Die steirische Decometal hat sich mit dem Kauf von Minen überhoben und 250 Millionen Euro Schulden bei den Banken, allen voran Raiffeisen
Die steirische Decometal hat sich mit dem Kauf von Minen überhoben und 250 Millionen Euro Schulden bei den Banken, allen voran Raiffeisen. Die Eignerfamilie Depisch hat die Führung nun an Erhard Grossnigg abgetreten.
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Wien - Es ist ein so genannter steirischer Vorzeigebetrieb, der etliche österreichische Großbanken gehörig ins Schwitzen gebracht hat. Die Fürstenfelder DCM Decometal GmbH, die über eine Privatstiftung mehrheitlich der Familie des 90-jährigen Firmengründers Herbert Depisch gehört und im internationalen Handel von Erzen und Legierungen tätig ist, steht bei ihren Banken mit rund 250 Mio. Euro in der Kreide. 60 Mio. Euro davon stammen aus einer bis 2013 laufenden Anleihe.
Die Kredite wurden kurzfristig (auf ein Jahr) aufgenommen und wären per Jahresende fällig - eine Verpflichtung, die die Gesellschaft aber nicht stemmen konnte. Das Problem: Die Rohstoffhändler haben vor einigen Jahren begonnen, direkt (zum Teil mit Partnern) in Minen zu investieren, und zwar fernab Fürstenfelds, etwa in Australien, Kanada, Südafrika oder Albanien.
Etliche der Langfrist-Investments, die aber wie das Handelsgeschäft kurzfristig finanziert sind, rechnen sich bis dato nicht. Manche Minen sind schlicht noch nicht fertig gebaut, können daher auch kein Material für den Handel liefern (das war aber die Idee dahinter). Dazu kamen, in der albanischen Chrom-Mine ACR, ein Streik und eine aufsehenerregende Explosion mit einem Toten. Mit dem Schritt unter Tag haben sich die im Minengeschäft unerfahrenen Fürstenfelder (Vorjahresumsatz: 350 Mio. Euro; 4,2 Mio. EGT) offenbar überhoben.
Raiffeisen hängt mit 140 Mio.
Nun haben die Banken unter Führung der Raiffeisen Bank International einen Deal mit ihrem langjährigen Kunden gemacht. Sie verlängern die Kredite und haben noch einmal 25 Mio. Euro springen lassen. "Mit diesem Überbrückungskredit bis Ende 2012 hoffen wir, die Umstrukturierungen auf den Boden zu bringen", erzählt ein Involvierter. Einige der Banken sind übrigens selbst an der DCM beteiligt: die Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich (über die Invest Holding) mit zehn Prozent, die Steiermärkische Bank und Sparkassen AG mit 2,7 Prozent und die ÖVAG (über die Investkredit) mit 1,53 Prozent.
Mit rund 140 Mio. Euro am tiefsten drin steckt Raiffeisen. Die RLB Steiermark hat rund 40 Mio. Euro finanziert, dazu kommen 30 Mio. der ihr zu 75 Prozent gehörenden steirischen Hypo. Das RLB-Ergebnis (2010: rund 45 Mio. Euro Gewinn) könnte verhagelt werden, die Bank sagt dazu aber nichts. Die RLB Oberösterreich hängt mit 40 Mio. Euro, die Raiffeisen Zentralbank RZB mit rund 30 Mio. Euro. Die Forderungen der Giebelkreuzbanker sind dem Vernehmen nach mit dem Rohstofflager ihres Schuldners besichert, man müsse nicht abschreiben, wie es heißt.
Der Rest der Schulden verteilt sich auf Erste Group (rund 50 Mio. Euro), Bank Austria (30 Mio.), ÖVAG (20 Mio.) und Steiermärkische (an die zehn Mio.).
Der DCM, die bis vor kurzem von Depischs 64-jähriger Tochter Rohtraut Skatsche-Depisch geführt wurde, stehen nun tiefschürfende Veränderungen bevor. Die bisherige Chefin hat ihren Hut genommen, seit November sitzt Sanierer Erhard Grossnigg am Ruder. Er hat den Financiers ein Konzept vorgelegt, das die einstimmig angenommen haben.
Die steirischen Rohstoffhändler müssen demnach Liquidität freimachen, werden (Teile von) Produktionsstätten verkaufen. Auch der Aufsichtsrat unter Ex-Banker René Alfons Haiden hat sich aufgelöst. Nun ist ein Beirat unter Reinhard Iro (Treibacher AG) und Sanierer Michael Schur aktiv.
Für heuer, erklärt ein Informierter, rechne die DCM mit einem Verlust. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2011)