Kombi-Weltmeisterin Anna Fenninger gelingt beim Riesenslalom in Lienz ihr erster Weltcupsieg. Am Donnerstag fahren die Damen einen Slalom
Lienz/Bormio - Fast zwei Jahre lang hatte die weibliche Abteilung der
österreichischen Skifahrt gedürstet. Kathrin Zettel war die bisher
letzte, die einen Riesenslalom erbeutet hat, es passierte am 16. Jänner
2010 in Marburg. In Lienz war der Durst besonders groß. Dort gelang
zuletzt Nicole Hosp anno 2003 der einschlägige Sieg.
Die 22-jährige Anna Fenninger, die heuer im Februar aus
Garmisch-Partenkirchen WM-Gold in der Super-Kombi heim nach Adnet
brachte, war ihrem ersten Weltcupsieg auch schon ein Zeiterl auf den
Fersen gewesen. Dass dieser nun just im Riesenslalom gelang, überraschte
auch sie. "Unfassbar, das muss ich erst verdauen", sagte Fenninger. "Ich
hätte eher gedacht, dass es im Super-G passiert." In dieser Übung war
die Salzburgerin schon 2009 bei der WM in Val d'Isère Vierte geworden.
Und im Weltcup erreichte sie zwei zweite Plätze.
Das große Talent
Die Kundigen erzählen schon seit Jahren vom großen Talent der
Allrounderin Fenninger, die 2006 und 2007 die Gesamtwertung im Europacup
und als Juniorin vier WM-Titel gewann (zweimal Kombi, einmal
Riesenslalom, einmal Super-G). Und sie selbst erzählte in Garmisch, dass
sie sich wohl zu viel aufhalsen hatte lassen, was dann als Bremse
wirkte.
"Ich war bereit", sagte sie in Lienz, nachdem sie im Finale vom sechsten
auf den ersten Rang gecarvt war. Zweite wurde die Italienerin Federica
Brignone, Dritte die Französin Tessa Worley. Die deutsche
Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg fiel vom ersten auf den vierten
Platz zurück. Die Tirolerin Stefanie Köhle tauschte den zweiten mit dem
sechsten Platz und frohlockte dennoch über ihr bisher bestes Resultat.
Die steirische Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl rutschte vom dritten
auf den siebenten Rang zurück, was ihr gar nicht taugte. Aber sie freute
sich glaubhaft mit Fenninger. Hosp hat den Anschluss noch nicht
gefunden, verpasste das Finale.
Mit dem heutigen Slalom beenden die Damen das Skijahr 2011. Die
Salzburgerin Marlies Schild strebt nach dem vierten Sieg im vierten
Saisonslalom und dem 31. ihrer Karriere. Die diesbezügliche Bestmarke
hält die Schweizerin Vreni Schneider mit 34 Erfolgen. "Sie ist eine
Legende", sagt die amtierende Weltmeisterin Schild, die 2009 in Lienz
nach einem Trümmerbruch im Unterschenkel ihr Siegcomeback gab.
Fenninger, im Gesamtweltcup nun Zweite hinter Lindsey Vonn, verzichtet
auf den Slalom. Und trainiert Super-G. Dieser und eine Abfahrt werden am
übernächsten Wochenende in Bad Kleinkirchheim gegeben. (bez, DER STANDARD Printausgabe 29.12.2011)