Überraschende Artenvielfalt

28. Dezember 2011, 17:55
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Studie: In einem Regenwaldgebiet im südlichen Ecuador waren nur zwölf Prozent einer Faltergattung bekannt

Eigentlich liegt es in der Natur der Sache: Kleine und unscheinbare Tiere haben im Gegensatz zu großen und auffälligen Arten deutlich schlechtere Chancen, wissenschaftlich beschrieben zu werden. "Der Anteil unbekannter Arten liegt beispielsweise bei Kleinschmetterlingen deutlich höher als bei Tagfaltern, die intensiver gesammelt und beschrieben worden sind", so Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Zoologen haben gemeinsam mit Experten der Universität Wien nun aber festgestellt, dass der Anteil unbekannter Arten auch bei Großschmetterlingen ungewöhnlich hoch sein kann. Die Studie wurde in der aktuellen (November-)Ausgabe der Fachzeitschrift "Annals of the Entomological Society of America" veröffentlicht.

Untersuchung der Artenvielfalt

In einem Regenwaldgebiet im südlichen Ecuador haben die Forscher bisher 154 Arten der Faltergattung Eois gefunden, von denen aber nur 19 Arten (also nur zwölf Prozent) bekannt sind. "Die weitaus meisten dieser Falterarten gibt es bisher in keinem Museum der Welt", so Brehm, der zudem befürchtet: "Wenn die Abholzung der andinen Bergwälder weiterhin so rasant voranschreitet, geht diese Vielfalt verloren, bevor wir sie überhaupt ansatzweise kennen." In einem Untersuchungsgebiet in Costa Rica sah die Situation etwas besser aus: Dort konnten die Forscher etwa 30 Prozent der gesammelten Arten bisherigen Funden zuordnen. Zudem sei die dortige Fauna durch entsprechende Programme vergleichsweise gut in Museen repräsentiert.

Die unterschiedlichen Werte erklären die Forscher mit historischen Zufällen und Sammlungsmustern: "In bestimmten Regionen wie Costa Rica und West-Panama wurde relativ intensiv gesammelt, während unzugängliche Gebiete wie Nord-Peru oder das Amazonasbecken bis heute kaum erfasst sind", erläuterte Brehm.

Probleme

Obwohl es nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Zerstörung der Lebensräume dringenden Handlungsbedarf gibt, macht die Inventarisierung der tropischen Vielfalt kaum Fortschritte: Über 80 Prozent der 254 bisher bekannten Eois-Arten wurden den Forschern zufolge zwischen 1890 und 1920 beschrieben - die letzte im Jahre 1952. Das dürfte sich auf absehbare Zeit auch kaum ändern. Denn - wie berichtet - gibt es einen eklatanten Fachleutemangel in der Taxonomie, dem Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Charakterisierung, Benennung und Klassifizierung von Arten befasst. Es fehlt an Geld, Ausbildungsplätzen und Berufschancen ... (red)

  • Eine in Südecuador nachgewiesene Art der Faltergattung Eois
    foto: gunnar brehm/fsu

    Eine in Südecuador nachgewiesene Art der Faltergattung Eois

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