) erreichte Platz 21. Depauli sammelte als 28. immerhin ihre ersten Punkte im Slalom. Nach einer ansprechenden Leistung im ersten
Durchgang musste hingegen Hosp weiter auf ein gutes Endergebnis
warten. Sie stürzte fehlerreich von Rang zehn auf 26 ab.
Sie wurde dabei von Lindsey Vonn imitiert (von sechs auf 18). Weltcup-Konkurrentin Maria Höfl-Riesch stand mit Platz neun am Ende deutlich besser da, hatte aber auch keinen optimalen zweiten Durchgang zu verzeichnen. Im Gesamtweltcup liegt Vonn (612) nach elf absolvierten Rennen nun vor Schild (440) und RTL-Siegerin Anna Fenninger (368). Höfl-Riesch hält 326 Punkte und Platz fünf.
Schleper verabschiedet sich mit Kleid und Kind
Die mit Nummer 60 gestartete Norwegerin Lotte Sejersted, die im zweiten Durchgang die letzten Tore nach bis dahin starker Fahrt hochartistisch durchrodelte, lieferte nicht die einzige kuriose Attraktion des Tages. Denn die im zweiten Durchgang fehlende US-Amerikanerin Sarah Schleper legte am Vormittag die Latte für Auffälligkeiten schon sehr hoch. Mit 32 Jahren beendete sie ihre Karriere, fuhr ihr letztes Rennen in (wirklich) kurzem Kleid und mit dem Sohn auf dem Arm. "Es ist Zeit aufzuhören, ich werde nicht mehr schneller", erklärte die einzige Mutter des Weltcupzirkus ihre Entscheidung. (tsc, derStandard.at, 29.12.2011)
Ergebnis Slalom Lienz
Impressionen aus Lienz