Social Media als Kriterium beim "Pulitzer Prize" und "Huffington Post" in Deutschland

30. Dezember 2011, 13:06
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Was das nächste Jahr bringt: Die erste Facebook-Nachrichtenagentur wird gegründet, "You-Papers" werden Mainstream und endlich gibt es wieder Jobs im Journalismus

2012 wird die wichtigste journalistische Auszeichnung der Welt um eine Facette reicher sein. Der nächstjährige Pulitzer Prize für "Breaking News Reporting" wird zum ersten Mal auf der Basis von Real-Time-Reporting vergeben werden. Die Juroren sollen laut den neuesten Änderungen neben Live-Blogging auch die Einbindung Sozialer Medien in ihre Entscheidung mit einbeziehen.

Diese Entwicklung zollt den aktuellen Newsroom-Veränderungen Tribut. Live-Blogging wurde im Zuge der diesjährigen Revolutionen und Katastrophen zu einem wichtigen journalistischen Werkzeug, um aktuellen Meldungen Raum zur Weiterentwicklung zu schaffen und verwendete Quellen transparent zu machen.

Neue Jobs im Journalismus

Parallel zur Ausweitung multimedialer Praktiken und der Zusammenlegung von Online- und Printredaktionen stehen nächstes Jahr weitere Veränderungen im digitalen Arbeitsumfeld von Journalisten an. 2012 sollen vielerorts Programmierer engagiert werden, um gemeinsam mit den Redakteuren das Hype-Thema Datenjournalismus voranzutreiben. Als Früchte dieser Zusammenarbeit versprechen sich die Herausgeber Infografiken, die dem Leser Zusammenhänge aus großen Datensätzen auf einen Blick verständlich machen. "Visual Storytelling" nennt Zeitungsdesigner Norbert Küpper den übergeordneten Trend, der die Bildsprache in das Zentrum moderner Medienangebote rückt und an der intensivierten Verwendung von Fotografien, Infografiken und Illustrationen zu beobachten ist.

"Huff Po" wird deutschsprachig

Eine andere Art von Nachrichtenplattform installiert derzeit Arianna Huffington in Westeuropa. Die Tochter eines griechischen Zeitungsverlegers konnte den Nachrichtenaggregator "Huffington Post" in den USA zum Big Player ausbauen und steht derzeit, wie kolportiert, mit zwei deutschen Medienhäusern aus dem linksliberalen Umfeld in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit. Bereits existent sind "Huff Po"-Ableger in Großbritannien, Italien und Spanien. Die französische Zusammenarbeit mit "Le Monde" soll ab Mitte Januar 2012 starten.

Social Media auf Seite 1

Weitere Konkurrenz für die klassischen Printmedien und ihre digitalen Präsenzen droht vom "You-Paper", dem Heiligen Gral der Personalisierung. Als erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung gilt "Flipboard" , das von Apple zur iPad Applikation des Jahres und vom "Time Magazine" zu einer der Top-50-Innovationen 2011 erklärt wurde. Ein Algorithmus erstellt dort jedem Leser unter Einbeziehung von klassischen Nachrichten, Blogs, und Social Media seine nach persönlichen Vorlieben arrangierte Zeitung. Fragen nach dem Urheberrecht oder möglichen Werbeinnahmen durch Anzeigenverkäufe werden die zahlreichen Trittbrettfahrer im nächsten Jahr sicherlich ausreichend beschäftigen.

Weniger Inhalte für mehr Geld

Um ihre wertvollen und kostenintensiven Inhalte besser vor Konkurrenten zu schützen und den Absprung aus den Gefilden der Gratismentatlität zu schaffen, werden 2012 weitere Zeitungen auf den Paywall-Zug aufspringen, dessen Umsetzbarkeit das Vorzeigemodell der New York Times 2011 erfolgreich bewiesen hat. Als erfolgreichstes Konzept der jungen Entwicklung gilt das "Versioning" des Ökonomen und Google Executive Hal Varian. Dabei werden verschiedene Versionen desselben Informationsprodukts zu unterschiedlichen Preisen an verschiedene Zielgruppen verkauft.

Mobile First

Bei den Trägermedien werden 2012 mobile Geräte weiter an Bedeutung gewinnen. Einerseits überspringt die Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern die stationäre Phase und surft im Internet via Smartphone von Anfang an mobil, andererseits zeigen auch Studien hierzulande eine stark steigende Nutzung, vor allem parallel zum TV-Konsum.

Abschließend noch ein paar gewagtere Thesen für das nächste Jahr:

  • TV wird Print in den Werbespendings überholen. Digital wird weiter im zweistelligen Bereich wachsen.
  • Spracherkennungssoftware wird in den Redaktionen Einzug halten und viele Arbeitsprozesse erleichtern.
  • Lektoren werden sukkzessive das Vier-Augen-Prinzip der Online-Redaktionen ersetzen.
  • Appification wird zur neuen Paywallstrategie (Nicholas Carr)
  • Die erste Facebook-Only Nachrichten-Agentur wird gegründet.(Tatjana Rauth/derStandard.at/28.12.2011)
  • Personalisierung: Als erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung gilt "Flipboard", das von Apple zur iPad Applikation des Jahres und vom "Time Magazine" zu einer der Top-50-Innovationen 2011 erklärt wurde.
    foto: flipboard

    Personalisierung: Als erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung gilt "Flipboard", das von Apple zur iPad Applikation des Jahres und vom "Time Magazine" zu einer der Top-50-Innovationen 2011 erklärt wurde.

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