Die Drohung Teherans, bei einer Verschärfung der Sanktionen die für den Ölexport aus der Golfregion wichtige Straße von Hormuz zu sperren, wurde am Mittwoch weniger ernst genommen als am Vortag. Die Folge: Der Ölpreis sinkt.
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Wien - Iran, Opec-Gründungsmitglied und hinter Saudi-Arabien, Russland und den Emiraten viertgrößtes Ölexportland der Welt, hat am Dienstag für einen kurzfristigen Ausschlag der Ölpreise gesorgt. Die Blockade der für den Öltransport aus der Golfregion wichtigen Straße von Hormuz bei Verschärfung der Sanktionen gegen Der Iran wurde tags darauf mehr als "spitze Rhetorik denn als reale Gefahr" gewertet. Die Folge: Rohöl notierte am Mittwoch tiefer als noch am Dienstag.
Die für Europa preisbestimmende Nordseesorte Brent gab zeitweise um 92 Cent auf 108,35 Dollar je Fass nach, der Preis für US-Leichtöl reduzierte sich um 57 Cent auf 100,77 Dollar.
Die Straße von Hormuz, die an ihrer engsten Stelle 21 Seemeilen oder umgerechnet 38,3 km breit ist (siehe Grafik), gilt als eine der weltweit wichtigsten und sensibelsten Routen für den internationalen Öltransport. Täglich passieren zwischen 13 und 18 Tanker die zwischen Oman und dem Iran gelegene Meerenge; insgesamt waren es zuletzt knapp 16 Mio. Fass (159 Liter) pro Tag, was etwa einem Drittel des gesamten per Schiff transportierten Rohöls entspricht.
Die USA und Israel haben Teheran mehrfach mit Militärschlägen gedroht. Der Iran besteht jedoch auf seinem Recht, als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags Nukleartechnologie zu friedlichen Zwecken zu entwickeln und zu erwerben. Teheran hat wiederholt davor gewarnt, dass das Land im Falle eines militärischen Angriffs alle Maßnahmen ergreifen werde, um eine Souveränität zu schützen, zuletzt am Dienstag in der Person von Vizepräsident Mohammad-Reza Rahimi.
"Die Drohung des Iran, die Straße von Hormuz zu sperren, hat den Ölpreis am Dienstag unterstützt; der Effekt schwindet nun, weil es möglicherweise leere Drohgebärden sind angesichts des schweren militärischen Geräts, das die Amerikaner im Golf haben. Der Iran könnte die Durchfahrt wahrscheinlich nur kurze Zeit verhindern", sagte Thorbjørn Bak Jensen, Ölanalyst bei Global Risk Management, der Agentur Reuters.
Andererseits sei aber auch nicht damit zu rechnen, dass der Ölpreis trotz rezessiver Erscheinungen in wichtigen Ölverbrauchsländern deutlich unter das augenblickliche Niveau fällt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2011)