Ob es Italien zugetraut wird, seinen Haushalt in den Griff zu bekommen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen
Italien hat am Mittwoch am Anleihenmarkt mit dem Verkauf von kurzlaufenden Staatspapieren punkten können. Die Zinsen, die das Land den Investoren für die in Summe eingespülten knapp elf Milliarden Euro zahlen muss, sind auf die Hälfte gefallen. Das klingt nach guten Nachrichten in der Euro-Schuldenkrise.
Ganz so ist dem aber nicht. Denn es ist nicht das Vertrauen der Investoren in die Reformkraft Italiens, die sie dazu antreibt, dem Land Geld zu borgen. Die Banken haben sich vor Weihnachten 490 Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank geholt - zu einem Zinssatz von einem Prozent. Der Kauf von italienischen Anleihen (zu drei bis vier Prozent) bringt damit Gewinn. Das Risiko der Leihgabe ist mit wenigen Monaten zudem überschaubar.
Ob es Italien zugetraut wird, seinen Haushalt in den Griff zu bekommen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bereits am Donnerstag, wagt sich das Land mit zehnjährigen Staatsanleihen an den Kapitalmarkt. Am Zinssatz dieser Papiere wird sich das wahre Vertrauen der Investoren zeigen. Dieses ist derzeit Mangelware. Aus Angst, ihr Geld zu investieren, bunkern Banken bereits 452 Milliarden Euro bei der EZB. Das ist neuer Rekord.
Steigen die Refinanzierungskosten, muss Italien noch mehr sparen. Das drückt die Kauflaune der Italiener, womit das Land wohl in die Rezession schlittert. Und dann flammt die Angst vor dem Kollaps der Eurozone erneut auf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2011)