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Thomas Rohregger: "Dem Sport sollte wieder eine Chance gegeben werden. Man sollte ihn leben lassen, weil er einfach zu schön ist."

"Rein realistisch betrachtet ist die Tour de France für mich heuer kein Thema."
Rapdprofi und Lebemann Thomas Rohregger.
Österreichs Radprofi Thomas Rohregger ist als Teammitglied von RadioShack-Nissan Teil der Radsport-Weltelite. Die Brüder Andy und Fränk Schleck, der vierfache Zeitfahrweltmeister Fabian Cancellara oder Sprintrakete Daniele Bennati gehören zu seinen Teamkollegen. Im derStandard.at-Interview berichtet der Tiroler von seinen Aufgaben und Ambitionen, er nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen Andy Schleck und zum tödlichen Unfall seines Teamkollegen Wouter Weyland. Rohregger spricht auch über Grenzerfahrungen, Doping, seinen nicht unumstrittenen Teamchef Johan Bruyneel, der Lance Armstrong auf seiner Erfolgstour begleitet hat und erklärt, warum gerade er als Kletterspezialist zu Olympia nach London möchte.
***
derStandard.at: Wieviele Kilometer legen Sie im Jahr durchschnittlich auf Ihrem Rennrad zurück?
Thomas Rohregger: Das pendelt sich bei zirka 30.000 ein, inklusive Ergometer und Rennen. Da kommt schon was zusammen. Jetzt im Winter fahre ich natürlich deutlich weniger Kilometer, dafür stehen mehr Laufeinheiten und Skitouren auf dem Programm.
derStandard.at: Wie bereitet sich ein Kletter-Spezialist auf die Saison vor?
Rohregger: Zur Zeit mache ich viel alternatives Training, ich gehe bei mir zu Hause in Tirol viele Skitouren und das fast täglich. Das mache ich vor allem im Dezember und Anfang des Jahres, am 6. Jänner haben wir Team-Präsentation in Luxemburg und danach fliegen wir schon ins erste große Team-Trainingscamp nach Mallorca.
derStandard.at: Sie haben einen Zweijahres-Vertrag mit dem Team RadioShack-Nissan abgeschlossen, das Ihren früheren Arbeitgeber Leopard-Trek durch Fusion geschluckt hat. Der Rad-Weltverband UCI hat Leopard-Trek bei der Gründung auf Anhieb als stärkste Straßenradsport-Mannschaft der Welt eingestuft. Ist das neue Team auch kommende Saison wieder so stark einzuschätzen?
Rohregger: Wir sind sehr breit aufgestellt. Wenn man sich die Liste der Fahrer anschaut, dann sieht man gleich, dass sehr viele hochkarätige Leute am Start sind. Die Schlecks, Cancellara, Horner, Klöden, also sehr, sehr viele Topfahrer. Natürlich lastet ein großer Druck auf dem Team, einerseits von den Medien, andererseits auch von den Fans, aber jeder ist sich dessen bewusst und wir wollen mit Leistung zeigen, dass die Erwartungshaltung gerechtfertigt ist. Von dem her geht jeder dementsprechend motiviert in die Vorbereitung und es dauert ohnehin nicht mehr lange, bis es mit der Tour Down Under im Jänner losgeht.
derStandard.at: Welche Teams zählen heuer zu den größten Konkurrenten?
Rohregger: BMC mit Hushovd, Gilbert und Evans ist ein sehr starkes Team oder auch Omega Pharma. Auch Quickstep mit Martin, Leipheimer und Bonnen wird stark sein oder auch das neue australische GreenEdge-Team. Es gibt einige interessante Teams, die sehr gut fahren werden.
derStandard.at: Der Giro ist wieder eines Ihrer Saisonziele. Sind auch die Frühjahrsklassiker und die Tour ein Thema?
Rohregger: Der Giro ist unser erstes großes Ziel, ich werde wieder am Start sein und Jakob Fuglsang, der auch heuer die Vuelta gut gefahren ist und mit dem ich super harmoniere, wird voraussichtlich der Kapitän sein. Ich werde dabei eine unterstützende Rolle spielen, speziell am Berg. Natürlich werde ich aber auch meine Freiheiten kriegen, wenn es passt. Es wird sicher wieder enorm schwer, aber auch interessant und ich freue mich schon darauf.
Eventuell wird auch der eine oder andere Frühjahrsklassiker ein Thema, voraussichtlich der Ardennen-Klassiker, aber das ist noch offen. Rein realistisch betrachtet ist die Tour de France für mich heuer kein Thema, weil wir einerseits einen sehr starken Kader haben und andererseits heuer die Bergfahrer nicht wirklich so gebraucht werden, weil die Tour 2012 vom Profil her nicht so extrem schwer ist wie etwa der Giro oder die Vuelta. Von dem her braucht man für die Tour eher Fahrer wie Jens Voigt, die gut im Wind fahren können.
derStandard.at: Bleibt da auch eine realistische Chance auf eigene Interessen?
Rohregger: Man muss auf die Chance hoffen und kann sie dann hoffentlich auch nützen. Letztes Saison bei der Vuelta wäre es mir einmal fast aufgegangen. Von dem her hoffe ich, dass ich auch heuer wieder die eine oder andere Chance bekomme, auf eigene Rechnung zu fahren.
derStandard.at: Sie haben 2008 die Österreichrundfahrt gewonnen, 2010 bei der Tour Down Under die Bergwertung für sich entschieden, 2011 bei der Vuelta das Teamzeitfahren geholt. Wovon träumen Sie noch?
Rohregger: Ich fühle mich wohl im Team und freue mich, den Sprung ins beste Team der Welt geschafft zu haben. Das ist genial. Es ist wichtig, dass man sich kollegial verhält und weiß, welche Aufgaben man hat. In einem Team kann nicht jeder Siegfahrer sein, das würde nicht funktionieren. Der Radsport wird immer mehr ein Teamsport. Es ist wichtig, dass man Teamplayer hat und ich bin ein solcher. Wenn ich meine Aufgaben kriege, dann habe ich die zu erfüllen und mache das dann auch dementsprechend gewissenhaft. Aber natürlich steht bei mir ein Sieg auf einer Bergetappe bei einer großen Rundfahrt ganz oben.
derStandard.at: Kann man sich in einem derart hochqualitativ besetzten Team überhaupt ins Rampenlicht fahren oder ist man mehr oder weniger zum Wasserträger verdammt?
Rohregger: Ganz im Gegenteil, man ist Teil des Ganzen und somit auch des Erfolgs. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man zum Beispiel zwei Kollegen bei der Vuelta in den Top Ten hat, wenn man das Teamzeitfahren gewinnt, oder wenn Bennati Sprintetappen gewinnt. Außerdem hat mein Zimmerkollege Oliver Zaugg mit dem Sieg bei der Lombardei-Rundfahrt bewiesen, dass etwas möglich ist und das animiert mich auch, danach zu streben und dieses Ziel weiter zu verfolgen.
derStandard.at: Bjarne Riis bescheinigt dem dreimaligen Tour de France-Zweiten und Ihrem Teamkollegen Andy Schleck mentale Schwächen, er wirft ihm vor, "in den entscheidenden Momenten nicht das Letzte aus sich herauszuholen" . Ein berechtigter Vorwurf?
Rohregger: Keine Ahnung. Solche Dinge werden immer über die Medien ausgetragen, aber das ist nur ein Psychokrieg. Was er kann und was er nicht kann, weiß allein Andy. Ich glaube, er ist ein Ausnahmesportler und seine bisherigen Ergebnisse haben gezeigt, dass er sehr wohl seine Leistungen bringen kann. Es gibt bestimmt andere Sportler, die größere mentale Probleme haben. (lacht)
derStandard.at: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des österreichischen Radsports? Stimmt die Richtung?
Rohregger: Leider bekomme ich sehr wenig vom heimischen Radsport mit, das einzige, was ich heuer gefahren bin, war die Österreich-Rundfahrt. Das hat mich positiv gestimmt, das war ein super Rennen auf einer interessanten Strecke mit guter Organisation. Auch die Zuschauerresonanz hat gestimmt. Da kann man den Veranstaltern nur gratulieren.
Wir haben aber auch gute Nachwuchsprojekte wie das Team Radland Tirol, in dem den Jungen ein Sprungbrett geboten wird, sich für größere Aufgaben zu empfehlen.
derStandard.at: Stichwort Olympia in London. Österreich hat zwei Startplätze für das Straßenrennen. Sie wären gerne dabei. Ist das Streckenprofil steil genug für Ihre Ansprüche?
Rohregger: Definitiv, ich habe mich auch schon mit Fabian Cancellara unterhalten, er hat sich die Strecke schon angeschaut und hat gemeint, dass es gut sein kann, dass am Schluss zehn, 15 oder 20 Leute gemeinsam Richtung Ziel fahren. Man startet in London, fährt dann raus aus der Stadt und muss eine Runde bewältigen, die es in sich hat. Wenn Leute wie Gilbert oder Cancellara aus der Gruppe rauskommen, dann wird es keinen Massensprint geben und Nationen wie Italien oder Belgien werden das Rennen nicht so gestalten können, wie sie wollen und von dem her könnte es sehr spannend werden.
derStandard.at: Wen könnten Sie sich als Teamkollegen für Olympia vorstellen?
Rohregger: Bernhard Eisel ist sicher sehr ambitioniert, in London zu starten.
derStandard.at: Teamkollege Wouter Weylandt ist beim Giro an einer relativ ungefährlichen Stelle tödlich verunglückt, nachdem er sich kurz umgeblickt hatte. Ein Rückspiegel hätte den tragischen Unfall eventuell verhindern können. Wäre für Sie vorstellbar, dass man die Rennmaschinen mit kleinen Rückspiegeln ausstattet?
Rohregger: Ich glaube nicht, das würde die Fahrer noch mehr verwirren, man hat ja überhaupt keine Zeit um drauf zu schauen. Das würde nicht funktionieren. Der Tod von Wouter war ein Schicksalsschlag. So etwas kommt oft vor, zum Glück passiert zu 99 Prozent nichts Schlimmeres dabei. Das war eine Verkettung ungünstiger Umstände, er hat einfach Pech gehabt. Am Material etwas zu ändern, wäre der falsche Ansatzpunkt. Man sollte sich eher über die Streckenführung und die Größe des Starterfelds Gedanken machen. Oftmals sind viel zu viele Fahrer auf zu kleinen Straßen unterwegs. Es wäre besser statt 200 Leuten nur 160 starten zu lassen, aber das ist auch ein wirtschaftliches Problem, weil die Teams ihre Sponsoren präsentieren wollen.
derStandard.at: Gehen Sie bei rasanten Abfahrten ans Limit?
Rohregger: Man muss zwangsläufig ans Limit gehen, weil man sonst nicht mitfahren kann. Man muss mental an sich selbst arbeiten, sehr konzentriert sein und nicht in der Gegend herumdenken. Wenn es bei der Vuelta Temperaturen über 40 Grad hat und jeder dehydriert und dadurch ein bissl verwirrt ist im Kopf, dann ist es oft schon sehr schwierig, die Konzentration über sechs Stunden zu halten. Da muss man schon sehr aufpassen, dass man keinen Fehler macht. Die Aufarbeitung von so einem tragischen Ereignis ist auch nicht einfach, weil man auch immer wieder Flashbacks hat, die man während dem Rennen verdrängen können muss, damit es nicht gefährlich wird.
derStandard.at: Ihr Team wird von Johan Bruyneel geleitet, der früher u.a. Teamchef des siebenfachen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong war. Bruyneel und Armstrong waren trotz der Erfolge nicht unumstritten. Viele Radsportfans sehen das Engagement Bruyneels mit gemischten Gefühlen. Wie gehen Sie damit um?
Rohregger: Dazu kann ich nichts sagen, ich habe nur gelesen, was in den Medien steht und da gibt es oft viele Gerüchte. Ich habe Johan als sehr netten Menschen kennen gelernt, habe ihn immer schon bewundert, wie er Armstrong zu seinen Erfolgen geführt hat und ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit.
derStandard.at: Durch die Dopingmisere und den Fall Kohl ist die Begeisterung am Radsport in Österreich stark zurückgegangen. Die Glaubwürdigkeit hat schwer gelitten. Inwiefern bekommt das der Radprofi zu spüren?
Rohregger: Das Zuschauerinteresse hat meiner Meinung nach nur im deutschsprachigen Raum gelitten. In Holland, Belgien, Frankreich und Italien ist das Interesse größer denn je. Im Radsport ist leider sehr viel Schlechtes passiert, aber es ist - da muss man mit den Worten vorsichtig sein - auch viel Positives passiert. Der Radsport hat sich verbessert und eine Vorreiterrolle übernommen. Das sollte honoriert werden. Dem Sport sollte wieder eine Chance gegeben werden. Man sollte ihn leben lassen, weil er einfach zu schön ist. Es sind viele junge Sportler nachgerückt, die keine schlechte Vergangenheit haben und von den Fahrern mit schlechter Vergangenheit sind die meisten praktisch weg vom Fenster und von daher ist die Selbstreinigung auf einem sehr, sehr guten Weg. (derStandard.at, 28. Dezember 2011)
Thomas Rohregger wurde am 23. Dezember 1982 in Innsbruck geboren und ist ein österreichischer Profi-Radrennfahrer. Er studierte an der Universität Innsbruck Wirtschaftsrecht. Die Saisonen 2006 bis 2008 bestritt er für das Team Elk Haus-Simplon. In der Saison 2011 fuhr Rohregger für das luxemburgische Leopard Trek-Team, kommende Saison ist er Teil des Teams RadioShack-Nissan. Er gewann 2008 die Österreich-Rundfahrt, 2010 bei der Tour Down Under das Bergtrikot und bei der Vuelta 2011 mit dem Team das Zeitfahren.
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Wenn er auf der Straße nur halb so erfolgreich wäre , wie in der Freunderlwirtschaft mit den Sportjournaille dann könnte einmal aus ihm ein guter Profi werden...!
...und mit diesem Rekord kam er ins SHACK-Team (lol) !
Besser wäre einmal Rekord auf den Angliru oder dem Zoncolan !
Ich höre schon seit Jahren in allen Gazetten welch große Berggemse er wäre und als er heuer bei der VUELTA endlich einmal beim Schlussanstieg in der Sierra Nevada in der Spitze war (übrigens fast 8 Minuten vorne) , da dachte ich mir heut kann er's zeigen - seine Kletterqualitäten ! Endergebnis : von hinten aufgerollt und dann als 50. mit über 2:18 Minuten Rückstand ins Ziel ! Soviel zum Rekord aufs Horn und der Bergziege ...!
Da sind‘S jetzt aber mMn a bissele gar streng! Soweit ich mich erinnere war Rohregger mit einer kleineren Gruppe ohne Teamunterstützung ausgerissen– der war schon blau, bevor der Schlussanstieg losging.
Laut http://www.kitzbuehel.com/de/events... rundfahrt/
brauchte er 2007 für 920hm 28:24. Wenn ich mich nicht verrechne sind das sensationelle
1943 hm /h.
Dass er endlich international auch einmal was reißn könnte, steht natürlich außer Frage.
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