Vor 650 Jahren

Riesige Sturmflut fegte über die Nordseeküste

1. Jänner 2012, 12:31

Die "Erste Grote Mandränke" war eine der großen Katastrophen des mittelalterlichen Europas

Hamburg - Danach sollte nichts mehr so sein wie zuvor. Vor 650 Jahren fegte eine gewaltige Sturmflut über die Nordseeküste, über die Außenlande vor dem Festland, über die Köge und die eingedeichten Marschgebiete. Große Teile fruchtbaren Landes zwischen Sylt und Eiderstedt in Nordfriesland gingen damals buchstäblich unter. Aus zusammenhängenden Landteilen wurden verstreute Inseln und erste Halligen. Am 16. Jänner 1362 veränderte die "Erste Grote Mandränke" - die "Erste Große Manntränke" - den Küstenverlauf der Nordsee im heutigen Schleswig-Holstein für immer.

"Diese Flut ist eine der großen Katastrophen des mittelalterlichen Europas, die besonders in Nordfriesland zu großen Verlusten an besiedeltem Land und an Menschen geführt hat", sagte der Flensburger Historiker Thomas Steensen. 100.000 Menschen sollen umgekommen sein - in den Tiefen des "Blanken Hans'", hieß es einst. Inzwischen liegen die Schätzungen bei etwa 10.000 Toten. In Relation zur Deichhöhe - anders als heute betrug sie im 14. Jahrhundert nur etwa 2,50 Meter - sei die "Mandränke" die schwerste Flut gewesen, die Schleswig-Holsteins Nordseeküste je traf. Der Höhepunkt war am 16. Jänner erreicht. Insgesamt wüteten die Stürme drei Tage lang.

Mehrere Faktoren zusammen

Gleich mehrere Faktoren kamen damals zusammen. Zwölf Jahre vor der Sturmflut war die Pest durchs Land gezogen. Die Vernachlässigung der Deiche wegen des Bevölkerungsverlustes in der Pestzeit war noch nicht aufgeholt. Zudem habe es zu Beginn des 14. Jahrhunderts gravierende Klimaveränderungen gegeben: Zuerst Trockenheit, dann Dauerregen für ein ganzes Jahr, wieder Trockenheit. Das Vieh starb, strenge Winter, Stürme und Hungersnöte - nur jeder Vierte soll die Pest überlebt haben. Zu diesem Unglück kam auch noch Pech hinzu: Die passende Windrichtung zur passenden Zeit - das Wasser ist glatt über die Deiche gegangen. Ein Extremereignis.

50 Jahre lang kämpften die Nordfriesen nach der Flut ums langfristige Überleben. Die fruchtbaren Marschlande waren vernichtet, das Vieh ertrunken, das gesamte Deichwesen lag brach. Trotzdem forderte der dänische König Abgaben. Die Bevölkerung konnten sich nicht dagegen wehren, da ihnen die Männer zum Kämpfen fehlten.

Küste

Das Aussehen der Küste veränderte sich dauerhaft. Etwa 50 Prozent mehr als die heutigen "Utlande" umfasste das Gebiet vor 1362, schätzt Panten. Die gravierendste Veränderung zeige sich bei der heutigen Insel Pellworm: Das gesamte Meeresgebiet zwischen Pellworm und Nordstrand war einst Land. Auch die Stadt Rungholt, eine Art Atlantis des Nordens, das aber tatsächlich existierte, ging unter.

"Profiteur" der Verluste war hingegen Husum. Die Flut habe einen Zugang von der offenen Nordsee zur Südwestecke des Festlands geöffnet. Dort wuchs in wenigen Jahrzehnten der größte Ort Nordfrieslands heran, die heutige Kreisstadt Husum. Ohne die Katastrophe wäre das nicht der Fall gewesen.

Die Region wurde allerdings auch nach dem Ereignis von 1362 immer wieder von Sturmfluten heimgesucht, so auch von der "Zweiten Großen Manntränke" im Oktober 1634, zuletzt am 16./17. Februar 1962, als Hamburg getroffen wurde. 100.000 Menschen waren damals von den Fluten zeitweise eingeschlossen. Es gab 317 Todesopfer. Der spätere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt war damals Innensenator der Hansestadt und erwarb sich einen Ruf als Krisenmanager. (APA/red)

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17 Postings
byron sully
30

"Am 16. Jänner 1362 veränderte die "Erste Grote Mandränke" - die "Erste Große Manntränke" - den Küstenverlauf der Nordsee im heutigen Schleswig-Holstein für immer."

wieso für immer? bis jetzt. aber das heißt nicht, daß es bis in alle ewigkeit so bleiben muß.

im übrigen hätte die flut von 1962 beim technischen stand des hochwasserschutzes von 1362 vielleicht ähnliche folgen gehabt...

super Typ
01

Doch, für immer. Es sei denn, der Zustand vor der Erste Grote Mandränke würde vollständig wieder hergestellt.

Dass die Auswirkungen der Überflutung mit dem damaligen Überschwemmungsschutz in Zusammenhang stehen, ist völlig selbstverständlich.

der schwitzbär der schwitzt sehr
90

der menschgemachte Klimawandel hat eine lange Geschichte

es waren wohl die vielen Rinder, deren Methan die Trockenheit verursachte, bis der Regen sich durchsetzte und alles überschwemmte

der UN-Klimarat wird sich mit dem Phänomen befassen und anschließend Empfehlungen ausgeben, wieviele Rinder ein durchschnittlicher afrikanischer Bauer künftig besitzen darf

In Anbetracht der hiermit erwiesenen Brisanz der Lage erhöht sich die Klimaabgabe in der Europäischen Union auf € 3,- pro Tag und Nase

Amen.

das ist fix
10
Kopfsteuer

Soll das heißen, sie wollen einen Menschen schon alleine deshalb besteuern - nur weil er am Leben ist?

Chris Quast
13

du nase !!
die kühe der afrikaner sind wohl kaum das problem.
1/50 rind pro afrikaner
bei anderen staaten, regionen sieht es anders aus.
1/6 rind pro EU-ler
1/3 rind pro ami
1/4 rind pro inder
1 pro brasilianer
1,25 pro argentinier

Bagaude
00

Wie meinen?

Ph Gudenus
30
Trotzdem forderte der dänische König Abgaben.

Man ersetze König durch Dänemark.

Man hatte kein Wissen über das nächste Jahr hinaus. Politiker denken bestenfalls bis zur nächsten Wahl.

Das Jahr sollte 50 dauern.

Wie immer gab es Kriegsgewinner. Husum! Das Erkenntnis dauerte wieviel Jahre?

Gewinner wurden wohl nie bestauert. Die Etrunkenen erhielten wohl weiterhin Vorshreibungen. Bis wann dauerte bis endlich ergriffen wurde, dass ...

Dieser Tage erlebten wir ähnliches. Fukuschima! Nicht das Kraftwerk war schuld!

Neuer Nick neues Glück
00

"Trotzdem forderte der dänische König Abgaben.
Man ersetze König durch Dänemark."

Trotzdem forderte der dänische Dänemark Abgaben.
Nein - ergibt dann auch nicht mehr Sinn.

Sitacui
00

Es war Hamlet, der Saubatl

Nick Tameer
00

Es war der Claudius und nicht der Hamlet!

super Typ
05
"Zu diesem Unglück kam auch noch Pech hinzu"

Das erinnert an ein bekanntes Fußballerzitat:
"Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu." (Jürgen Wegmann)

It is so hot in here...
13
Ein sehr schöner Urlaubsort - unbedingt hinfahren!

Husum - Pellworm - Sehr schön!

Der Waehlerwille
 
00
Pellworm find ich nur langweilig, Husum genauso.

Viel schöner ist m.E. Föhr (Der Geest-Teil der Insel) Und speziell das Ufer mit dem Blick rüber nach Amrum und ganz an "der Ecke" nach Sylt. Dort in die Sonne zu blinzeln hat schon was.

Ebenso Amrum. Die Dünen, Norddorf .. alles sehr hübsch.

Aber die Küste selbst enttäuscht .. findet sich doch dort praktisch keinerlei "unberührte" Natur. Logischerweise ist alles eingedeicht und 100% genutztes Kulturland. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Deich, bisschen Strand (je nach Gegend mal mehr und auch mal praktisch gar kein Sand) und dann eben Watt und davon jede Menge.

Die Ostseeküste kann da landschaftlich mehr.

Neuer Nick neues Glück
00

Pellworm langweilig finden und Amrum nicht? ^^

Der Waehlerwille
 
00
das eine ist landschaftlich reizlos und einfach .. flach

das andere hat endlos kleine und grosse dünen.. davor noch den Kniepsand (meine absolute Lieblingslandschaft da oben).

Für mich ist nie ausschlaggebend wieviel menschen wo rumlaufen sondern einfach wie interessant die Landschaft sich gibt.

Deshalb mag ich auch Langeness so sehr.

Neuer Nick neues Glück
00

Die Küste ist allgemein sehr schön.
*heimweh*

It is so hot in here...
00
Wie war...

*mitfühl*

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