Mehr Arbeitslose, Fachkräfte fehlen weiter

28. Dezember 2011, 18:39
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Das AMS erwartet für 2012 einen Anstieg der Arbeitslosenrate - Niedrigqualifizierte am stärksten betroffen, Entspannung ab 2015

Mit steigender Arbeitslosigkeit und dennoch einem Mangel an Fachkräften rechnet das Arbeitsmarktservice (AMS) für 2012. Insgesamt werden rund 11.000 Personen zusätzlich betroffen sein. "Bis 2015 wird die Situation so bleiben. Bei einem Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent, werden jährlich 10.000 Arbeitslose dazukommen", sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf.

Die Zahlen stützen sich auf eigene Mikroprognosen, bei denen Erwartungen und Auftragslagen der Unternehmer analysiert wurden. Derzeit werde von einem einprozentigen Wirtschaftswachstum ausgegangen. Diesmal wichen die Makroprognosen von IHS und Wifo, die Faktoren wie Zinsniveau und Exportdaten berücksichtigen, im Ergebnis ab. Der Grund sei die hohe Unsicherheit, so Kopf. Denn in den Unternehmen laufe es derzeit noch gut.

Das Beschäftigungswachstum könne aber das Arbeitskräftepotenzial nicht abfangen. Der Anstieg werde in den kommenden Jahren quer durch alle Branchen gehen, Männer und Frauen würden gleichermaßen betroffen sein, was auch darauf zurückzuführen sei, dass das Beschäftigungswachstum zum Teil in prekären bzw. Teilzeitarbeitsverhältnissen stattfinden werde, so Kopf. Für Caritas und Armutskonferenz ist das auch die zentrale Ursache für die weiterhin steigende Zahl der von Armut Betroffenen in Österreich. Laut Statistik Austria gab es 2010 rund 511.000 Arme, um 20.000 mehr als 2009.

Der Anstieg bei den Arbeitssuchenden wird aber nicht wie in anderen europäischen Ländern ein Problem der Jugend sein. "Da hilft uns auch die demografische Veränderung", sagt Kopf. Im europäischen Vergleich hat Österreich die drittniedrigste Arbeitslosenquote unter Jugendlichen bis 25 Jahre. Und die Zahl der zwischen 15- und 19-Jährigen werde in Österreich bis 2015 um 30.000 zurückgehen, ergänzt Kopf

Nichts ändere sich daran, dass Personen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, am Arbeitsmarkt benachteiligt sein werden. Die Beschäftigung werde weiterhin auch im qualifizierten Bereich wachsen. Jobs, für die es keiner Qualifikationen bedarf, werden verschwinden. Einmal mehr ist Aus- und Weiterbildung das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit. "Die Politik muss sich die Frage stellen, ob ein Pflichtschulabschluss überhaupt noch leistbar ist", sagt Kopf. Denn der Vorschlag von Sozialminister Rudolf Hundstorfer nach einem Recht auf (Aus)-Bildung für alle bis zum Alter von 18 Jahren sei eigentlich eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

Die Situation am Arbeitsmarkt sieht Kopf aber nicht generell negativ. "Dem AMS werden 2012 rund 350.000 neue Jobs gemeldet. Hier können wir Arbeitsmarktpolitik machen." Wichtig sei, dass sich die Arbeitslosigkeit nicht verfestige. Dafür werde das AMS auch weiterhin Lohnzuschüsse zahlen, wenn Langzeitarbeitslose von Betrieben übernommen werden und Weiterbildung für Niedrigqualifizierte finanzieren. "11.000 Arbeitslose mehr sind unangenehm, aber nicht vergleichbar mit 2009, als 30.000 Arbeitssuchende dazugekommen sind", sagt Kopf. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 28.12.2011)

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    Mit dem Krisenjahr 2009 kann die Situation nicht verglichen werden.

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