Gebühr

Abschiebegegner werden zur Kasse gebeten

28. Dezember 2011, 18:04
  • Artikelbild
    vergrößern 500x209
    foto: standard

    Post aus dem Innenministerium: Diese Zahlungsaufforderung erhalten seit neuestem Menschen, die schriftlich gegen Abschiebungen protestieren und die Behörde ersuchen, Fälle noch einmal zu prüfen.

Das Innenministerium hat offenbar eine neue Strategie, wie Menschen, die Protestbriefe gegen Abschiebungen schreiben, behandelt werden sollen - Den engagierten Absendern wird eine Gebühr verrechnet

Wien - Nicht jeder in Österreich heißt die Abschiebung unerwünschter "Fremder" automatisch gut. Handelt es sich bei den betreffenden Ausländern um Menschen mit einem besonders schweren Schicksal, formiert sich regelmäßig Protest gegen die von Asylbehörden und Fremdenpolizei betriebene Zwangsausreise.

Das drückt sich oft in Form von Briefen ans Innen- und Außenministerium, an Bundeskanzler und Staatssekretär für Integration aus - in der Hoffnung, diese zu einer weiteren Überprüfung des Falles zu bewegen. Briefe, auf die manchmal eine freundliche, zuweilen eine schroffe - und hin und wieder auch gar keine - Antwort kommt.

Aber noch nie, soweit erinnerlich, gab es eine Reaktion wie unlängst aus dem Innenministerium, Abteilung III/3, Fremden- polizei und Grenzkontrolle, auf briefliche Einwände gegen die Abschiebung der tschetschenischen Familie Idigov: Schwer traumatisierter Menschen, die dennoch nach Tschetschenien zurückgeschickt werden sollten.

"Ich fordere Sie auf, sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, dass die Familie in Österreich bleiben kann", stand auf dem Protestbriefvordruck im Internet, den unter vielen anderen die Journalistin und Autorin Susanne Scholl sowie die Lektorin Afra Margaretha unterzeichneten und an die verantwortlichen Politiker schickten. Doch dieses Begehr kam im Innenministerium nicht gut an.

"Aus Gründen des Datenschutzes ist es rechtlich leider nicht zulässig, zu einem konkreten Einzelfall Auskünfte zu erteilen", lautete die abweisende, von Abteilungsleiter Gerhard Reischer unterzeichnete Antwort. Und außerdem: "Hinzuweisen ist, dass Ihr Schreiben eine Eingabe von Privatpersonen im Sinne des § 14 Tarifpost 6 Abs. 1 des Gebührengesetzes 1957 idgF darstellt", antworteten die ministeriellen Hüter des Fremdenpolizeiwesens.

Deshalb: "Solche Eingaben sind gemäß den Bestimmungen des Gebührengesetzes mit 14,30 Euro zu vergebühren." Und: Die 14,30 Euro seien "innerhalb von zwei Wochen" auf ein Innenministeriumskonto einzuzahlen.

"Ich war völlig baff", schildert Margaretha ihr Leseerlebnis nach Öffnen des offiziösen Briefes. Dann sei ihr Erstaunen reinem Ärger gewichen: "Das kann doch wohl nicht wahr sein: Das Ministerium wird von Steuergeldern, also auch von mir, bezahlt." Die Behördenschreiben könnten als Abschreckaktion gegen Protestschreiben gedacht sein, vermutet Scholl, die eine Rückmeldung gleichen Wortlauts erhielt. Sie hat es mehreren Kabarettisten zukommen lassen. Zur Inspiration.

Im Innenministerium versteht ein Sprecher den Ärger nicht: "Das Gebührengesetz als Grundlage für derlei Zahlungsaufforderungen gibt es seit 1957. Seit damals sind derlei Eingaben kostenpflichtig." Real zumindest bisher nicht, halten dem die Protestbrief-erfahrenen Scholl und Margaretha entgegen.

Und auch im Außenministerium teilt ein Sprecher mit, dass derlei Eingaben in der Regel "trotz Gebührengesetz" höflich und gratis beantwortet würden: "Wir erhalten von Bürgern in der Folge immer wieder Dankschreiben."(Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 426
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
ND1
00
ich verstehe die Aufregung nicht ganz

sollten diese Briefe bewirken dass die betreffenden Personen tatsächlich nicht abgeschoben werden würde das zig Tausende Euro an Kosten verursachen - aber wegen 14,30 Euro machen sie einen Aufstand?

binnenischmarrn
72
13.1.2012, 00:51

den kleinen beitrag zahlen sie sicher gerne,- ist ihnen ja doch bei zuwanderern auch nix zu teuer...

kybernicus
00
12.1.2012, 20:10
@ Mag. Doris Mihokovic

Mit großem Interesse lese ich ihre Kommentare! Sehr "mutig", offensichtlich ihren Namen nebst akad. Grad zu nennen! Ich habe ihren Namen "gegoogelt" und ca. 4690 Ergebnisse in 0,19 Sekunden erhalten. Eine kurze Übersicht ihrer Ergüsse (bzw. der Person dieses Namens) legt den Schluss nahe, dass sie wirklich sehr viel zu sagen haben und dies zu derart vielen Themen- einfach bewundernswert! ... und diese Brillianz in der Formulierung, dieses Verständnis für Zusammenhänge- eine wahre Gigantin cerebraler Höchstleistungen! Sagen sie mir bitte im Ernst: Glauben sie wirklich, womit sie hier die Leser unterhalten?

der Ball bringt nur Unruhe ins Spiel
03
11.1.2012, 18:16
GENIALE IDEE!!! Ab sofort verlang ich von jedem Unternehmen (und auch vom Staat) für unverlangte Zusendungen Lesegebühr. Das wird ein Spaß!

??was??
00
12.1.2012, 19:15
Wenn dann die Wahlwerbung kommt

gibts das grosse kassieren. :-)

Mister Magister
 
01

Wenn ich den Brief bekäme würd ich zwei Dinge tun. Erstens ein Antwortschreiben verfassen, mit dem Hinweis, dass man gegenüber seinem Arbeitgeber gefälligst einen höflichen Ton anzuschlagen hat, anderenfalls es nix werden wird mit der Weiterbeschäftigung aka. Wiederwahl.

Zweitens, ich würde exakt 14,40€ Überweisen. Nehmen sie das Geld an, mach ich Trara bei jedem Medium das es zu drucken bereit ist, dass das BMI wiederrechtlich mein Geld einbehalten hat. Überweisen sie es mir zurück mach ich Trara dass das BMI sich in Wählerbestechung übt.

Frei nach dem Motto: "Was der Schmiedel kann, kann der Schmied schon lange"

binnenischmarrn
50

die ko f. zuwa. sind so riesig, dass man den befürwortern ruhig einen kleinen beitrag dafür zumuten kann. spielen diese ganzen kosten für sie ja sowieo sonst keine rolle....

sleepy
111
bürger shut up! Hier bestimmen wir. Du zahlst unsere Gehälter aber wir entscheiden was geschieht! Das Problem ist, und man merkt dies auch stark bei der MA35: die Posten sind alle stark rechts besetzt. Und die lassen sich da nix dreinreden!

Ich denke, dass ist lediglich ein Schuss vor den bug. Das ist einfach die Manier des Innenministeriums. So erging es uns mit dem Antrag für ein Aupair-Mädchen aus Kenia: 1,5 Jahre Kampf !!. Dann hat man sie auf der Botschaft in Kenia 15 !!! Mal mit neuen Unterlagenanforderungen wieder heimgeschickt, das ganze so lange hinausgezögert bis Ihr Leumundszeugniss < ganze 4 Mal !!! > erneuert werden musste, weil es ja nach 3 Monaten zu alt war. Dann verlangte man eine Versicherung für den Flug (obwohl eine ganzjährige Versicherung für Öst. bestand) und obwohl im Ticket beinhaltet - sollte sie über einen öst. Versicherer abgeschlossen werden .. Schikanen bis zum Ende!!! Man rechnet mit der Aufgabe der Hälfte aller Ansuchenden. (und gewinnt)

Stan Kraychik
155
29.12.2011, 17:59
das problem...

... der links linken ist, dass sie die von den anderen eingeforderte toleranz selbst nicht an den tag legen und keine andere, nicht mal gemässigtere, meinung gelten lassen.

Grizzlybear
00
13.1.2012, 09:28
Und immer wieder:

„Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ (Karl Popper)

Stan Kraychik
11
30.12.2011, 20:43

mitte rechts und rechter ist selbstverständlich nicht besser, nur dort heissts diplomatisch und mit einem lächeln hauns einem das hackl ins kreuz

alexander mayr
17
29.12.2011, 20:28

und was hat dieses (meiner meinung nach vollkommen stumpfsinnige) posting mit dem artikel zu tun? äääääh... nichts.

H. Kienhammer
121
30.12.2011, 09:22

Mit dem Thema hat's vielleicht nichts zu tun, aber man kann auf die Intoleranz der Linken nicht oft genug hinweisen - deshalb: Brillant!

Stan Kraychik
32
29.12.2011, 23:56

dann lies einmal die ganzen postings und reaktionen zu diesem artikel und versuch dabei eine neutrale position einzunehmen. da ist schon viel trotz, rechthaberei und ignoranz dabei. .... aber wer sieht solche dinge schon gerne, wenn er in sein spiegelbild schaut.

AnChVIE
 
17
29.12.2011, 15:53
Herr- und Frauschaften

Es *NÜTZT* was, wenn man sich auf die Beine stellt:

Ministerium nimmt Gebühr für Protestschreiben zurück

http://www.ots.at/presseaus... en-zurueck

Freigeistin1
01
30.12.2011, 08:29

Was sind Frauschaften?

AnChVIE
 
01
30.12.2011, 14:15
Natürlich

das Äquivalent zu Herrschaften :-D

Pepi Onkel
00
29.12.2011, 15:36

Spinnen die jetzt schon ganz, im Innenministerium (das war doch die mit dem Sager: her mit dem Zaster?)

AnChVIE
 
01
29.12.2011, 15:05
Woher

weiß eigentlich das Innenministerium, dass der Absender der jeweiligen "Eingaben" korrekt ist?

karnickel
01
29.12.2011, 15:25

Allerdings, das können die nicht. Man könnte also jedem beliebigen Zeitgenossen Kosten verursachen, indem man in seinem Namen Briefe an Ministerien schreibt.

rrrn
 
01
30.12.2011, 07:11

Wenn man den (zB Email)Absender nicht feststellen kann, heisst das, dass man auch andere elektronische Dinge manipulieren kann wie zB Kranken-, Kontodaten ... Schoene neue E-welt!

byron sully
17
29.12.2011, 15:04

es muß ein gesetz her, daß solche zahlungsaufforderungen verhindert. es ist ja nicht nur das verhalten des innenministeriums ein skandal, sondern daß so was rechtlich überhaupt zulässig ist.

CrangerMan
02
29.12.2011, 15:01

Wo bleiben da Meinungsfreiheit und Demokratie?

H. Kienhammer
00
29.12.2011, 15:12
Apropos Demokratie .....

.... mehr direkte Demokratie ist derzeit ein politisches Thema.
Dazu würde ich gern Ihre Meinung lesen - nur munter drauf los, es herrscht Meinungsfreiheit;-D

Mag. Doris Mihokovic
 
295
29.12.2011, 14:51
Kosten nach Verursacherprinzip

Immer wieder wird gejammert und geschimpft, dass der oesterr. Verwaltungs- und Beamtenapparat zu gross und zu kostspielig sei, aber auch dass dieser zu langsam arbeiten wuerde, u.a. auch weil er ueberlastet sei. Auf der anderen Seite wird oft die Kostentragung nach dem Verursacherprinzip gefordert.
Hier wird einmal etwas in dieser Richtung unternommen, und prompt passt es wieder einigen nicht.
Warum sollen MEINE Steuern fuer Anfragen/Antworten/Interventionen verwendet werden, die mich weder interessieren, noch tangieren, ja die mitunter sogar meinen persoenlichen Interessen entgegenstehen???

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 426
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.