Trauerszenen in Nordkorea

Regime inszenierte Abschied von Kim Jong-il

28. Dezember 2011, 14:04

Nachfolger Kim Jong-un stand an der Spitze des Trauerzugs durch Pjöngjang

Seoul/Pjöngjang - Mit einer pompös inszenierten Staatstrauer hat die Atommacht Nordkorea vom verstorbenen Diktator Kim Jong-il Abschied genommen. Das Staatsfernsehen zeigte am Mittwoch Bilder, wie der mit weißen Blumen und einer Parteifahne geschmückte Sarg des Machthabers in einem Autokorso durch Pjöngjang geführt wurde. Vor dem Leichenwagen fuhr eine Limousine mit dem überdimensionalen Bild des vor knapp zwei Wochen verstorbenen Staatschefs.

Nach zehn Tagen organisierter Massentrauer säumten noch einmal Zehntausende Nordkoreaner bei starkem Schneefall die Straßen der Hauptstadt, um Kim die letzte Ehre zu erweisen. Viele Menschen, darunter etliche Soldaten, weinten offenbar zügellos oder standen mit gesenkten Häuptern.

Den Leichenwagen begleiteten der Sohn und nicht einmal 30-jährige Nachfolger des Diktators, Kim Jong-un, sowie dessen Onkel Jang Song-thaek (Sung-taek) sowie der Stabschef der Armee, Ri Yong-ho. Ihre herausragende Stellung bei der Zeremonie lässt auch auf die künftigen Machtverhältnisse schließen. Kim Jong-un selbst gilt als politisch wie militärisch unerfahren.

Die Feierlichkeiten glichen, wie zuvor in Südkorea erwartet worden war, in der Gestaltung der Beisetzung von Kim Jong-ils Vater, dem "Ewigen Präsidenten" Kim Il-sung im Juli 1994. Auch dessen Sarg wurde damals in einer Prozession durch Pjöngjang geführt.

Die Fernsehbilder zeigten schluchzende Bürger, die von Tränen geschüttelt "Vater, Vater" rufen, als der von Armeefahrzeugen begleitete Trauerzug an ihnen vorbeifährt. "Wenn ich den weißen Schnee fallen sehe, muss ich an die Errungenschaften des Generals denken und das treibt mir die Tränen in die Augen", sagte eine Soldatin dem nordkoreanischen Fernsehen. Zu den Mythen, die den langjährigen Herrscher des weitgehend von der Außenwelt abgeschotteten, stalinistisch geführten Landes umranken, zählte seine angebliche Fähigkeit, das Wetter zu beeinflussen. In den staatlichen Medien war im Zusammenhang mit seinem Tod von ungewöhnlicher Kälte die Rede gewesen.

Zahlreiche Trauernde hätten das Bewusstsein verloren, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. "Ich verlor das Bewusstsein, als ich hier trauerte. Ich vermisse Führer Kim Jong Il sehr", wurde die 86-jährige An Ri-ho zitiert.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten hatten im Kumsusan-Mausoleum begonnen, wo Kim Jong-il nach seinem Tod in einem Glassarg aufgebahrt worden war. Nach drei Stunden kehrte der Kondukt laut Berichten wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. Es wurde in Südkorea vermutet, dass der einbalsamierte Leichnam Kim Jong-ils ebenfalls im Mausoleum beigesetzt wird, wo auch sein toter Vater in einem Glassarg ausgestellt wird.

Die staatlich ausgerufene Trauerzeit soll am morgigen Donnerstag mit einer landesweiten Gedenkfeier zu Ende gehen. Zur Mittagszeit sind die Nordkoreaner aufgerufen, eine Schweigeminute einzulegen.

Ausländische Trauergäste waren am Mittwoch nicht eingeladen - von Ausnahmen abgesehen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking teilte nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap mit, dass der chinesische Botschafter in Pjöngjang an den Feierlichkeiten teilnehmen werde. China pflegt nach wie vor gute Kontakte zu dem weitgehend isolierten Nachbarstaat.

Kim Jong-il ist nach offizieller Darstellung am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er war 17 Jahre an der Macht gewesen. Unter seiner Herrschaft starben nach Schätzungen Hunderttausende von Nordkoreanern an Hunger.

Mit dem Machtwechsel in Pjöngjang verbindet sich die Frage, wie sich das Land künftig im Streit über seine Atompolitik verhält. Kim Jong-il hatte sich zuletzt mehrfach zu neuen Atomgesprächen mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan bereiterklärt. Eine konkrete Zusage gab es jedoch bisher nicht.

Einem US-Experten zufolge kann Nordkorea wahrscheinlich früher als bisher erwartet eine Atomrakete einsatzfähig machen. Es werde wahrscheinlich nur noch ein bis zwei Jahre dauern, bis der kommunistische Staat einen nuklearen Raketensprengkopf einsatzbereit habe, schreibt der ehemalige Top-Experte eines überparteilichen Forschungsdienstes des US-Kongresses, Larry Niksch, in einem jüngst veröffentlichten Papier. Bisher galt eine Zeitspanne von fünf Jahren als realistisch.

Nordkoreanische Regimegegner schickten unterdessen während einer Versammlung im südkoreanischen Paju an großen Ballons befestigte Flugblätter nach Nordkorea. Darin riefen sie zum Kampf gegen die "kommunistische Dynastie der Kims" auf. Als Anreiz für die Lektüre der Flugblätter versahen sie diese mit Ein-Dollar-Scheinen. (APA/Reuters)

Kommentar posten
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Hannes Kartnig
02
29.12.2011, 21:16

welches begräbnis ist nicht inszeniert?

Ibsen
00
29.12.2011, 10:21
Unglaublich...

Herr Mag. Quasi Modo
01
29.12.2011, 08:48
bin ich der einzige der sich denkt ...

.... wie der Kim Jong Ill ausgesehen haben muss, wenn der Schnappschuss am auto das bestmögliche Foto von ihm war ... ?

WiendarfnichtPISAwerden
00
29.12.2011, 06:24
Kommis trauern einfach schöner!

Allmächtiger Satan
02
29.12.2011, 03:26

Davon träum Heinz Fischer auch.

MUNGO1
00
30.12.2011, 10:23
War ER auch dort?

Als persönlicher Freund des verstorbenen Hrdlicka, der zu Lebzeiten auch ein bekennender Stalinist war, wäre ihm das schon zuzutrauen unserm dunkelroten Fischer Heinzi!

blubbandkill
00
29.12.2011, 02:57
Kim jong-Il droppin the bass!

http://kimjongildroppingthebass.tumblr.com/

ichbinsofrei.net
10
29.12.2011, 01:34
Plinius
04
29.12.2011, 00:23
Nordkorea ist eine stalinistische Diktatur,...

...deshalb sind die "Trauerkundgebungen" verordnet. Da ist zumindest jeder 10te Zuschauer ein Spitzel, wer da nicht lautstark trauert wird gemeldet und verschwindet in einem Lager...
So einfach ist das was uns so lächerlich vorkommt.
Methoden dieser Art kann man bei Solschenizyn nachlesen...

blubbandkill
00
29.12.2011, 00:07
Michel Berger
10
28.12.2011, 23:31
Auch wenn das alles so bizarr ausschaut - was denkt sich Otto Normalnordkoreaner von Bildern aus dem Vatikan?

Peter W1
 
12
28.12.2011, 23:30

Ahso, wenn das Regime in den USA ein Staatsbegräbnis inszenieren, trauert die Welt. Wenn dass das Regime in Nordkorea macht ist das eine der Bevölkerung aufgepresste Inszenierung :) .

Leutln, das ist so billig in der Wortwahl, dass das jetzt sogar für Propaganda zu peinlich ist.

Peter_23
01
29.12.2011, 16:24
Was auch auffällt, ist das extreme Interesse im Westen wegen diesen Nordkoerea.

Das Südkorea und eventuell noch Teile von China Interesse am Nordkorea haben, liegt irgendwie in der Natur der Sache und ist verständlich. Aber für alle anderen ist dieses Land Nordkorea doch uninteressant.

Tatsächlich aber hupft wegen dem Tod von diesen Führer der halbe politische Westen auf - sogar der jap. Aussenminister samt Obama trifft deswegen besorgt zusammen.

Warum haben die solche Angst? Laut Propaganda ist Nordkorea doch ein bettelarmes Land, wo die Leute im Winter frieren, im Sommer hungern und dazwischen geht es auch nicht gut. Und trotzdem hat der Westen vor diesen angeblichen Halbtoten in Nordkorea soviel Angst.

Irgendwas passt doch da nicht.

Nr.3645
00
30.12.2011, 22:07

da ist etwas drann. das selbe darf man sich bei jedem "bösen" land fragen.

Santino Corleone
11
29.12.2011, 10:34
Find ich sensationell dass Sie das Hungerregime

von Nordkorea mit den demokratischen USA gleichstellen, das ist wirklich Linientreue. Erich Honecker wäre stolz auf Sie !

Peter W1
 
00
30.12.2011, 00:37

Demokratische USA :) ..... YMMD :)

.....

demokratische USA ... echt jetzt :) :) :) .

raff1
04
28.12.2011, 22:36
schade, werde die fotos vermissen

http://kimjongillookingatthings.tumblr.com/

Lupin 3.
 
01
29.12.2011, 02:59

Die Nachfolge ist doch schon geregelt!
http://kimjongunlookingatthings.tumblr.com/

voodoo
00
29.12.2011, 09:53

Irgendwie kann er es nicht so gut wie sein Vater......

tierischer durchfall
00
29.12.2011, 00:29
Es gibt aber noch mehr als 300 fotos im archiv die kommen :)

erdo
00
28.12.2011, 23:30
Keine Bange - das kann auch der Sohn

http://kimjongunlookingatthings.tumblr.com/

m_M
00
28.12.2011, 23:12
ja besonders ;)

looking at toiler paper

Vera Rschung
 
25
28.12.2011, 22:30
Ein Idol der Forumslinken

wird zu Grabe getragen. Wie es um die Wahrhaftigkeit der Trauerkundgebungen in Nordkorea bestellt ist, muss fraglich bleiben, bei uns hingegen trauert so mancher mit ehrlicher Inbrunst. Gaddafi, Kim Jong-il,... das Jahr 2011 war bitter für die antiimperialistische Bewegung. Politische Wirrköpfe haben es heute nicht leicht.

noracismonearth
10
29.12.2011, 10:03

ein diktator soll ein vorbild für linke sein? na sie haben eine ahnung, spiegelt aber die gesellschaft wieder. die kpö in österreich wird ja auch stets mit der aus der udssr verglichen und für deren taten verantwortlich gemacht...

lernens geschichte hätt ihnen so manch einer gesagt!

Peacefaktor
00
29.12.2011, 03:54
Ihr Posting verrät sehr viel über Sie selbst, und wie Sie andere wahrnehmen und sehen.

Sonst sagt dieses Postung eigentlich überhaupt nichts aus;(

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