Partizipation

Stärken Plebiszite die Demokratie?

Kommentar der anderen | 28. Dezember 2011, 19:16

Oder führen sie nur dorthin, wo Strache und Co diese gerne hätten? Und ist diese Art von "Volksnähe" wirklich das geeignete Rezept zur Bewältigung der Krise? - Unpopuläre Gedanken über einen prekären Zusammenhang

Sie gehört zu den mittlerweile unentbehrlich gewordenen Requisiten des inländischen Diskurses: die direkte Demokratie, die auf eigenartige Weise das Liebkind zweier sehr unterschiedlicher Oppositionsparteien ist, der Rechtspopulisten und der populistisch agierenden Grünen. So möchte insbesondere die FPÖ, wenn sie der Schuldenbremse zustimmen soll, dies im nur im Tausch mit der Stärkung einer plebiszitären Demokratie tun.

Auf den ersten Blick wirkt die Idee von einer stärkeren Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern bestechend, ja sogar unwiderleglich. Sie verspricht den Abbau autoritärer Strukturen, kommunikative Prozesse und politische Transparenz, Gegengewichte zur Macht des Ökonomischen und zur Arroganz der Mächtigen. Gegen solche Formen von Partizipation lässt sich per se nichts einwenden.

Heute sind solche Forderungen indes zunehmend auch Ausdruck eines inzwischen tief sitzenden Misstrauens gegen die Politik und einer Ohnmacht, die durch die gegenwärtige finanzökonomische Krise rapide verschärft wird. Die Nobilitierung des "Wutbürgers" hat maßgeblich damit zu tun. Abgesehen von der fragwürdigen Lobpreisung der Wut als eines "authentischen" Gefühls, mündet sie in eine sehr schlichte, von den Medien verstärkte Gegenüberstellung von gutem Bürger und böser Politik. Wenn nur die Bürger und Bürgerinnen entscheiden könnten, dann würde alles gut. Nun sind die meisten Menschen hierzulande wie auch anderswo nicht an den Finanzmanipulationen schuld; aber die Verschuldung von Staats- und von vielen Privathaushalten hat ursächlich mit dieser Krise zu tun.

Mindestens in seiner zugespitzten Version verrät das plebiszitäre Konzept ein Unverständnis der westlichen Demokratien. Deren Qualität und Stabilität verdanken sich nämlich nicht zuletzt einer ausgewogenen Machtbalance zwischen Regierung, Gesetzgebung und Judikative, der räumlichen und zeitlichen Beschränkung von Macht, einem Menschenrechtskanon sowie - ganz wichtig - klaren Verantwortlichkeiten. Wir wählen Parteien und Personen, die Verantwortung zu übernehmen haben.

An einem ganz entscheidenden Punkt stehen sich direkte und repräsentative Demokratie feindlich gegenüber: Radikal zu Ende gedacht, ob in Form des imperativen Mandats oder als Dauerbefragungsmaschinerie, unterminiert die Idee der direkten Demokratie das Prinzip Verantwortung und damit die Macht von Regierung und Parlament. Wenn also die Strache-Partei sich zum Sprecher einer plebiszitären Demokratie macht, dann aus gutem machtpolitischem Instinkt, weil sie sich davon - an Parlament und Regierung vorbei - einen Zuwachs von Macht verspricht, den sie auf dem Weg von Wahlen niemals lukrieren wird.

Historische Beispiele für die Perversion der direkten Demokratie gibt es einige, ein vergleichsweise harmloses wie jene Volksabstimmung, die das sozialdemokratische Wien seinerzeit über eine gemeinsame Weltausstellung Wien-Budapest im Gefolge der Wende in Zentraleuropa durchführen ließ. Was ihr fehlte, war der Mut zur eigenen Überzeugung, dass ein solches Projekt politisch, ökonomisch und kulturell sinnvoll war. Anstatt die Ängste der Bürger ernst zu nehmen und auf sie einzugehen, delegierte sie die Verantwortung an die Wähler.

Wesentlich weniger harmlos ist, wie die antidemokratische Rechte zum Zeitpunkt der Wirtschaftskrise 1929 die Weimarer Republik in die Knie gezwungen hat, nämlich durch einen plebiszitären Dauermechanismus, der sich damals gegen die Ermäßigung von Reparationszahlungen richtete, was Hitler und den Seinen natürlich viel zu wenig war.

Was an diesem Beispiel erschreckt, ist, dass diese Kampagnen die NSDAP 1930 schlagartig zur zweitstärksten Partei machte, - was ohne beträchtliche massenmediale Verstärkung unmöglich gewesen wäre. Das führt zum entscheidenden Punkt: Die Volksbefragungsdemokratie stärkt nicht die ohnehin überforderte Wählerschaft, sondern potenziell die weithin unkontrollierte und unverantwortliche Macht von Massenmedien. Unter ungünstigen Umständen bedeutet die direkte Demokratie den direkten Weg in eine autoritäre Gesellschaft.

Die Qualität einer demokratischen Gesellschaft bemisst sich nicht nach der Anzahl von Plebisziten und Umfragen. Demokratie ist keine permanente Abstimmungsmaschinerie. Partizipation lässt sich dort praktizieren, wo die Bürgerschaft selbst einen Teil der Verantwortung übernehmen kann und will, etwa im überschaubaren Bereich eines Bezirks oder einer Gemeinde.

Wenn wir wütend sind über die Inkompetenz und die Ignoranz der regierenden Parteien, sollten wir das als Wähler kundtun. Aus der Verantwortung sollten wir sie aber nicht entlassen, weil sonst kleine oder große Demagogen an die Macht kommen, die ihrem Wesen nach verantwortungslos sind. Ob die Einführung obligatorischer Plebiszite zur Überwindung der gegenwärtigen Krise beitragen würde, möchte ich daher bestreiten. (Wolfgang Müller-Funk, DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2011)

WOLFGANG MÜLLER-FUNK, Kulturphilosoph und Essayist, lehrt am Institut für Europäische und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Wien.

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princeps legibus solutus
10
das ganze hätte man in einem satz fassen können:

princeps legibus solutus
10

sie halten die bürger einfach für zu dumm

Schionatulander
01

Die Hypothese, dass hier viele viele Menschen dumm, egoistisch oder un-/desinformiert sind, würde ich mal für nicht sonderlich gewagt befinden.
Aber das gilt natürlich auch in ähnlichem Ausmaß für die Bewohner des Nationalrates. :)

Franz-Josef Wittgenstein
03
Zwei Einwände gegen diesen Artikel

1) Würden Plebiszite, wie hier beschrieben, zwangsläufig zum autoritären Staat führen, wäre dies in der Schweiz längst realisiert.
2) Was genau versteht Herr Müller-Funk unter dem Prinzip Verantwortung? Ist es jenes schwache Prinzip, das verursacht, dass ein schlechter, u.U. verantwortungsloser Politiker bzw. Partei für eine Legislaturperiode Wählerstimmen verliert die in der Darauffolgenden durch Versagen der gegnerischen Partei wiedererlangt werden? Der Verlust eines solchen Prinzips scheint mir nicht sehr schwerwiegend zu sein.

jopc
 
01
29.12.2011, 22:33
ich hätte einen vorschlag der noch nie zur debatte kam

man einigt sich im parlament auf einen zweiervorschlag und befragt hinterher das volk ob dieser oder jener gesetzeskraft erlangen soll.
das ist natürlich nicht bei jedem gesetz machbar, man müsste einen modus finden der das system nicht inflationär werden läßt.

so etwas würde mir die gewißheit geben von schwachsinnigen volksabstimmungen, a la 'wollt ihr 10 000 EUR oder wollt ihr steuern zahlen, verschont zu bleiben.

wenn unsere politriege auch eine korrrupte käufliche masse zu sein scheint, eine gewisse grundvernünftigkeit billige ich ihnen zu.

frank franki
01
30.12.2011, 13:11

Die Sicherheit kann ich Ihnen auch geben.
Solche Schwachsinnigkeiten existieren nur in Ihrer Phantasie. In der Realität würde so etwas nicht einmal ansatzweise das Volksbegehren als erste Hürde überstehen.

Als zusätzliches Intstrument ist Ihr Vorschlag durchaus nicht uninteressant. Nur wird er selten zur Anwendung kommen. Denn bevor Politiker freiwillig die Entscheidung aus der Hand geben, suchen sie lieber den schlechtestmöglichen Kompromiss.
Man darf nicht vergessen, dass auch heute schon Volksabstimmungen über Gesetzesbeschlüsse vom NR initiert werden könnten.

Nein, Abstimmungen müssen von vornherein verpflichtend oder erzwingbar sein, sonst sind sie sinnlos.

JosyH1
03
29.12.2011, 18:44
Politiker sind bzgl. ihren moralischen Regeln in einem Interessenskonflikt aus dem sie NUR direkte Demokratie befreien kann!!

Insbesondere Transparenzgesetze und Antilobbying sind mehrheitsfähig bei der Bevölkerung aber nicht bei deren Repräsentanten. Da es also Interessenskonflikte zwischen diesen beiden Gruppen gibt - die eigentliche Macht aber immer vom Volk ausgehen soll - muß die Möglichkeit geschaffen werden an den Repräsentanten vorbei Gesetze zu beschließen die für diese bindend sind.

Derzeit beschließen die ihre eigenen Gehälter und Regeln was anständig sein soll oder nicht - und tun dies mangelhaft wie wir wissen- die Schweiz und der Hausverstand zeigen die Lösung dafür

Floe
11
29.12.2011, 19:27

Naja, die Schweiz hat schon jahrzehntelange Erfahrung mit Plebisziten, das ist schwer 1:1 auf Österreich umzulegen.

In Österreich täte ich mir mit Plebisziten leicht, würden zu 100% mündige, reflexive, an Politik interessierte und konstruktiv kritische Menschen abstimmen. Wenn ein Wettbewerb der Argumente geführt wird ohne Untergriffe und entrische Berichterstattung wird jeder Demokrat oder Demokratin das Ergebnis akzeptieren, auch wenns von der eigenen Meinung abweicht.

Aber wenn über bestimmte Themen mit dem Hintergrundwissen aus Kronenzeitung, Saturday night fever, Ö3, Chilli....,gewürzt mit einer Prise latenten EU- und Ausländerhass, abgestimmt werden, dann gute Nacht..

Zukunftsoptimist1
00
17.2.2012, 19:47
Die wenigen Plebiszite,

die Österreich in der Zeit ab 1945 erlebt hat, haben das Land weder in Chaos, noch in die Diktatur gestürzt. Contra factum non valet argumentum, lieber Herr Müller-Funk! Vielleicht gibt Ihnen das bei Ihrem Denken im Elfenbeinturm ein wenig Stütze. Und an die 100 Wiener Bürgerinitiativen geben beredtes Zeugnis dafür, dass sie alles andere tun, als Rechtsextremisten die Mauer zu machen. Bevor man solche Unterstellungen auch nur andeutet, sollte man sich über die, über die man urteilt, einmal nur ein ganz klein wenig informieren. www.aktion21.at könnte dabei helfen. Freilich: Maulkorb für Kritik an den gewählten Repräsentanten wird man dort keinen finden.

Chien de Pique
00
Aber Liechtenstein zB hat fast direkt aus einer (sehr schwach ausgeprägten) konstitutionellen Monarchie heraus damit angefangen, also genau dort, wo auch wir nach dem I. WK standen.

Und wir haben inzwischen bald 100 Jahre Volkssouveränität und bald sieben Jahrzehnte ungebrochene Demokratieerfahrung...
Man kann auch mit seinen Aufgaben und Verantwortungen wachsen - und 100% mündig, reflexiv und konstruktiv kritisch sind weder die SchweizerInnen noch die Leute, die im Nationalrat abstimmen (ja, ich bezweifle, ob die da weit über dem Schnitt liegen; am ehesten noch bei den Grünen. An Politik interessiert werden sie aber hoffentlich wenigstens sein, wie freilich auch jedeR, der/die sich Zeit für Unterschriften und Abstimmungen nimmt). Und auf M. Muster- kann die Krone wohl kaum noch mehr Einfluss haben als auf W. Faymann.

JosyH1
02
29.12.2011, 20:09
Die Schweiz hat genauso ihren Boulvard und auch die Angstwähler usw.

In Summe sind die Wähler aber bis auf wenige Ausnahmen schlauer als ihnen dies ihre Repräsentanten zutrauen würden.

Man muß einfach anfangen damit - dann nehmen manche die neue Verantwortung wahr und die anderen gehen meist nicht zur Wahl - auch das kann man in der Schweiz beobachten.

Nur selten schaffen es Angstthemen via Boulvardmedien gegen die Vernunft der Massen durchzukommen. Das kommt also vor - doch ist es nicht die Regel wie bei uns wo die Repräsentanten solche Gesetzte aus Feigheit vor der Kronenzeitung meist eh im vorauseilenden Gehorsam beschließen.

Zur Erinnnerung - nac hder SCweizer Minaretabstimmung hat Pröll verkündet dass es mit IHM ganz sicher auch keine Minarette in NÖ geben wird. Also haben wir nur die Nachteile :-(

Floe
11
29.12.2011, 20:27

Stimmt. In der Schweiz sind sie weder doofer noch intelligenter als in Österreich. Und die Kombination Blick und Blocher läßt einem genauso einen kalten Schauer über den Rücken rinnen. Vielleicht bringt eine Ausweitung der plebiszitären Demokratie wirklich eine von vielen gefordete stärkere Politisierung der Bürger und Bürgerinnen. Und ja, herausfinden werdens wir wirklich nur, wenn die Politik ernsthafte Abstimmungen beschließt.

Stradivari
03
29.12.2011, 19:47
Dumm sind die Strukturen und Mechanismen der Parteienherrschaft, nicht aber die Österreicherinnen und Österreicher

All das, was Sie den Österreicherinnen und Österreichern vorwerfen, stellt - genau betrachtet - einen Spiegel für die Auseinandersetzungen dar, die die Parteien untereinander führen.

Traurig ist, dass bei vielen Menschen jegliches Vorstellungsvermögen fehlt, dass Auseinandersetzungen auch anders ablaufen können.

Machen wir ein einfaches Experiment:

Alle Parlamentsparteien müssen sich (bei sonstigem Verfall ihrer Parteienförderung) aus der öffentlichen Auseinandersetzung raushalten.

Es wird überraschen, wie zivilisiert, abwägend und intelligent öffentliche Debatten auch in Österreich ablaufen können, SOFERN wir den Parlamentsparteien nicht länger erlauben, den Diskurs durch ihre rabulistische Macht-Rhetorik zu zerstören.

Floe
00
29.12.2011, 20:06

Da haben Sie sicher recht. Allerdings würde Ihre Argumentation auf eine Auflösung des gängigen politischen Systems hinauslaufen und ja ich gebe zu, hier fehlt mir das Vorstellungsvermögen, ob sich das positiv auswirken oder in ein Disaster führen würde.

Postdemokratie ist sicher keine Lösung für die Zukunft und ob die Pluralismustheorie irgendwo funktioniert,weiß ich nicht

Stradivari
05
29.12.2011, 21:08
Direkte Demokratie will Indirekte Demokratie ergänzen, nicht ersetzen

Erst Direkte Demokratie macht Indirekte (sogenannte "repräsentative") Demokratie repräsentativ.

Es soll im Rahmen eines direkt-demokratischen Prozesses ausführliche Interaktion und Dialog zwischen der Initiative und dem Parlament geben. Auch soll das Parlament einen Gegenvorschlag machen können, über den dann gemeinsam mit dem Vorschlag der Initiative abgestimmt wird.

Müller-Funk glaubt zu Direkter Demokratie zu Ende denken zu müssen, was niemand fordert.

Gleichzeitig übersieht Müller-Funk aber, wie sehr er die Realität der bestehenden Indirekten Demokratie ausblendet:

"Demokratie" ist auf eine Legitimitätsbeschaffungs-Maschine von Parteizentralen reduziert, die sich willig von "den Märkten" und von Rating-Agenturen fernsteuern lassen

Interessierte1
00
29.12.2011, 17:50
...Super danke für die Antwort,

die ich heute an einer andere Stelle erfragt habe...

ABER: Einschränkung von RÄUMLICHER Machteinschränkung dürfte wohl nicht ernst gemeint sein. Das könnte vielleicht in Ländern mit unterschiedlichen Volksgruppen in örtlichen Bereichen, die halt noch nicht so sozialisiert sind, seine Berechtigung haben...aber sonst woanders nicht...oder wollen Sie da eine schützende Hand über möglichst viele zu vergebende Jobs halten?

Marcus Maccabaeus
02
29.12.2011, 17:46
Demokratie westlicher Prägung bedeutet:

Jene die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden und Jene die entscheiden, kann man nicht wählen.
Unsere Damen und Herren Volksverräter nicken nur ab, was anderswo entschieden wurde.
Nicht bös sein Hr. Kulturphilosoph, von dieser Art "Demokratie" haben wir die Schnauze voll!

pauline
02
29.12.2011, 17:27

"Ausdruck eines inzwischen tief sitzenden Misstrauens gegen die Politik".
Mein Misstrauen richtet sich nicht gegen "die Politik" oder unser demokratisches System, sondern gegen das derzeitige politische Personal, das sich durch Mangel an Anstand, beharrliche Arbeitsverweigerung und Unverschämtheit (Kritik an pelinkaesken Postenschiebereien wird "demokratieverachtend" genannt, um nur das jüngste Beispiel anzuführen) auszeichnet. Ich bin skeptisch, dass man _dieser_ Krise durch (mehr) direkte Demokratie beikommen kann. Zumal Herr Kopf jetzt dieses Thema an sich gezogen hat, um endlich wieder mit der FP schmusen zu können.

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
00
29.12.2011, 19:38
Faulheit als Korrekturfaktor

Von der Politiker zur Wählerbeschimpfung!
Direkte Demokratie kann auch dazu führen dass die Maulhelden vom Wirtshaustisch weniger mitbestimmen können, weil sie es hassen dauernd einen Parkplatz vor dem Wahllokal zu suchen...

jacques05
01
29.12.2011, 17:19
thema völlig verfehlt...

es beginnt schon damit, dass unsere urverfassung von den großparteien gebrochen wurde.
in der kelsen verfassung war eindeutig festgelegt, dass diese ausschließlich durch das volk geändert werden kann.
das wurde durch taschenspielertricks von övp und spö ausgehebelt.
von da an können sie tun, was die wirtschaft will, am volk vorbei.
und wer trägt schuld, wenn bei abstimmungen rechtsradikales gedankengut, nie eingestanden, geschweige denn verarbeitet zum ausdruck kommt?
wer ist schuld, dass ein nicht kleiner teil der öer partielle analfabeten sind?
wer züchtet denn vertrottelte konsumdeppen?
im grunde gehts doch nur darum, dass bei verpflichtenden referenden die wirtschaftsverbrecher
die macht verlieren und nur darum.

Der Artikel gefällt mir
02
29.12.2011, 16:54
Wieso wird jeder als ''Wutbürger'' - sowohl der informierte Protest als auch der Mob - in denselben Topf geworfen?

Der namensgebende ''Wutbürger'' bei Stuttgart 21 konnten in Interviews, soweit ich das verfolgt habe, Sachargumente angeben, warum er/sie gegen den Bahnhofsneubau war. Die Argumente mögen vielleicht falsch sein, aber es ist doch ein Unterschied zu Äußerungen, die hauptsächlich aus den Gedärmen zu kommen scheinen.

Solche Unterschiede wahrzunehmen und beschreiben zu können macht meiner Meinung nach auch die Qualität einer Zeitung aus.

Igor Gassner
02
29.12.2011, 16:23
Die Formulierung oben sagt alles aus

Die heutigen Intellektuellen verstehen die Welt nicht mehr.

Erstens die Demokratie ist genau so erfunden worden als permanente Abstimmungsmaschine siehe Geschichte Athens.

Zweitens nicht die das Plebiszit war 1930 das Problem sondern die Reperationen die der Waimarer Republik das genick brachen, Hitler gegenüber war dann der Westen zugänglich, das buhlen um Hitler das er ja nur die Repreationen bezahle und die positiven Artikel mit der die Wallstreet und die Bank of England ihm in den... sind heute leider vergessen.

Stradivari
04
29.12.2011, 15:54
Anstelle der von Müller-Funk behaupteten "ausgewogenen Machtbalance zwischen Regierung, Gesetzgebung und Judikative" existiert in Österreich vielmehr eine Gewaltenverschmelzung. Dieses Argument geht daher völlig ins Leere

Eine Unabhängigkeit des Parlaments gegenüber der Regierung wird nicht einmal anscheinshalber gewahrt. Regierungsvorlagen werden von der Parlamentsmehrheit anstandslos "durchgewunken".

Auch die Unabhängigkeit der Justiz von den anderen Gewalten bzw. von den Parteien existiert nur in der Theorie, nicht aber in der Realität.

Es besteht daher in Österreich ein massives Versagen der Verpflichtung zur Gewaltentrennung. Die machthabenden Parteien treiben diese Gewaltenverschmelzung voran und bemühen sich nicht einmal, diesen Zustand zu bereinigen.

Gerade angesichts dieses grundsätzlichen Versagens einer wechselseitigen Kontrolle ist es erforderlich, dass die Bevölkerung, der Souverän als Gegenmacht durch Volksabstimmungen eingreifen kann.

Interessierte1
00
29.12.2011, 17:45
...gut geschrieben bis auf den

letzten Satz...

Machen Sie eine Umfrage und erfragen die Gewaltenteilung, eines der wichtigsten Charakter einer Demokratie neben den Menschenrechten...

Ich schwöre Ihnen, Sie kriegen 90 % negative Antworten und die 10 %, die die Gewaltenteilung kennen, kennen sie vom Sagen UND können keine Urteile fällen wie SIE von wegen Gewaltenverschmelzung....

Ich war zB in OÖ ganz überrascht, dass der LH als Regierungsmitglied, den Landtag als Leibeigene hält - ganz OFFEN, keine Zeitung berichtet darüber, weil die MA dort das auch nicht erkennen...ich rede und schreibe mir den fuselig und heute hat eine Redakteurin das Thema aufgenommen...

ABER: Unrechtsbewusstsein gibt es keines mehr...hinsichtlich Justiz weiß ich zuwenig Bescheid..

Stradivari
04
29.12.2011, 19:30
zu meinem obigen letzten Satz: Entscheidend an Direkter Demokratie ist das Prozessdesign

In manchen Kreisen befindet sich die Diskussion noch immer auf der Stufe der Frage "Direkte Demokratie: ja oder nein?".

Wer sich intensiver mit dieser Thematik beschäftigt hat, erkennt jedoch bald, dass sich Vorwürfe gegenüber Direkter Demokratie

1. gleichermassen auch für Indirekte Demokratie, also auf Demokratie schlechthin beziehen.

2. durch intelligente Gestaltungen des direkt-demokratischen Prozessdesigns konstruktiv lösen oder zumindest abschwächen lassen.

Die entscheidende Frage ist daher "Direkte Demokratie: wie?"

Der Ansatz von Müller-Funk hingegen entspricht einem ideologisch verengten Tunnelblick, der sich den Fakten gelebter Direkter Demokratie sowie dem aktuellen Stand der Wissenschaft verweigert.

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