Es gilt soziale Netzwerke an die Ära der Massenproteste anpassen - "Aktivisten-Geeks" auf den Plan gerufen
"Ich will nicht behaupten, dass wir unser eigenes Facebook machen. Aber wir machen unser eigenes Facebook", sagt der Entwickler Ed Knutson, der sich einer Gruppe von Aktivisten-Geeks angeschlossen hat, die soziale Netzwerke an die Ära der Massenproteste anpassen möchten. Dies geht aus einem Bericht von Wired hervor.
Bessere Kollaborationen
Die Aktivisten hoffen so, dass die Technologie, an der sie arbeiten, über die Occupy Wall Street Bewegung hinaus gehen kann, um bessere soziale Netzwerke, bessere Online Geschäfts-Kollaborationen und vielleicht auch das lang ersehnte "Semantic Web" - ein Internet, das die Suche nach Informationen und die Bewältigung der Informationsflut im Internet erleichtert - zu etablieren.
Gemeinsame Plattform
Die Forderung ist verständlich. Social Media hat 2010 und 2011 Demonstranten weltweit gemeinsame Plattformen verschafft. Der ägyptische Diktator Hosni Mubarak fürchtete Twitter und Facebook so sehr, dass zwischenzeitlich die ägyptische Bevölkerung keinen Internetzugang hatte. YouTube Videos wie vom Hacktivisten-Kollektiv Anonymous über Occupy Wall Street fanden ihren Weg von Insidernews zu internationalen TV-Nachrichten. Twitter-Hashtags haben der Occupy-Bewegung eine internationale Dimension verliehen.
Diaspora und Identica
Für Aktivisten sei es nun an der Zeit, anderer Leute soziale Netzwerke hinter sich zu lassen und ihre eigenen zu gründen. "Wir wollen Facebook unsere privaten Nachrichten, die wir unter uns Aktivisten austauschen, nicht anvertrauen", sagt Knutson. Ganz neu ist die Idee nicht, auch Diaspora oder Identica versuchen seit einiger Zeit eine Open Source Alternative zu Facebook und Twitter zu finden. Allerdings nicht mit Fokus auf Protestbewegungen.
Teilnahme nicht so einfach
Die überraschende Erhebung der Occupy Bewegung in den USA hat Leute auf den Plan gerufen, nach neuen quelloffenen Software-Modellen zu suchen, die eine zunehmend wichtige Rolle im Mobilisieren und Verknüpfen von sozialen Bewegungen spielen. Dabei müssen die Mitglieder vor allem vertrauensvoll sein, denn Aktivisten und Demonstranten riskieren in vielen Fällen ihre Freiheit oder sogar ihr Leben. Also soll eine Teilnahme und Registrierung nicht so einfach vonstattengehen wie auf Facebook, Twitter oder Google+.
Pseudonyme, aber keine Masken
Pseudonyme sollen in dem Fall erlaubt sein, solange sie als Pseudonyme und nicht als Masken genutzt werden. Der 36-jährige Knutson war vor seiner aktiven Teilnahme als Aktivist Beobachter der politischen Umstände. Gemeinsam mit Bekannten war er der Meinung, dass sich die Lage nach einiger Zeit beruhigte. Dem war nicht so. Vielmehr wurde sie schlimmer. Danach beteiligte er sich an der Organisation zahlreicher Protest-Camps und Erstellung von Websites wie Take the Square, die einen Überblick über weltweite Demonstrationen liefert.
RDF und Open ID
Dies mündete schließlich im Ziel ein "internationales Occupations Netzwerk" zu gründen. Wie die Aktivisten ihre Pläne eines dezentralisierten sicheren lokalen sozialen Online-Netzwerks in Zukunft umzusetzen werden, ist noch nicht ausgefeilt. Wahrscheinlich ist aber, dass Technologien wie das System zur Beschreibung von Resourcen "Resource Description Framework", kurz RDF, und Open ID zum Einsatz kommen werden. (ez, derStandard.at, 28.12.2011)