Diagnose Manisch-depressiv

Als wäre man in einen Zaubertrank gefallen

Interview | Marietta Türk, 9. Jänner 2012, 09:29
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    foto: martin wellermann

    "In den manischen Phasen stößt man auf den Widerstand der anderen."

    Sebastian Schlösser studiert seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie Jus, er plant beruflich in Richtung Mediation zu gehen. Es zieht ihn aber nach sechs Jahren Pause auch wieder ans Theater: er wird an einer Schauspielschule Rollenunterricht geben und kann sich auch vorstellen wieder zu inszenieren. 

In der Manie wird die Maschine im Gehirn zum Dauerläufer, beschreibt Theaterregisseur Sebastian Schlösser seine psychische Krankheit

Vom Höhenflug im Theater direkt in die Psychiatrie: Sebastian Schlösser galt mit 28 Jahren als Jungstar in der deutschen Theaterszene. In seinen manischen Phasen sah er sich als "Profi", die anderen waren für ihn nur "Amateure". In seinem Buch, in dem er Briefe an seinen Sohn schreibt, erzählt er über seine Zeit in der Psychiatrie und die Zeit davor, als die "Meise" sich bei ihm einnistete.

derStandard.at: Welche Umstände brachten Sie in die Psychiatrie?

Schlösser: Ich habe mich selbst eingeliefert, als ich noch akut manisch war. In so einer abklingenden Manie geht da eigentlich keiner hinein, weil man sich noch viel zu gut fühlt. Weil ich aber davor immer wieder Zusammenbrüche hatte, hatte ich Angst davor, dass ich das nicht hinkriege. Ich habe es auch nicht mehr ertragen, dass die Leute in meinem Umfeld mich so verschreckt anschauen. Ich war rund zwei Wochen in der Psychiatrie und habe mich dort medikamentös einstellen und zur ambulanten Weiterbehandlung überweisen lassen. Damals war ich 28 Jahre alt.

derStandard.at: Waren Sie während Ihres Aufenthalts dort in der Lage Ihre Geschichte aufzuschreiben? 

Schlösser: In der Psychiatrie habe ich nur herum gekritzelt, das war nichts Zusammenhängendes. In der akuten psychischen Phase war ich gar nicht in der Lage etwas reflektiert aufzuschreiben. Der Anstoß dazu kam erst einige Jahre später, als ich einen Artikel gelesen habe, in dem ein Journalist seine erste manischen Phase beschrieben hat. Auf einen Schlag waren die verschütteten Erinnerungen wieder präsent.

derStandard.at: Wie sind Sie auf die Idee gekommen diese Briefe an Ihren Sohn zu schreiben? Hatten Sie ursprünglich schon das Buch im Hinterkopf?

Schlösser: Ich habe begonnen alles dokumentarisch aufzuschreiben. Eine befreundete Therapeutin, die mit Kindern von psychisch kranken Eltern arbeitet, hat mich schließlich auf die Idee gebracht ein Buch zu schreiben. Es gibt nämlich wenig Literatur für Kinder, die aus der Sicht von Betroffenen geschrieben ist.

Ich habe in dieser Kindergruppe hospitiert und mir vorgestellt wie es gewesen wäre, wenn mein Sohn damals sechs, sieben Jahre alt gewesen wäre. Es wäre ihm mit meiner Krankheit wohl viel schlechter gegangen. Er war ja erst eineinhalb und hat das nicht richtig mitbekommen. So habe ich beschlossen an meinen sechsjährigen Sohn zu schreiben.

derStandard.at: War die Entscheidung schwer das Geschriebene zu veröffentlichen?

Schlösser: Nein. Ich habe Glück gehabt, dass es bei mir so gelaufen ist wie es gelaufen ist und hoffe anderen Menschen Mut zu machen. Ich habe es geschafft wieder mit der Mutter des Kindes zusammen zu kommen. Sie konnte gut auseinander halten, was die Krankheit und was der Mensch in mir war.

Außerdem wollte ich anderen helfen die Krankheit zu verstehen. Ärzte erklären vieles nur sehr sporadisch und verschanzen sich oft hinter ihren Fachtermini. Man wird mit Krankheit allein gelassen. Ich musste mich selber einlesen und informieren. Dabei ist mir nur wenig untergekommen, was mir akut aus der Seele sprach. 

derStandard.at: Wussten Sie selbst immer ob Sie krank waren oder ob es Ihre Persönlichkeit war?

Schlösser: Das ist unglaublich schwer. Die Trennung ist erst im Nachhinein möglich. Erst während des Schreibens, ist mir klar geworden wann ungefähr welche Anteile präsent waren.

derStandard.at: Die bipolare Störung zeigt sich in manischen und depressiven Phasen. Wie haben Sie diese Krankheitsphasen jeweils erlebt?

Schlösser: In der manischen Phase hatte ich mit den Widerständen der anderen zu kämpfen. Das ist so als ob man in einen Zaubertrank gefallen wäre und unendlich viel Kraft hätte. Ich musste kaum schlafen, dachte ich bräuchte keine Ruhephasen und war wahnsinnig sprunghaft und einfallsreich. Ich fand mich ganz toll, von sämtlichen Zweifeln befreit. Andererseits war ich aber ganz zielsicher im gnadenlosen Auffinden von anderer Leute Schwächen. Es gab auch Menschen, die das toll fanden und bewunderten, aber der gewohnte Umkreis konnte damit immer schwerer umgehen. 

In den depressiven Phasen war das totale Gegenteil der Fall. Ich hatte überhaupt kein Empfinden mehr für mich. Mich plagten - je nachdem was ich angestellt hatte in der manischen Phase -unendliche Schuldgefühle. Ich hatte ja viel zerstört und hatte das Gefühl nicht mehr heraus zu kommen. Die Phasen haben jeweils ungefähr dreieinhalb Monate gedauert. 

derStandard.at: Im Buch schreiben Sie über Muskelkater im Kopf.

Schlösser: In der Manie wird die Maschine im Gehirn zum Dauerläufer, man hört einfach nicht mehr auf zu denken. Danach kommt dann kaum etwas zustande - eine totale Leere, die aber nicht angenehm ist. Das ist wie Muskelkater.

derStandard.at: Womit hatten Sie mehr zu kämpfen?

Schlösser: Die manischen Phasen sind natürlich aufregend, weil man Dinge erlebt, wie andere Menschen in Jahren nicht. Auch weil man sich Dinge traut, die man sich sonst nicht zutraut. Das macht aber nur vermeintlich mehr Spaß. Nichts davon möchte ich nochmals erleben, es ist beides gleich furchtbar, wenn auch faszinierend. 

derStandard.at: Sie schreiben, dass Sie im Nachhinein wissen, dass die "Meise" zum ersten Mal in der Zeit vor dem Abitur zu Ihnen gekommen ist. Wann war Ihnen bewusst, dass etwas nicht stimmt, dass Sie wirklich krank sind?

Schlösser: Das war erst kurz bevor ich mich selbst eingewiesen habe. Da wusste ich, etwas stimmt nicht, die anderen können ja nicht alle bekloppt sein. Über die Diagnose war ich dann gar nicht mehr überrascht. Es gibt ja auch eine familiäre Disposition. Als die erste depressive Phase mitsamt Drogen und Suizid in meiner Jugend auftrat, wurde das nicht damit in Verbindung gebracht. Manchmal wird eben das Offensichtlichste nicht gesehen.

derStandard.at: Sie beschreiben sehr genau Ihre Theaterzeit. Inwiefern spielt Ihr Beruf mit der Krankheit zusammen?

Schlösser: Ich glaube nicht, dass mein Beruf als Theaterregisseur die Krankheit herausgefordert hat. Das bekommen auch Bankangestellte. Es ist aber wohl so, dass man im künstlerischen Beruf eher damit leben kann. Es gibt ja auch Leute, die unbehandelt damit leben und es hinkriegen das für sich nutzbar zu machen. Unter Künstlern gibt es eine höhere Toleranz was Exzentrik und Exzesse angeht. Insofern ist man im Theater dann auch gut aufgehoben.

derStandard.at: Hat Ihnen Ihre Krankheit in den manischen Phasen am Theater geholfen?

Schlösser: In den vor-manischen Phasen ja. Da ist man noch nicht ganz so weit oben am Fliegen, hat aber sehr viel Selbstbewusstsein.

derStandard.at: Wie ist es heute, haben Sie die Krankheit akzeptiert?

Schlösser: Ich kämpfe nicht, sie ist Teil meines Lebens geworden. Aber ich nehme weiterhin Tabletten zu Prophylaxe. Sie sind aber so niedrig dosiert, dass ich keine Einschränkungen habe. Seit sechs Jahren hatte ich keinen Rückfall und mein Leben ist stabil. 

derStandard.at: Gehen Sie zur Psychotherapie?

Schlösser: Nein. Die Ursache liegt bei mir nicht in der Biografie. Die beste Therapie war das Buch zu schreiben. Der Psychiater hat es mir bestätigt: maximaler Heilungserfolg.

derStandard.at: Wann wird denn Ihr Sohn die Briefe lesen?

Schlösser: Wenn er danach fragt. Er kennt das Buch und hat eine Ahnung, dass es mit ihm zu tun hat. Mein Sohn ist jetzt acht Jahre alt. Ich glaube Kinder fragen immer so viel, wie sie selber verarbeiten können. (Marietta Türk, derStandard.at, 9.1.2012)

SEBASTIAN SCHLÖSSER (Jahrgang 1977) war Regieassistent und Theaterregisseur, u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Er studiert seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie Jus.

Buchtipp

Sebastian Schlösser: Lieber Matz, Dein Vater hat 'ne Meise. Ullstein Verlag. ISBN 978-3-550-08870-4

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Posting 1 bis 25 von 97
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astemp79
92
13.1.2012, 20:09
Die Verantwortung selbst übernehmen!

Eine seelische Störung - die keine "Krankheit" ist - kann man nicht mit Medikamenten heilen. Die heute üblichen Gesprächstherapien gehen nicht tief genug, um das aus der Tiefe des Vergessenseins zu holen, was dort befreit werden müsste. Das kann nur eine Körpertherapie.

Ein anderer Ansatz ist TCM - und alle Aspekte, die dazu gehören. Die chin. Medizin kennt keine Krankheiten, sondern nur Störungen des Qi-Flusses - und behandelt diesbezüglich. Mit Hilfe verschiedener Maßnahmen - und Qigong als Eigentherapie - können seelische Störungen vollkommen aufgelöst werden.
Das setzt Eigenverantwortung des Klienten voraus: Niemand muss mit einer Störung als "naturgegeben" leben und von Medikamenten abhängig sein - er muss es nur erkennen.

-e!-
00
19.2.2012, 20:07

"Das setzt Eigenverantwortung des Klienten voraus: Niemand muss mit einer Störung als "naturgegeben" leben und von Medikamenten abhängig sein - er muss es nur erkennen."

Eine betroffene Bekannte von mir sah das auch so, setzte die Medikamente ab - die Folgen waren verherrend.

Vielleicht sollten Sie mit solchen (naiven?) Aussagen vorsichter umgehen, denn auch wenn Medikamente nicht unbedingt heilen, so können sie doch die Leiden mindern.

branca rosic
 
00
21.1.2012, 18:46

Die Gesprächstherpien gehen nicht weit genug, ich weiß nicht von welchen Körpertherapien sie sprechen, aber ich glaube hier an die klassische Psychotherapie. Jedenfalls halte ich von den ruhig stellenden chemischen Volksdrogen gar nichts, besser wäre es, Menschen in Krisen zu begleiten und sie ausspinnen zu lassen. Was ein paar Monate dauern kann. Ohne Medikamente.

-e!-
00
19.2.2012, 20:01

Eine manisch-depressive Bekannte von mir war in Therapie und hat ihre Medikamente auf Eigeninitiave abgesetzt, weil sie meinte, diese nicht mehr zu brauchen.

Die Folgen waren katastrophal, Höhen und Tiefen im Extrem sowie ein starker Leidesdruck für die Betroffene.

"Ausspinnen lassen" klingt verharmlosend einfach - kann aber verherrende Folgen haben...

keywords
01
16.1.2012, 12:29

was ist ihrer meinung nach der unterschied zwischen einer störung und einer krankheit?

und was bitte ist der qi fluss? wo rinnt der, wie misst man den und wann weiss man, dass da alles wieder stimmt?

ehschowissn2
22
15.1.2012, 11:41

machens gegen einen herzinfarkt oder schlaganfall auch qigong und ein bissi hand auflegen?? bitte gehens für ein paar tage in die geschlossene psychiatrische abteilung und dann sagens noch einmal, dass qigong die therapie ihrer wahl für diese menschen ist... psychische störungen SIND eine krankheit und das hirn ist genauso ein organ wie herz, leber oder nieren, dass manchmal medikamentös behandelt werden MUSS!

Trollblume
00
akut zu spät, aber als prävention seehr zu empfehlen!

branca rosic
 
01
21.1.2012, 18:14

Der Fundamentalismus der hier herrscht, in punkto Glaube an die westliche Psychiatrie und die Segungen der Pharmaindustie, ängstigt mich. Über astemp79 herzufallen halte ich für ungerechtfertigt. Er hat sich bloß für eine alternative Heilmethode ausgesprochen, die im übrigen bei allen wissenschaftlichen Untersuchungen, als die der westlichen Medizin in vielen Bereichen überlegenen dargestellt wird. Er hat auch nicht behauptet, dass ein Skizophrener im Schub keine Medikamente erhalten soll. Im Artikel geht es um bipolare Störungen und die meisten Menschen waren in ihrem Leben schon mal himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt und manche Menschen haben hier Spitzen und Tiefen die über oder unter die Norm ragen. Kaum jemand aber. bleibt immer in s

Stephen Morrissey
00
10.2.2012, 10:37

"die im übrigen bei allen wissenschaftlichen Untersuchungen, als die der westlichen Medizin in vielen Bereichen überlegenen dargestellt "

wenn sie mir das durch eine seriöse quelle bestätigen könnten?

keywords
00
22.1.2012, 13:51

himmelhochjauchzend im einen moment und zu tode betrübt im anderen zu sein ist mit sicherheit keine bipolare störung. vielleicht eine stimmungsschwankung.

dass man da mit ein bissi meditieren und selbstfinden und weihrauch und entspannung weiter kommt glaub ich eh. aber bei einer echten krankheit kannst di damit halt brausen gehen. und ein organ, das nicht funktioniert wie es soll, ist halt amal echt krank mitunter.

ehschowissn2
00
22.1.2012, 09:55

"Eine seelische Störung - die keine "Krankheit" ist - kann man nicht mit Medikamenten heilen."

Er schließt aus, dass Medikamente seelische Störungen heilen können. Was ist ihrer Meinung nach eine Schizophrenie oder eine Borderline-Störung?

Ich behaupte nicht, dass Körperarbeit sinnloser Stumpfsinn ist, bin aber überzeugt davon, dass sie maximal unterstützend zu anderen therapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden sollte.

Psychotherapie und medikamentöse Therapien als wirkungslos darzustellen, halte ICH allerdings für fundamentalistisch.

Trollblume
00
Allheilmittel gibt es nicht!

medikamentöse heilt nicht, sondern bekämpft die symptome, gleicht aus - was absolut notwenig sein kann. gesprächstherapie kann man sicher nicht generell für wirklungslos erklären, jede form von psychotherapie und -analyse, die wirklich an die substanz geht, ist aber sehr schwer und selten! wenn wir wirklich alle - unbewußten - konflikte aufspüren und lösen könnten, könnte man auch die entstehung körperlicher symptome beeinflussen. Davon bin ich genauso überzeugt wie ich sicher bin, dass genau das UNMÖGLICH ist und jeder ein Scharlatan, der es verspricht! das gilt genauso für die körpertherapie, auch wenn es manchmal möglich ist, damit dinge aufzulösen, die sprache und denken nicht zugänglich sind ...
Wer will überhaupt wirkliche heilung'?

ehschowissn2
00
wie sie sagen, gibts kein allheilmittel.

"heilen" ist tatsächlich für viele fälle das falsche wort (es gibt schon ausnahmen, wie belastungsstörungen, die man medikamentös wieder ins lot bringt). ab einem gewissen schweregrad sind viele psychische störungen halt gar nicht "heilbar". aber medikamente und therapien können das leben damit erleichtern. körperarbeit tut vielleicht auch gut.
es stößt mir nur sauer auf, wenn jemand schulmedizinische methoden per se als unwirksam darstellt...

kl41
01
14.1.2012, 13:13

also ich fürcht mich grad ein bissel vor Ihnen. So viel Inkompetenz in nur einem post - Sie haben doch keine Ahnung, was eine psychische Störung ist. Ein bisserl Gymnastik mag eh entspannen, aber was Sie meinen, damit beseitigen zu können - auweija.

Trollblume
00

Körpertherapie is aber schon was anderes als 'ein bisserl Gymnastik'.

Sabine Werner
02
14.1.2012, 12:43

gehts noch fahrlässiger? einem in die manie oder einen schizoanfall mit verfolgungungswahn keine medikamente zu geben - na dann viel spaß beim esoterischen trommelschlagen und baumanheulen bei vollmond - wird so einem psychisch erkrankten sicher viel weiterhelfen.
kann man mit so einem gerede geld machen? wahrscheinlich gar nicht so schlechtes - ich hole mir auch gleich mal einen schwurbelgewerbeschein und lege profimäßig los......

orpheus1
03
13.1.2012, 10:50
Durch das Schlucken von Antidepressiva manisch geworden?

Ich habe eine andere Buchempfehlung:
"Die Neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: - Gesund werden ohne Medikamente"
von David Servan-Schreiber (ist selbst Psychiater)

Als Psychiater beschreibt David Servan-Schreiber in seinem Buch die negativen Auswirkungen von Psychopillen und welche Alternativen es dazu gibt.

Er schreibt unter anderem, wie ein erfolgreicher Boersenmakler durch Antidepressiva manisch geworden ist (ist eine bekannte Nebenwirkung der Antidepressiva) und seine Familie und sein Vermoegen verloren hat. Ohne die Pillen ist er auch wieder ohne manische Phasen und konnte wieder 'normal' werden.

Thegoodshepherd
00
12.1.2012, 17:21
Der Vater einer Bekannten ist Chirurg und leidet an.....

einer bipolaren Störung - immer wenn er manisch war, wollte er unentwegt operieren. Im Kollegenkreis war er sehr angesehen, weil er sooo unglaublich belastbar war - niemand bemerkte die Phasen der totalen Depression und der Krankenstände, nicht einmal seine ArztkollegInnen. Mittlerweile konnte ihn die Familie überzeugen, sich behandeln zu lassen, aber gänzlich zu heilen wird er nicht sein.

Sabine Werner
12
11.1.2012, 09:09

eine bekannte von mir - inzwischen kontakt abgebrochen - war mdk-erkrankt. mit der zeit hält man die manischen schübe - und die kamen immer wieder, auch wenn sie wirklich regelmäßig ihre medis nahm - nicht mehr aus. ich würde, auch wenn es jetzt gemein klingt, niemals mit einem partner der mdk hat zusammenleben könne. viele der patienten bringen durch ihre manischen phasen (kaufsucht, spielsucht bis zum absoluten exzess) ihre familie fast ins armenhaus. und man muß sich auch selbst ein bißchen schützen.

Frl. Sutterlüty
00
16.1.2012, 12:57

Ich kann das verstehen. Nachdem ich einmal eine Beziehung mit einem manisch-depressiven Mann hatte, brauch ich das auch nie wieder. Man muss da schon ziemlich viel runterschlucken und ertragen, wobei das bestimmt auch vom Grad der Erkrankung abhängt (und vom Willen des Betroffenen zur Therapie - mein "Fall" liebte seine manischen Phasen so sehr, dass er sie nur in den depressiven Phasen in Anspruch nahm).

SaturnV
02
12.1.2012, 00:10

Kann ich durchaus verstehen. Dennoch muss man dazusagen, dass das von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Es gibt manche Manisch-depressive, die relativ gut auf die Medikamente reagieren, und mit diesen keine oder nur sehr schwache manischen und depressiven Phasen haben, und andere, bei denen die Medikamente schlechter wirken. Wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen gibt es da sehr starke individuelle Unterschiede. Ich bin da kein Experte, aber ich kenne 2 Menschen mit bipolarer Störung (und einige mit anderen psychischen Erkrankungen).
Und natürlich kommt es auf den "gesunden" Partner auch an, es gibt manche (wenige) Menschen, die damit auch sehr gut umgehen können.

fmi
02
11.1.2012, 08:38
das Problem ist

Die BPE wird oft lange nicht erkankt, vor allem bei Rapid Cycling. Maniker wollen oft keine Behandlung, Depressive "funktionnieren" , bis sie sich umbringen, und jeder wundert sich warum.
Die Kinder und Partner können sie nicht zur Behandlung zwingen und müssen aber alles ausbüglen, z.B. wenn Geld ausgegeben/ verspielt wird.

walter ast1
 
25
10.1.2012, 12:46
Psychiater

Ich kenne eine Frau, die sich immer Kinder gewünscht hat, mit ca 20 Jahren m-d Schübe hatte, seither medikamentös gut eingestellt ist u d völlig normal seit 20 Jahren lebt und beruflich erfolgreich ist. Kinder hat sie aber keine bekommen, davon hat der Psychiater abgeraten (oder war skeptisch, so genau weiß man das als Außenstehender ja nicht). Jedenfalls hat er ihr diese Lebensentscheidung abgenommen. So wie man vom fetten Essen abrät, wurde hier von der Gründung einer Familie abgeraten - aufgrund eines eher diffusen Risikos. Für die Behandlung war dieser Rat sicher das Einfachste (aus Sicht des Arztes), aber ist es wirklich das Beste für die Betroffene? Wie weit soll das Vertrauen in die Psychiatrie gehen?

Toeris
04
12.1.2012, 20:18

Sei versichert, Kind einer BPE Mutter zu sein, ist ein Horror. Eine BPE Person kann sich selbst, gut eingestellt, unter Kontrolle halten. Mit einem Kind wird das sehr häufig, d.h. ich kenne es nur so, zur Katastrophe.

Auch wenn das Kind dann nicht auch noch bipolar werden sollte, erlernt es bipolares Verhalten als "Normalität". D.h. es wird sich wie die Mutter verhalten, weil das erste Lernen eben kopieren von der Mutter ist.

Gilt übrigens auch für schizophrene Mütter/Eltern/Erzieher.

don'tbecockywiththeriver
01
14.1.2012, 14:23

bin kind einer "bpe mutter" - wie das klingt! - also anders herum: meine mutter hat bpe - das ist manchmal nicht leicht - aber dass meine mutter mich deswegen nicht haette kriegen sollen geht dann doch ein bisschen zu weit! bipolares verhalten ist fuer mich nicht normalitaet - aber teil meines lebens.

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