Japan

Verstrahlte Provinz Fukushima will keine Atomkraft mehr

28. Dezember 2011, 11:31

Tokio plant im Katastrophengebiet ein Zwischenlager für verstrahlten Abraum

Tokio - Die japanische Unglücksprovinz Fukushima will nach dem schweren Nuklearunfall eine Zukunft ohne Atomreaktoren. Die Zentralregierung in Tokio und der Atombetreiber Tepco sollten alle zehn Atomreaktoren in der Provinz abschaffen, heißt es in einem am Mittwoch von einem Gremium der Präfektur verabschiedeten Wiederaufbauplan. Sechs Reaktorblöcke befinden sich im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, die anderen im AKW Fukushima Daini.

Vier der Reaktoren im AKW Fukushima Daiichi wurden bei dem schweren Erdbeben und Tsunami am 11. März zerstört. Es kam zu Kernschmelzen, die Umwelt wurde verstrahlt. Zehntausende Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Regierung und der Atombetreiber Tepco hatten kürzlich bekanntgegeben, dass die Reaktoren jetzt unter Kontrolle seien. Es wird nach Planung der Regierung etwa 40 Jahre dauern, bis die Unglücksreaktoren vollständig abgerissen sind.

Der neue japanische Regierungschef Yoshihiko Noda spricht sich für eine langfristige Reduzierung der Abhängigkeit von der Kernenergie sowie den Ausbau erneuerbarer Energien aus. Allerdings will sich Noda - anders als sein Vorgänger Naoto Kan - nicht auf einen kompletten Ausstieg aus der Atomkraft festlegen. Japan sei zumindest noch bis 2030 darauf angewiesen.

Jüngere sollen zurückkehren

Die Provinz Fukushima will dagegen raus aus der Atomenergie und auf erneuerbare Energien setzen. Durch den Wiederaufbau und die Entwicklung Fukushimas hoffe man, dass die aus der Provinz geflohenen Bewohner, besonders die Jüngeren, ermutigt werden, wieder zurückkommen, wurde der Gouverneur der Provinz, Yuhei Sato, zitiert. Der Gouverneur traf am selben Tag mit Umweltminister Goshi Hosono zusammen, der in der Provinz ein Zwischenlager für verseuchten Boden und anderen strahlenden Abfall aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bauen lassen will.

Die Anlage solle nach Wunsch der Regierung in Futaba errichtet werden, wo auch die Atomruine steht. Der Umweltminister warb bei Regionalpolitikern um Verständnis. Mit einer Entscheidung der Provinz sei in Kürze zu rechnen, hieß es. In der Umgebung von Futaba werden im Zuge geplanter Dekontaminierungsarbeiten große Mengen an strahlendem Abraum anfallen. Die Bewohner mussten ihre Häuser verlassen.

Da sie wegen der hohen radioaktiven Strahlung voraussichtlich auf lange Zeit nicht in ihre Heimat werden zurückkehren können, erwägt die Zentralregierung in Tokio, Landstücke von den Besitzern aufzukaufen oder zu pachten. Auf diese Weise könnte Platz für das geplante Zwischenlager geschaffen werden. Geplant sei, bis Ende März 2013 einen Bauplatz auszusuchen. Anfang 2015 könnte dann der erste radioaktive Abraum und Müll dort zwischengelagert werden. Das Lager solle bis zu 30 Jahre lang bestehen. Die Frage eines Endlagers ist noch ungeklärt. (APA)

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15 Postings
Gerhard Ingolf
10
30.12.2011, 10:56
"Vergessen" ?

"Vergessen" wird von APA und Standard dass es aufgrund des Tsunami noch ande Probleme in Japan gibt als das AKW. Die auf die durch den SuperGAU freigesetzten Radionuklide (hauptsächlich Cäsium) betreffen derzeit 40km Küstenlinie, die anderen, nicht mehr berichteten Probleme einige 100km Küstenlinie. Auszug aus einem Bericht der NHK vom 29. Dezember, in dem es um Verzögerungen bei den Aufräumungsarbeiten geht: "They say the main reason for the delay is the time it takes to demolish damaged buildings. The government needs to get the approval of building owners and implement measures to prevent asbestos from scattering when it destroys the structures." ("NHK English" googeln). Halbwertszeit von Asbest ist unendlich! Lagerung?

Gast ohne Name
01
28.12.2011, 16:16
vermutlich eine weise entscheidung

alles gute den leuten dort

Voll in die Kaldaunen!
01
28.12.2011, 13:23
...eine Zukunft ohne Atomreaktoren. ...

Daraus wird in Fukushima mindestens die nächsten 10 Jahre nichts, da spielt ein Reaktor nicht mit, der sich verselbständigt hat ...!

alecs garwin
02
28.12.2011, 13:12
Das Lager solle bis zu 30 Jahre lang bestehen..

30 jahre ? da sind wohl 8 nullen verloren gegangen...solange dauert es nämlich, bis die strahlung auf ein natürliches niveau gesunken sein wird...

datum abgelaufen, ware in ordnung
02
28.12.2011, 15:06

zugegeben, 30 jahre ist eher kurz bemessen. aber 3 milliarden jahre ist eher ein bisserl lang.

alecs garwin
10
29.12.2011, 00:04
...

also die halbwertszeit von plutonium beträgt 24110 jahre...noch fragen ?

datum abgelaufen, ware in ordnung
00
29.12.2011, 12:06

nein, aber eine antwort: nach 10 halbwertszeiten ist von einem radioaktiven stoff 'fast nichts' mehr da; daher werden 10 hwz üblicherweise als nährungsmaß für komplettes abklingen hergenommen. 10 hwz 239-Pu = 241.100 jahre; differenz zu 3.000.000.000 jahren = 2.999.758.900 jahre. ak?

Gerhard Ingolf
11
29.12.2011, 19:06

Wieso reitens auf dem Plutonium rum? Da ist nichts freigesetzt worden. Es geht fast ausschließlich um Cäsium mit einer Halbwertszeit von ca. 30 Jahren.

alecs garwin
10
29.12.2011, 21:10
in brennstäben

befindet sich plutonium...und das hört nicht auf zu strahlen...

Gerhard Ingolf
00
30.12.2011, 02:44

Richtig, in den Brennstäben, die im Zeitraum der nächsten 20 bis 30 Jahre ausgebaut und der Wiederaufbereitung zugeführt werden. Das hat aber nichts mit dem Lager bzw. Zwischenlager für die mit Cäsium kontaminierten Bio- und Erdmaterialien zu tun, die im Rahmen der großflächigen Dekontaminierung deponiert werden müssen.

alecs garwin
00
30.12.2011, 12:06
..lesen ist nicht so ihre stärke..gell

"..ein Zwischenlager für verseuchten Boden und anderen strahlenden Abfall aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bauen lassen will.
Die Anlage solle nach Wunsch der Regierung in Futaba errichtet werden, wo auch die Atomruine steht."

Gerhard Ingolf
00
30.12.2011, 16:36

Offensichtlich ist hier das Problem, dass ich gewohnt bin mich zuerst bei NHK English (bitte googlen) zu informieren und dann erst den Standard zu lesen. Daher weiß ich im Vorfeld was jeweils gemeint ist, wenn ich hier Informationen in "Ö. political corectness" tendenzieller Art verfälscht vorfinde:
Gemeint für dieses Zwischenlager sind nicht der Reaktorinhalt sondern außer der Abraumerde, der kontaminierten Blätter und Sträucher und der überall herumliegenden Trümmer aus der Tsunami-Überschwemmung, die ja auch kontaminiert wurden. Verbrennen wäre da nicht sinnvoll, weil das Cäsium ja wieder freigesetzt würde.

alecs garwin
00
sie schlaues kerlchen...

die brennstäbe lassen sich halt nicht einfach "ausbauen" und der "wiederaufbereitung" zuführen...bei einem zerstörten atomkraftwerk, sondern die strahlen weiter...da kann man rundherum noch so sauber machen!

alecs garwin
00
29.12.2011, 21:09
was reden sie denn für unsinn... ???

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