Nach Protesten Verzicht auf Neuauflage
Warschau - Ein Kalender mit historischen Plakatdrucken
sollte für Warschau Werbung machen, doch ein antisemitisches Motiv
bereitet der polnischen Hauptstadt einigen Ärger. Auf einem ursprünglich 1925
veröffentlichten Plakat einer nationalpolnischen Zeitschrift ist
ein in polnischer Uniform gekleideter Mann zu sehen, der Ratten
vertreibt. Einige Tiere tragen einen Davidstern oder eine Kippah. Nach Protesten und Beschwerden verzichtete die Stadtverwaltung auf
einen geplanten Nachdruck des Kalenders, berichtete die "Gazeta
Wyborcza" am Mittwoch.
Die erste Auflage sei bereits im Umlauf - mit
einem Grußwort von Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz, die den
Kalender für seine "ausgezeichnete Gebrauchsgrafik" und die
Erinnerung an die "Atmosphäre alter Zeiten" gelobt hatte.
"Als Warschauer in der dritten Generation kann ich mich nicht mit
einem Plakat abfinden, das mich mit Ratten vergleicht und wenn diese
Art der Grafik als Werbung für meine Geburtsstadt verwendet wird",
sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Warschaus, Piotr
Kadlcik.
Bartosz Milczarczyk, der Sprecher der Stadtverwaltung, hatte
bereits vor einigen Tagen in der Zeitung "Rzeczpospolita" die
Verwendung des Plakates mit der Darstellung der Vorkriegszeit
begründet. "Betrügen wir uns nicht, es gibt Gründe sich zu schämen -
in dieser Zeit gab es starke antisemitische Strömungen", sagte er.
"Diese Illustration ermuntert niemand zum Antisemitismus." (APA)